Naturfreunde klären auf

Giftcocktail in weggeworfenen Kippen

Foto: Nach ein paar Minuten Suche vor dem Eckernförder Bahnhof gefunden: Ina Walenda von den Naturfreunden zeigt den Eimer voller Kippen. Links: Hans-Peter Buchholz, Landesvorstand Gewässerschutz.

Nach ein paar Minuten Suche vor dem Eckernförder Bahnhof gefunden: Ina Walenda von den Naturfreunden zeigt den Eimer voller Kippen. Links: Hans-Peter Buchholz, Landesvorstand Gewässerschutz.

Eckernförde. Ina Walenda trägt einen schicken Mantel, ihre Hände aber stecken in Arbeitshandschuhen. Sie kniet auf dem Kopfsteinpflaster des Kirchplatzes und sammelt einen Stummel nach dem anderen ein. Schon nach wenigen Minuten ist der Boden des Eimers bedeckt. "Das ist noch wenig", sagt die Landesgeschäftsführerin der Naturfreunde. An Bahnhöfen oder Bushaltestellen werde man viel schneller fündig. Gerade in Pflasterritzen bleiben die Kippen trotz Reinigungsgeräte hängen. Ein Vogel kann sie fressen, ein Kind anfassen oder Regen spült die Giftstoffe in den Erdboden. Eine Kippe kann viele Liter Grundwasser verseuchen.

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Nikotin ist ein Nervengift und wurde früher als Insektizid in der Landwirtschaft genutzt. Dazu gesellen sich Schwermetalle und PaKs (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe). „Tausende von Chemikalien befinden sich in einer Kippe, 50 davon sind krebserregend“, sagt Walenda. Gelangen sie über die Kanalisation ins Wasser, schaden sie den dort lebenden Organismen. Ein Angler berichtete den Naturfreunden, wie er eine Bachforelle fing und später deren Magen öffnete. Darin fand er eine Kippe. Das Gift kommt zum Menschen zurück.

Weltweit werden jährlich 5,6 Billionen Zigaretten geraucht

Das Bild ist überall das gleiche: Am rauchfreien Bahnhof in Bordesholm sammelten die Naturfreunde innerhalb von 20 Minuten einen Vier-Liter-Eimer voller Stummel. Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO werden weltweit jährlich 5,6 Billionen Zigaretten geraucht. Davon werden 4,5 Billionen Filter zumeist gedankenlos weggeschnippt. "Wir wollen das Bewusstsein für dieses Problem schärfen", sagt Walenda. Allein in Schleswig-Holstein muss in über zehn Fällen pro Jahr ein Kind ins Krankenhaus, weil es eine Kippe verschluckte. Der Filter besteht aus Kunststoff und überdauert ohne Sonneneinfluss Jahrhunderte, zerfällt langsam zu Mikroplastik.

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Nils Radon bleibt am Stand der Naturfreunde stehen und will die Aktion spontan unterstützen. „Wenn sich keiner gegen die Kippen-Flut einsetzt, geht das immer so weiter“, sagt der 32-jährige Holzdorfer. Er selbst hat vor über zehn Jahren mit dem Rauchen aufgehört. „Seitdem kann ich wieder besser atmen, schmecken und riechen“, sagt er. Oft stoßen die Umweltschützer auf Verständnis für ihr Anliegern, auch bei Rauchern. Allerdings nicht bei allen: „Einer las sich unsere Infos durch – und warf dann seine Kippe zu Boden“, ärgert sich der stellvertretende Landesvorsitzende, Jürgen Klose.

Als letzte Maßnahme das Verbot von Zigarettenfilter

Die Naturfreunde sehen im Kampf gegen die Kippen die Raucher selbst in der ersten Verantwortung. Sie fordern aber auch mehr Kontrollen und höhere Bußgelder, ein Verbot der Tabakwerbung und mehr Aschenbecher im öffentlichen Raum. Gerade auf Kinderspielplätzen sollte Kippen tabu sein. Und wenn alles nichts helfe, so die Naturfreunde, dann müssten als letzte Maßnahme Zigarettenfilter verboten werden.

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