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Versuchsgut Lindhof

Die klimafreundliche Rinderweide

Ein spezielles Gerät auf Schnauze und Rücken der Kühe misst den Methan-Ausstoss. Agrarwissenschaftler Dr. Carsten Malisch erwartet eine Senkung des Treibhausgases durch Kräutermischungen.

Ein spezielles Gerät auf Schnauze und Rücken der Kühe misst den Methan-Ausstoss. Agrarwissenschaftler Dr. Carsten Malisch erwartet eine Senkung des Treibhausgases durch Kräutermischungen.

Lindhof.Wie ein Tauchgerät sieht der Apparat aus, den die Jersey-Kuh trägen, die es sich wiederkäuend auf der Weide des Lindhofs bequem gemacht hat. Zwei Schläuche führen vom Maul zu zwei Unterdruckbehältern auf ihrem Rücken. Sie nehmen die Luft, die das Tier ausatmet auf. Wenn Rinder Gras verwerten, entsteht in ihren Mägen Methan – ein Klimagas, das die Erderwärmung beschleunigt. Die Landwirtschaft trägt nach Angaben von Agrarwissenschaftler Dr. Carsten Malisch direkt zu knapp zehn Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen bei.

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Dieser Wert ist bislang nicht gesunken. Doch das könnte sich ändern. Malisch von der Gruppe Grünland/Futterbau/ökologische Landwirtschaft der Uni Kiel ist an einem Feldversuch auf dem Lindhof beteiligt, der zeigen soll, wie sich die Speicherung von Kohlenstoffen im Boden erhöhen lässt und die Kühe ohne Produktionseinbußen weniger Methan ausstoßen. Quasi zwei Fliegen, die mit einer Klappe geschlagen werden, um eine klimaeffiziente Milcherzeugung zu fördern.

Kräuter sollen den Methan-Ausstoß von Kühen reduzieren

Doch wie geht das? Kräuter sind das Zauberwort. Die Annahme ist, dass sie den Methan-Ausstoß von Kühen reduzieren können. Bislang wurde daran überwiegend im Labor geforscht. Der Feldversuch auf dem Lindhof ist eine der wichtigen Freilanduntersuchungen. „Wir messen direkt am Tier“, erläutert Malisch. Verschiedene Ansaatmischungen sollen zeigen, wie sich die einzelnen Kräuter auf die Methanbildung auswirken. Dem konventionellen Weidelgras werden Pflanzen wie Spitzwegerich, Wegwarte, verschiedene Kleesorten, Kümmel und Kleiner Wiesenknopf untergemischt.

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Dieser Mix hat viele Vorteile: Durch die Kombination von tief- und flachwurzelnden Kräutern lässt sich die Wurzelmasse vergrößern und damit die Bindung von Kohlenstoffen im Boden erhöhen. Das heißt: Weniger Treibhausgas gelangt in die Atmosphäre. Darüber hinaus ermöglicht der Artenreichtum, dass eine Weide durch einen Anteil tiefer wurzelnder Pflanzen Trockenperioden wie den Sommer 2018 besser übersteht. Und Leguminosen wie Klee sind in der Lage, Stickstoff im Boden zu binden, so dass der Anteil von Mineraldünger auf fast null heruntergefahren werden kann.

Manche Pflanzen können den Kohlenstoffeintrag in den Boden erhöhen

Mit im Team der Uni-Gruppe ist Cecilia Loza. Die Agrarwissenschaftlerin aus Uruguay beteiligt sich an den Forschungen, da gerade in ihrem Heimatland die Vollweide-Haltung von Rindern die Regel ist. „Deshalb ist es für mich sehr interessant, durch welche Kräuter sich der Anteil von Methan reduzieren lässt“, sagt sie. Erste Zwischenergebnisse liegen zwar noch nicht vor, da auch der Feldversuch 2018 unter der Trockenheit litt. Doch kann man jetzt schon sagen, dass manche Pflanzen in der Lage sind, den Kohlenstoffeintrag in den Boden zu erhöhen. „Da steckt grundsätzlich Potenzial drin“, sagt Malisch. Über zwei Jahre ist der Test angelegt, dann folgt die Auswertung.

Der "Tag der offenen Tür" auf dem Lindhof ist nach Angaben von Betriebsleitein Sabine Mues vor 15 Jahren aus dem Wunsch entstanden, landwirtschaftliche Forschung erlebbar zu machen. "Wir wollen zeigen, was wir hier machen – im Betrieb und in der Wissenschaft", sagt sie. Viele Interessierte aus der Region nahmen das Angebot wahr, aber auch Praktiker aus der Landwirtschaft. Vor allem Kinder freuten sich über viele Spielmöglichkeiten und die Gelegenheit, Angler Sattelschweine in Freiland-Haltung, Jersey-Kühe und eine Hühner-Schar aus der Nähe zu sehen. Denn oft ist die Bindung zum Ursprung unserer Nahrung schon verloren gegangen. Im Hofladen ließen sich die Produkte auch verköstigen.

www.lindhof.uni-kiel.de

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