Gegen die Müll-Flut

Erster Unverpackt-Laden in Eckernförde

Foto: Anja Rolf (links) und Karen Dohm eröffnen Freitag ihren Unverpackt-Laden "Freihandel" in Eckernförde.

Anja Rolf (links) und Karen Dohm eröffnen Freitag ihren Unverpackt-Laden "Freihandel" in Eckernförde.

Eckernförde. „Freihandel“ – das bedeutet nicht nur frei von Verpackungen, sondern auch von Problemstoffen, unnötigen Transportwegen und Abhängigkeiten von Konzernen. Sprich: Bio sowie möglichst regional und fair gehandelt. Die beiden Inhaberinnen, Karen Dohm und Anja Rolf, haben es sich nicht leicht gemacht. „Wir haben monatelang recherchiert, um die passenden Produkte zu bekommen“, erzählt Dohm, die auf über 20-jährige Erfahrungen in Biobetrieben verweisen kann. Dass Reis oder Tee nicht aus Schleswig-Holstein kommen können, versteht sich dabei von selbst.

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Über 500 Artikel finden sich in den Spendern und Regalen des Unverpackt-Ladens. Das reicht von Nudeln, Müslis, Getreidekörnern und Gummibärchen bis zu Haarbürsten, festem Shampoo, Deo-Cremes und Zahnputz-Tabs. Im Kühlschrank lagern Milch vom Hof Rzehak (Tüttendorf), Eier vom Lindhof (Noer) und Käse von Hof Berg (Dannau). Dazu gesellen sich in den Regalen Säfte und sogar Wein aus Pfandflaschen. Wer selbst Reinigungsmittel herstellen möchte, kann hier zudem auf Grundstoffe wie Natron und Soda sowie entsprechende Anleitungsbücher zurückgreifen.

Wer bewusst einkauft, reduziert seinen Gelbe-Sack-Müll

Das Einkaufen im Unverpackt-Laden fängt bereits zuhause an. "Die Kunden bringen saubere Gefäße mit, die werden eingewogen und mit dem Gewicht beschriftet. Anschließend können sie ihre Behältnisse an den Spendern befüllen", erläutert Anja Rolf. Bezahlt wird nur das, was auch eingefüllt wurde. "Wer hier und auf dem Wochenmarkt so einkauft, der produziert für Küche und Bad keinen Gelbe-Sack-Müll mehr", ist sie sich sicher. Das Sortiment soll noch weiter ausgebaut werden. So ist auch Hundetrockenfutter in der Planung.

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Auch hinter den Kulissen steht Recycling oben an. Viele Lebensmittel für den Unverpackt-Laden werden bereits in Pfand-Säcken und -Eimern geliefert. Auch viele Bestandteile der Ladeneinrichtung sind wiederverwertet. Regale beispielsweise stammen aus dem alten Reico-Laden und das Firmenschild war einmal eine Schrebergarten-Tür. Neu und durchdacht sind dagegen die Spender aus Edelstahl und Glas, die von Anja Rolfs Mann Felix, einem Maschinenbauingenieur, entwickelt wurden.

Getreide lässt sich über eine Elektromühle vor Ort mahlen

Eine Besonderheit ist die Nussmus-Maschine, die auf Knopfdruck frisches Mus herstellt. Getreide lässt sich in einer Elektromühle bei Bedarf auch vor Ort mahlen. Und wer wissen will, wo die Lebensmittel herkommen, der kann sich nach Farbmarkierungen von Schleswig-Holstein über Deutschland bis Europa und weltweit richten. Sogar eine Schokolade gelangte CO2-neutral nach Eckernförde. Die Chocolate Makers segelten sie nach Europa, das letzte Stück von Celle an die Ostsee wurde die Süßware von Freiwilligen geradelt. „Das Bemühen um Nachhaltigkeit steckt in jedem Detail“, sagt Dohm.

Dabei war es ein langer Weg bis zum fertigen Laden. Drei Jahre planten die beiden Inhaberinnen ihr Vorhaben, prüften verschiedene Standorte und kämpften mit den Anforderungen der Bürokratie. Doch nun heißt es: Bahn frei für den "Freihandel". Der Unverpackt-Laden am Rathausmarkt 2 in Eckernförde ist über einen Gang zwischen Reformhaus Hintz und Bürgerbegegnungsstätte erreichbar. Öffnungszeiten (ab Freitag, 31. Mai, 10 Uhr): Mo-Fr 8-18.30 Uhr, Sa 8-14 Uhr. Tel.: 04351/7532435, Internet: www.frei-handel.de.

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