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Krieg in der Ukraine

Kirche Altenholz bietet mit Café International Forum für den Austausch

Luba (36, rechts) stammt aus der Ukraine. Mit Hilfe von Viktoria Ladyshenski als Übersetzerin hat sie im Ukraine-Treff ihre Flucht geschildert.

Luba (36, rechts) stammt aus der Ukraine. Mit Hilfe von Viktoria Ladyshenski als Übersetzerin hat sie im Ukraine-Treff ihre Flucht geschildert.

Altenholz.Die Stadt Kiew ist in Altenholz nicht erst seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine ein Begriff. Das Gymnasium Altenholz pflegt seit 1994 Kontakte zu einem Gymnasium in Kiew. Lange gab es einen regen Austausch, mit kurzer Pause zwischendurch. Kein Wunder, dass man in Altenholz einen besonderen Bezug zu Flüchtlingen aus der Ukraine hat.

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Da ist die Kirche, die jetzt schon zum zweiten Mal zu einem Ukraine-Stammtisch ins Café International einlädt. In Altenholz sind etwa 40 Ukrainer untergebracht, erklärt Pastor Okke Breckling-Jensen. Die hatten jetzt bei Kaffee und Kuchen im Eivind-Berggrav-Zentrum Gelegenheit, sich auszutauschen – und etwas Abstand zu den schrecklichen Erinnerungen zu gewinnen.

Eine Ukrainerin erzählt die Geschichte ihrer Flucht

Da ist zum Beispiel Luba (36). Sie spricht kein Deutsch oder Englisch, so dass Viktoria Ladyshenski von der Jüdischen Gemeinde Kiel und Region übersetzt, die 1992 aus der Ukraine nach Deutschland kam. Luba stammt aus der Region um die Hafenstadt Cherson. Dass es Krieg geben könnte, hatte sie niemals erwartet. Bis ein Raketenangriff kam.

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In letzter Sekunde habe sie ihr Heimatdorf verlassen können: „Hinter uns waren schon die Soldaten mit russischer Flagge.“ Sie floh zunächst in ein Dorf, das dann am 9. März von den Russen erobert wurde. Die hätten alle Häuser durchsucht und geschossen, erzählt Luba mit Tränen in den Augen.

Sie versteckte sich im Keller. Floh dann in die Großstadt Krivyj Rig, dann nach Polen – zwischenzeitlich mit fremden Kindern. Schließlich kam Luba in Berlin an. Dort entstand über den Sohn einer Altenholzerin der Kontakt nach Schleswig-Holstein. Nun lebt Luba mit ihren zwei Töchtern in einer Wohnung, die das Ehepaar Hirschfeld in Altenholz-Knoop zur Verfügung stellt.

Kirche und Helferkreis Altenholz engagieren sich für Flüchtlinge

Hier fühlt Luba sich wohl, macht sich aber viele Sorgen um Verwandte. So kann sie gerade ihre Mutter nicht telefonisch erreichen. Luba möchte Deutsch lernen und arbeiten – zum Beispiel als Verkäuferin oder in einer Küche. Wichtig ist ihr zudem der Appell an Bundeskanzler Olaf Scholz, Waffen und Munition in die Ukraine zu liefern: „Meine Neffen kämpfen dort!“

Da ist auch der Freundeskreis Asyl, der sich schon bei der Flüchtlingswelle ab 2014 engagierte. Eine Helferin von damals, die jetzt zum Ukraine-Treff in der Kirche gekommen ist, sagt: „Weitere Helfer sind unbedingt willkommen.“ Sie betreut eine ukrainische Frau, zum Beispiel bei Behördengängen. „Obwohl wir nicht die gleiche Sprache sprechen, verstehen wir uns.“

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Da ist Sina Marie Rooswinkel-Weiß, die seit ihrem Schüleraustausch 2002 mit ihrer Austauschpartnerin in Kontakt blieb. Jetzt wohnt Anastasie nach ihrer Flucht in Altenholz. Sie erinnert sich noch an die ersten Bomben, die am 24. Februar das Wohnhaus erschütterten. Jeden Abend habe man sich „gute Nacht gesagt – ohne zu wissen, ob wir morgens wieder aufwachen“.

Da ist der Lehrer Henning Schröder, der den seit 2016 wiederbelebten Schüleraustausch in die Ukraine betreut. Alle Schülerinnen und Schüler ständen in Kontakt zu ihren Austauschpartnern, erzählt er im Ukraine-Treff. In mindestens vier Fällen seien schon Familien angekommen, deren Kontakt nach Altenholz über den Austausch entstand.

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Ein Fünftklässler geht seit kurzem sogar auf das Gymnasium Altenholz. „Wir haben es fast nur mit auseinandergerissenen Familie zu tun“, erzählt Henning Schröder: Die Männer verteidigen die Heimat. Auch ihn belastet der Krieg im Austauschland des Gymnasiums Altenholz. Die Gemeinde nördlich von Kiel sei für Teilnehmende des Programms eine Art Backup für den Notfall geworden.

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Das sieht auch Sina Marie Rooswinkel-Weiß so: „Es hilft, zu wissen, dass man nicht in die Ungewissheit geht.“ Im Gegenteil: Jene Frau, die den Fünftklässler und dessen Mutter aufgenommen hat, erzählt, dass alle in der Schule sein Pate werden wollten. Und die Klassenlehrerin sich ganz toll um ihn kümmert: „Das ist gut in all dem Schrecklichen.“

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