Religion

Jüdisches Museum Rendsburg will digitaler und inklusiver werden

Museumsleiter Jonas Kuhn schaut mit Sina Wahls (19) auf Pläne für den Umbau des Jüdischen Museums Rendsburg. Mit Tipps von Schülern soll die neue Ausstellung attraktiver werden.

Museumsleiter Jonas Kuhn schaut mit Sina Wahls (19) auf Pläne für den Umbau des Jüdischen Museums Rendsburg. Mit Tipps von Schülern soll die neue Ausstellung attraktiver werden.

Rendsburg. Im Erdgeschoss rotiert eine Kreissäge, es wird gehämmert, rohe Wände sind zu sehen, als eine Gruppe von Schülern unter Führung von Jonas Kuhn durch das Jüdische Museum Rendsburg läuft. Die Arbeiten zur Neugestaltung sind in vollem Gange, bei der die jungen Frauen und Männer die Einrichtung beraten haben. Zum Höhepunkt der Arbeiten schließt das Jüdische Museum Rendsburg nach dem Wochenende vorerst.

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„In diesen Raum kommt ein Boxsack“, sagt Leiter Kuhn im ersten Stock der ehemaligen Talmud-Tora-Schule. Wer ihm einen Punch verpasst oder ihn zumindest berührt, bekommt auf einem Monitor und einem Lautsprecher Informationen zu Makkabi Deutschland, dem jüdischen Turn- und Sportverband. Mit ungewöhnlichen Elementen wie diesen soll das Jüdische Museum Rendsburg interaktiver und digitaler werden. „Und vor allem zeigen, dass Juden nicht nur Opfer sind“, erläutert er.

Jüdisches Museum Rendsburg: Schüler geben Tipps zur Neugestaltung

Um an die Informationen zu kommen, reiche im Zweifel allerdings auch ein Schubser. Denn die neue Ausstellung soll nach Aussage des Museumsleiters auch so inklusiv wie möglich sein. „Nicht jeder mag oder kann in so einer Ausstellung auf einen Boxsack einschlagen.“

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Um das Museum zeitgemäß umzugestalten, haben mit Kuhn alle vier bisherigen Leiter am neuen Konzept gearbeitet und sind dabei von einem wissenschaftlichen Beirat und drei sogenannten Fokusgruppen beraten worden. Darunter jüdische Institutionen aus dem Land, einem Verband für Menschen mit Behinderung und Schülerinnen und Schüler.

Kooperationspartner des Museums ist seit zwei Jahren die Geschichts-AG des Gymnasiums Heide-Ost, dessen Schüler sich Gedanken zur Umgestaltung des Jüdischen Museums in Rendsburg gemacht haben. Auch wenn die bislang nur durch ausgehängte Pläne auf der Baustelle zu erahnen ist, freuen sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf die Wiedereröffnung.

Im Erdgeschoss ist auf ihre Anregung hin zum Beispiel ein Sesselraum geplant. Dort sollen ab Frühjahr Lautsprecher von der Decke hängen und die Biografien von Juden aus Schleswig-Holstein „erzählen“. „Im Gegensatz zu anderen Museen kann man hier auch mit tauben Füßen etwas lernen“, sagt die 19-jährige Abiturientin Sina Wahls. „Das klappt so schön nebenbei.“

Schleswig-Holstein investiert eine Million Euro in das Museum

Lehrer Matthias Duncker erhofft sich von der Beteiligung der Schüler einen Lerneffekt, wie er im Unterricht gar nicht erzielt werden kann. „Sie werden jedes Museum künftig mit anderen Augen betreten“, ist er überzeugt. Sie lernten dort nicht nur mehr über die jüdische Geschichte, sondern auch, wie ein Museum funktioniert.

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Für den Umbau nimmt die Stiftung Landesmuseen SH und damit mittelbar Schleswig-Holstein nach eigenen Angaben eine Million Euro in die Hand. Dabei stammt das Geld aus der Stiftung selbst und dem Fonds für Barrierefreiheit des Landes. Dadurch kann auch ein Fahrstuhl eingebaut werden, der Besuchern mit körperlichen Einschränkungen den Besuch der Ausstellung im Obergeschoss ermöglicht.

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Vor der Schließung lädt das Museum zum Ende der Sonderausstellung „Queer und religiös“ noch zu einem Vortrag am Sonntag, 3. Juli, ein. Julia Monro und Kadiz Özdemir berichten von Erfahrungen von Kindern, die sich nicht mit ihrem Geschlecht identifizieren können. Die Wiedereröffnung ist für den 26. Februar 2023 geplant.

In der Zwischenzeit sind Führungen an für die jüdische Geschichte der Region relevanten Orten angedacht. So etwa eine Stadtführung am 24. Juli um 14 Uhr. Die Touren kosten 5 Euro.

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