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Ukraine-Hilfe

MTV Dänischenhagen: Wie ein Sportverein für Flüchtlinge zur Hochform aufläuft

Die Spendentransport-Aktion des MTV Dänischenhagen für die ukrainischen Flüchtlinge an der polnischen Grenze hat Menschen aus der gesamten Umgebung und rund um die Kieler Förde mobilisiert.

Die Spendentransport-Aktion des MTV Dänischenhagen für die ukrainischen Flüchtlinge an der polnischen Grenze hat Menschen aus der gesamten Umgebung und rund um die Kieler Förde mobilisiert.

Dänischenhagen. Das ist überwältigend. Morgens um 8 Uhr rollen am Sonnabend die ersten Autos mit Kieler, Plöner, Eckernförder Kennzeichen wieder aus der Schulstraße in Dänischenhagen nach Hause. Kartonweise Hilfsgüter sind abgeladen.

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Der Spendenaufruf des MTV Dänischenhagen für ukrainische Flüchtlinge hat die Herzen der Menschen auch in Kiel und Umland erreicht. Die Initiatoren finden kaum Worte. Um kurz vor 16 Uhr ist es dann soweit: Drei Laster und ein Kleinbus mit Anhänger brechen zur ukrainisch-polnischen Grenze auf – randvoll geladen.

„Völliges Chaos. Und total super!“ Marc Tietjen hat nur Zeit für knappe Formeln. Die Augen des MTV-Vorsitzenden strahlen dabei. Dann wuselt er wieder kurz im scheinbaren Durcheinander von Kartons, Tüten, Taschen umher. Hier eine schnelle Antwort, dort ein Zeichen, wo die Kinderschuhe hin sollen.

Hilfe für die Ukraine: Hilfkonvoi des MTV Dänischenhagen

Freiwillige Helfer des Sportverein sind am Sonnabendnachmittag, 5. März, mit Hilfsgütern an die polnisch-Ukrainische Grenze aufgebrochen.

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Aktion des MTV Dänischenhagen: Medikamente für ein ganzes Dorf

Dr. Andreas Losch, Kollege aus dem Sportverein und Arzt, bewahrt derweil die Ruhe. Er schichtet gespendete Medikamente säuberlich in Kisten. Jede Packung hat er genau geprüft. Gerade hier darf nichts schiefgehen. Am Ende wird er Bilanz ziehen: „Ein mittleres Dorf kann man damit komplett versorgen.“

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Die Zahl der Helferinnen und Helfer scheint unübersehbar. Tietjen kennt viele gar nicht. „Wer Spenden bringt, darf gern gleich Hilfskraft werden“, hatte sich der kommissarische Chef des Breitensportvereins gedacht.

Die Idee kam Tietje spontan. Er war als Soldat in Afghanistan. Das Leid der Bevölkerung hat ihn dort tief berührt. Als er am Montag die Bilder aus der Ukraine sah, stockte auch ihm der Atem. „Da stand für mich gleich fest: Wir müssen Hilfsgüter hinbringen“, sagt er. Zeit zum Reifen hatte die Idee kaum, für ausgefeilte Logistik war gar kein Raum. Über Whatsapp kam eine Welle der Unterstützung ins Rollen, die jetzt dafür sorgt, dass das Chaos erstaunliches System bekommt.

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Dänischenhagener stellt drei Lkw für Ukraine-Hilfskonvoi

Tietjen: „Wir haben einen 7,5-Tonner und einen Fünftonner mit Anhänger von meinem Nachbarn Kay Rönnau bekommen. Dann brauchten wir noch je zwei Fahrer, die sich bis zum Ziel abwechseln. Die standen nach unserem Aufruf auch gleich auf der Matte.“ Ein Team bilden Altherren-Fußballer Christoph Barwich vom MTV, der auch in der Strander Feuerwehr aktiv ist, und sein Vater Wilfried aus Strande. Beide dürfen und können 7,5-Tonner fahren.

Prompt meldete sich auch Dirk Berg aus der Strander Wehr als Fahrer. Von seinem Job bei einem norddeutschen Sender nahm er ein paar Tage frei. „Und ich bin Rentner, habe Zeit und Lust mit anzupacken“, ergänzt Horst Dochhan, Fahrer Nummer vier. Der Rentner ist aus Kiel und erfuhr von seiner Tochter von der Aktion. Sie wohnt in Dänischenhagen.

Um acht Uhr sollten die ersten Spenden wie Winterkleidung, Hygieneartikel, Medikamente, Babynahrung, Konserven, Spielzeug eintreffen“, berichtet Tietjen. „Wir wollten Vorlauf haben.“ Denkste. Um 7.15 Uhr standen erste Spenderinnen und Spender auf der Matte.

Feuerwehren unterstützen Ukraine-Hilfe des MTV Dänischenhagen

Petra Waldeck vom MTV dirigiert seitdem die Ankömmlinge mit ihren Kisten und Taschen dorthin, wo sie Waren vorsortiert ablegen oder Helfern zureichen können. An der Zufahrt weisen Freiwillige Fahrzeuge ein. Andere holen mit Schubkarren Hilfsgüter von Ankömmlingen, die am Sportplatz halten.

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Ein Feuerwehrwagen aus Mielkendorf rollt an. Zusammen mit Grundschuleltern haben die Kameraden kurz getrommelt – und der Wagen ist knallvoll. Vincent Kowalski ist Handballer beim MTV und hatte über die Aktion berichtet. Sein Kamerad Nils Kruse hat eine Tochter in Grundschule. So entstand der Plan. Hans-Marco Ramm und Moritz Rohweder klinkten sich ein. Michel Bentzien setzte ein gespendetes Stromaggregat instand, das jetzt mit nach Polen fährt.

„Es kommt noch besser“, wird Tietjen am Nachmittag berichten. „Die Jungs haben sofort noch einen Kleinbus mit Anhänger samt Fahrern für uns organisiert. Die sind sofort gekommen.“ Transportunternehmer Rönnau hakt mittags nach, ob alles in seine beiden Wagen passt. „Natürlich nicht“, muss Tietjen sagen. Spontan stellt er einen weiteren 7,5-Tonner. Wieder zeigt Whatsapp Wirkung: Ein Fahrer aus Klausdorf/Schwentine macht sich spontan auf den Weg. Er wird sich mit einem MTV-Fußballer am Lenkrad abwechseln.

Konvoi an die ukrainische Grenze hat 1300 Kilometer vor sich

In der Warteschlange steht wieder ein Feuerwehrauto. Schönkirchener Kameraden haben privat eine Sammlung angestoßen und dürfen den Wagen nutzen, berichten Thorben Seidel und Ehefrau Nele. Zur gleichen Zeit steht Spenderin Nicole Geall aus Altenholz mit Tüten voller Lebensmitteln fragend vor Bernhard Schütt. „Geben Sie mal her. Ich weiß, wo es hinkommt“, sagt er und lächelt.

Der Mann aus Kiel-Friedrichsort hat am Vortag auf seinem Ponyhof für die MTV-Aktion gesammelt. Seine Freunde aus Dänischenhagen kamen abends mit dem Laster und luden bis kurz vor Mitternacht die ersten vollen und beschrifteten Kartons ein. Dass Schütt auch am Sonnabend hilft, ist Ehrensache.

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1300 Kilometer liegen am Sonnabendnachmittag vor dem Konvoi. Er wird bis zum Ziel bei Lwiw zusammenbleiben. Wie lange der Hilfstrupp mit Spenden im Wert von rund 200.000 Euro braucht, weiß keiner genau. Die Schätzungen schwanken zwischen 13 und 20 Stunden. Die freiwilligen Fahrer können es trotzdem kaum erwarten, die mit Liebe gepackten Hilfsgüter aus Dänischenhagen und Co. zu übergeben.

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