Angst vor Teufelskreis

Schuldnerberatung Kreis Plön: Immer mehr Menschen leben am finanziellen Limit

Sie verzeichnen eine erhöhte Nachfrage in der Schuldnerberatung im Haus der Diakonie in Preetz: Leiterin Heike Wrede, Sozialarbeiterin Michaela Lüben und Verwaltungsangestellte Maike Leutz.

Sie verzeichnen eine erhöhte Nachfrage in der Schuldnerberatung im Haus der Diakonie in Preetz: Leiterin Heike Wrede, Sozialarbeiterin Michaela Lüben und Verwaltungsangestellte Maike Leutz.

Preetz. Als sich der monatliche Abschlag des Energieversorgers auf 500 Euro für den Vier-Personen-Haushalt verdoppelte, wusste die Familie aus dem Kreis Plön einfach nicht mehr weiter. Schließlich war man bis dahin am Monatsende immer gerade so auf eine Kostenrechnung von plus minus Null gekommen. Die Mutter wandte sich deshalb an die Schuldnerberatung im Haus der Diakonie in Preetz. „Wenn man schon an der finanziellen Grenze lebt, weiß man nicht, wie man das bezahlen soll“, sagt Sozialberaterin Michaela Lüben. Wegen der extremen Kostenentwicklung könnten jetzt auch Familien aus der Mittelschicht schnell in einen Teufelskreis geraten.

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Die Preetzer Schuldnerberatung verzeichnet angesichts stark gestiegenen Preise für Energie sowie der hohen Inflation eine verstärkte Nachfrage, berichtet Leiterin Heike Wrede. Durch wachsende laufende Kosten könnten nun oftmals andere Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden. Man könne zwar einer Abschlagserhöhung widersprechen. „Aber dann kommt der große Batzen am Ende des Jahres.“ Das sollte deshalb man nur machen, wenn man weiß, dass der Verbrauch zu Hause sinkt – zum Beispiel weil die Kinder ausgezogen sind.

Schuldnerberatung Preetz: Alleinerziehende trifft die Krise besonders hart

„Es kommen jetzt Menschen zu uns, die vorher nicht hier waren: Rechtsanwaltsgehilfen oder Arzthelferinnen“, berichtet Michaela Lüben. Alleinerziehende, die nur ein Gehalt haben, träfe es besonders hart. Da werde es zum Beispiel eng, wenn das Kind einen neuen Laptop brauche. „Wir versuchen dann, eine Stiftung zu finden, die helfen könnte, obwohl das eigentlich nicht unsere Arbeit ist“, sagt Lüben. „Das Schicksal der Kinder belastet mich besonders.“ Manchmal nähmen sich die Eltern schon sehr stark zurück, damit die Kinder genug bekommen.

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Heike Wrede macht sich Sorgen, dass sich die Bildungschancen für einkommensschwache Familien weiter verringern. Dies habe sich ja schon in der Pandemie gezeigt. Die Familien könnten bereits weniger miteinander unternehmen. Die Eintrittspreise für Schwimmbäder, Kino oder Restaurants etwa seien längst erhöht worden. „Wenn die Kosten noch weiter ansteigen, wird diese Entwicklung auch mehr und mehr die Mittelschicht betreffen.“

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Viele ältere Menschen müssten mit einer geringen Rente auskommen. Auch für sie werde es eng. „Da sie tagsüber zu Hause sind, heizen sie natürlich auch mehr.“ Einige vereinsamten, weil sie sich nichts mehr leisten könnten. Für manche werde es besonders bitter, wenn sie Haustiere haben. Tierarztrechnungen fallen mittlerweile deutlich höher aus. Mit Hund oder Katze eine günstigere Wohnung zu finden, sei bei dem knappen Angebot fast unmöglich.

Schuldnerberatung in Preetz empfiehlt einen Haushaltsplan

Wie kann die Schuldnerberatung helfen? Wenn Ratsuchende anrufen, werde ein Beratungstermin vereinbart, erläutert die Verwaltungsangestellte Maike Leutz. Bis dahin sollten sie ihre Unterlagen zusammenstellen und einreichen. Außerdem sollte grundsätzlich ein Haushaltsplan mit Einnahmen und Ausgaben aufgestellt werden. „Wenn jemand dringend Hilfe braucht zur Existenzsicherung, ziehen wir ihn vor.“

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Geldnot: Hier gibt es Hilfe im Kreis Plön

Schuldnerberatung im Kreis Plön: Haus der Diakonie in Preetz, Am Alten Amtsgericht 5, Tel. 04342/71723, E-Mail: schuldnerberatung@diakonie-ps.de, Sprechzeiten: montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, Gesprächstermine nach telefonischer Absprache.

Stromspar-Check: Haus der Diakonie in Preetz, Am Alten Amtsgericht 5, Tel. 04342/71723, E-Mail: schuldnerberatung@diakonie-ps.de, Sprechzeiten: montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, Gesprächstermine nach telefonischer Absprache.

Behördenlotsen: Haus der Diakonie in Preetz, Am Alten Amtsgericht 5, Tel. 04342/71730, E-Mail: belo-preetz@diakonie-ps.de, Sprechzeiten: donnerstags von 10 bis 12 Uhr. Altes E-Werk in Plön, Vierschillingsberg 21, Tel. 01590/4818504, Sprechzeiten: mittwochs von 10 bis 12 Uhr, donnerstags von 15 bis 17 Uhr. Lütjenburg, Amakermarkt 1-3, Tel. 0160/95063040, Sprechzeiten: montags 16 bis 18 Uhr.

Danach werde geschaut, welche laufenden Verbindlichkeiten und Schulden vorliegen, und geprüft, ob Versicherungen wie Rechtsschutz gekündigt werden können. Da verweise man zum Beispiel sie auf die kostenlose Rechtsberatung. Auch TV-Abos seien nicht lebensnotwendig. Doch oft hätten einkommensschwache Familien schon alles ausgeschöpft, kauften Kleidung im Secondhand-Shop und holten Sofas oder Schränke aus dem Diakonie-Möbellager.

Also werde geschaut, ob man ergänzende Leistungen wie Wohngeld oder Unterhaltsvorschuss erhalten könne, so Michaela Lüben. Und man sollte man rechtzeitig beim Energieversorger anfragen, ob man die Raten reduzieren könne. Bei den hohen Abschlägen drohe sonst schnell eine Sperre. Das Problem: Die auflaufenden Kosten müssten irgendwann bezahlt werden.

Schulden vermeiden: Auch Stromspar-Check und Behördenlotsen helfen weiter

Die Schuldnerberatung empfiehlt außerdem, den Stromspar-Check der Diakonie in Anspruch zu nehmen, um zu schauen, wo man noch Energiekosten einsparen kann. Wer Probleme mit Anträgen hat, kann sich kostenlos von ehrenamtlichen Behördenlotsen im Haus der Diakonie helfen lassen.

Heike Wrede setzt ihre Hoffnung auf die angekündigte Wohngeldreform. „Ich hoffe, dass da noch was drin ist für Familien mit Kindern.“ Das Neun-Euro-Ticket sei für Menschen mit geringem Einkommen auch toll gewesen. „Es wäre schön, wenn es ein Sozialticket gäbe“, so der Wunsch von Michaela Lüben.

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Die vierköpfige Familie aus dem Kreis Plön, die nun 500 Euro Abschlag im Monat für Energiekosten zahlen muss, sucht weiter nach Möglichkeiten, Geld zu sparen. Eine neue Wohnung zu suchen, mache keinen Sinn, da die jetzige schon relativ günstig sei, erzählt Michaela Lüben. „Die Frau überlegt, ob sie eine neue Arbeitsstelle in der Nähe suchen soll – dann würde sie weniger Spritgeld zahlen müssen.“

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