Nachhaltigkeit ist Trumpf

15 Jahre alter Radlader arbeitet grundüberholt auf Deponie in Schönwohld

Fahrdienstleiter Stefan Schwalm vom Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel zeigt die Fahrerkanzel des grundüberholten Radladers Caterpillar 962H.

Fahrdienstleiter Stefan Schwalm vom Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel zeigt die Fahrerkanzel des grundüberholten Radladers Caterpillar 962H.

Achterwehr/Kiel. 14.500 Arbeitsstunden hat der Radlader mit der Typenbezeichnung Caterpillar 962H auf dem Buckel. Zum alten Eisen gehört die Maschine auf der Deponie im Achterwehrer Ortsteil Schönwohld für den Abfallwirtschaftsbetrieb Kiel (ABK) nicht. Sie wurde für 148.000 Euro grundüberholt.

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Nachhaltigkeit funktioniert fast überall. Das zeigt das Radlader-Pilotprojekt vom ABK mit dem Unternehmen Zeppelin in Osterrönfeld. Der Hersteller Caterpillar hatte empfohlen, den 15 Jahre alten Radlader von der ABK-Deponie in Schönwohld nicht auszumustern, sondern in ein zweites Leben zu investieren.

Eine Neuanschaffung war bereits im Gespräch: Das Getriebe und der Motorkopf des Sechszylinder-Motors mit 158 KW Leistung wurden bereits einmal erneuert, berichtet Jörn Liesenberg, Abteilungsleiter Fahrzeugtechnik des ABK. Die Reparaturkosten hatten die Höhe der Anschaffungskosten für eine neue Maschine erreicht. Ein Grenzwert, ab dem über die Zukunft von Maschinen entschieden wird.

Der ABK entschied sich gegen ein neues Gerät und für das sogenannte Rebuild-Verfahren. Dabei wird die Arbeitsmaschine nach Vorgaben des Herstellers von Grund auf erneuert, es gibt ein Zertifikat und eine dreijährige Garantie.

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Der Radlader wurde in alle Einzelteile zerlegt

„Keine Schraube, kein Ventil blieb an seinem Platz“, berichtet Jörn Liesenberg. Die Maschine wurde komplett in alle Einzelteile zerlegt, jedes Bauteil geprüft, jeder Mangel behoben.

Motor, Elektrik, Getriebe, Achsen, Hydraulik, alles ist brandneu. Die Beleuchtung wurde auf LED umgerüstet, neue Software eingespielt, der Fahrersitz erneuert. Drei Monate waren für die Grundüberholung geplant. Sie dehnten sich wegen Lieferschwierigkeiten und Materialengpässen auf sechs Monate aus.

148.000 Euro für die Arbeiten und ein Leihgerät – das klingt teuer, ist jedoch billiger, als ein neues Fahrzeug: Rund 300.000 Euro würde ein neuer Radlader aktuell kosten, schätzt ABK-Fuhrparkleiter Stefan Schwalm. 2021, als die ABK mit der Ersatzplanung für das 2007 in Dienst gestellte Großarbeitsgerät begann, lagen die Anschaffungskosten für eine neue Maschine bei 260.000 Euro.

Dazu käme bei einer Neubestellung eine Unwägbarkeit: der Liefertermin. 18 Monate Bauzeit rechnet man bislang für ein neues Gerät. Ob das mit den aktuellen Lieferengpässen weiterhin so ist, kann der ABK nicht abschätzen.

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Das Vorgehen bei der Grundüberholung gleicht einer Hausentkernung. „Zu 85 Prozent besteht das Großarbeitsgerät aus massivem Stahl“, berichtet Jörn Liesenberg. Beim 962H war die Stahlkonstruktion komplett intakt. Sie wurde nur sandgestrahlt, neu lackiert, erhielt Korrosionsschutz und blieb ansonsten erhalten.

Durch eine Grundüberholung werden Rohstoffe gespart

„Wir sparen die Rohstoffe für die Herstellung von Stahl und die Energie der Schweißarbeiten,“ zählt Jörn Liesenberg Nachhaltigkeitspunkte auf. „Man schont die Umwelt.“

Was erhalten blieb: Die Direktlenkung mit Joy-Stick in der Fahrerkanzel. „Beides fehlt im Nachfolgermodell“, sagt Stefan Schwalm. Für die Arbeitsergonomie sei der Lenkmechanismus, bei dem eine Vierteldrehung am Lenkrad für eine 90-Grad-Drehung der Vorderräder reicht, optimal.

Der 8,30 Meter lange, drei Meter breite und 3,50 hohe Caterpillar 962H hat ein Leergewicht von 19,3 Tonnen. Er wird mit einem Diesel-Motor mit sieben Liter Hubraum bewegt. Das Maximaltempo von 40 Stundenkilometern ist auf 20 Km/h gedrosselt. Eine Sicherheitsvorkehrung auf dem Betriebsgelände. 4,3 Kubikmeter Fassungsvermögen hat die drei Meter breite Schaufel, die maximale Tragkraft des 962H liegt bei vier Tonnen.

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Spezialausrüstung in der Fahrerkanzel: Eine Schutzbelüftung, die verhindert, dass gefährlicher Staub eindringen können.

Stefan Schwalm testete den runderneuerten Radlader, der auf der 19 Hektar großen Deponie zum Auftürmen von Bauschutt eingesetzt wird: Ein Dreh mit dem Zündschlüssel reichte, dann brummte der Motor solide.

Was bedeutet die Kosteneinsparung für die Gebührenzahler?

Günstiger werden die Gebühren durch die Ersparnis nicht, sagt Stefan Schwalm. Das einzig Positive: „Die Gebühren steigen nicht.“

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