Kita in Schacht-Audorf

Erzieher lernen Traumapädagogik

Im Kindergarten St. Johannes in Schacht-Audorf: Die Erziehrinnen Astrid Mischel-Baginski und Petra Engelhardt profitieren im Alltag von der Fortbildung in Traumpädagogik.

Im Kindergarten St. Johannes in Schacht-Audorf: Die Erziehrinnen Astrid Mischel-Baginski und Petra Engelhardt profitieren im Alltag von der Fortbildung in Traumpädagogik.

Schacht-Auddorf. Erzieherin Astrid Mischel-Baginski aus dem Kindergarten St. Johannes in Schacht-Audorf erinnert sich an eine Situation, in der das Wissen aus der Traumapädagogik half: „Wir hatten in der Kita-Gruppe wie immer Wunderkerzen zum Geburtstag eines Kindes angezündet.“ Ein Flüchtlingskind schreckte vor den winzigen Explosionen der knisternden Kerze erkennbar zurück und zog sich dann auch aus der Gruppe weit zurück.

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Traumapädagogik im Kindergarten

"Ich habe das Kind angesprochen, Augenkontakt gesucht", berichtet die Erzieherin. Die vertraute Stimme holte das abwesend wirkende Kind erst nach einiger Zeit in die Gegenwart zurück. Astrid Mischel-Baginski konnte mit einer weiteren Methode mit dem Kind üben, in Gedanken eine zweite, gute Erinnerung wachzurufen. An die kann es jetzt denken, um sich sicher zu fühlen, wenn die Angst wie aus dem Nichts kommt.
"Wir wollen Kinder stabilisieren und stärken", sagt Erzieherin und Motopädagogin Petra Engelhardt. Dass sei bei Kindern mit Fluchterfahrungen ein langer Weg. Den Kindern einen einen "sicheren Begleiter" an die Hand geben, helfe bei der Stabilisierung.

Heiner Garg im Kindergarten St. Johannes

Kita-Kind Ida zeigt ein Kuscheltier. Wenn die Biene Maja dabei ist, fühlt sich die Vierjährige auch in unbekannten Situationen sicher. „Krisen durchlebt jeder, es geht darum, wie man damit umgeht“, erklärt Marie Pagenberg vom Institut für berufliche Aus- und Fortbildung. Traumapädagogik hat die Arbeit im Kita-Alltag verändert. „Wenn ein Familienmitglied stirbt, Eltern streiten, ein geliebtes Haustier stirbt“, können das Situationen sein, die Kinder belasten, sagt Kita-Leiterin Lydia Deckert. In der St. Johannes-Kita haben bislang acht der 15 Erzieher einen der ein- bis neun tägigen Kurse belegt.

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Garg: Fortbildungen in Traumapädagogik enorm wichtig

„Krisen durchlebt jeder“, erklärt Marie Pagenberg vom Institut für berufliche Aus- und Fortbildung (Ibaf). „Es geht darum, wie man damit umgeht.“ Die Ibaf zählt wie der Landesverband des Kinderschutzbundes und der Verein Wendepunkt zu den Anbietern der Fortbildungen. Zwischen 2016 und 2018 boten die drei Institutionen 702 Fortbildungstage und Schulungen an und kamen zu 425 Superversionen und Beratungen.

Info-Flyer zur Traumapädagogik

Für 1780 Kitas im Land wurde jetzt ein Info-Flyer zur Traumapädagogik aufgelegt, die erste Broschüre übergab Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) am Mittwoch an die Schacht-Audorfer Kita-Leiterin Lydia Deckert. Garg bewertet die Fortbildung als "richtigen Schritt". Im Schnitt blieben Kita-Kräfte wegen solcher und anderer Belastungen nur fünf bis sieben Jahre im Beruf, sagte er. Ob das Fortbildungsprojekt weiter vom Land finanziert wird, ist offen.

Lesen Sie auch: Im Zuge der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 gewann wegen der vielen geflohenen Kinder und Jugendlichen aus Krisengebieten die Traumapädagogik schlagartig an ernormer Bedeutung.

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