Ruderrennen auf NOK

SH Netz Cup in Rendsburg: Warum der Deutschland-Achter keine Chance hatte

Der deutsche Ruderachter, hier kurz vor dem Ziel im Rendsburger Kreishafen, war beim Kanal-Cup nicht konkurrenzfähig.

Der deutsche Ruderachter, hier kurz vor dem Ziel im Rendsburger Kreishafen, war beim Kanal-Cup nicht konkurrenzfähig.

Rendsburg. Nein, zufrieden ist Ole Kruse nicht, als er am frühen Sonntagnachmittag aus dem Wasser im Rendsburger Kreishafen steigt. „Das war heute sehr schwierig, wir müssen viel an uns arbeiten“, sagt der 23-Jährige. Gerade hat er sein erstes Rennen im legendären Deutschland-Achter absolviert, das „Flaggschiff“ des Deutschen Ruderverbands, medaillenschwer bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Doch der Achter liefert aktuell keine Erfolgsgarantie mehr. Das zeigte sich auch beim 22. SH Netz Cup in Rendsburg. Beim Ruder-Marathon auf dem Nord-Ostsee-Kanal fuhren die Achter der USA, Niederlande und Ukraine den Deutschen davon, die mit Abstand Letzter wurden. Was ist da los?

Deutschland-Achter in Rendsburg: Fünf Novizen waren dabei

Eigentlich sind die äußeren Rahmenbedingungen am Sonntag in Rendsburg perfekt. Sonnenschein, ein kleines Volksfest am Kreishafen, eine große Bühne mit Moderation und viele Menschen, die sich an der Uferkante eingefunden haben. In Breiholz starten die internationalen Achter das „härteste Ruderrennen der Welt“, wie es die Veranstalter nennen, 12,7 Kilometer lang bis zum Ziel unter der Rendsburger Hochbrücke.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Doch der Schein trügt, zumindest, was das deutsche Team angeht. Ganze elf Athleten aus dem großen Achter-Kader hatten ihren Start Corona-bedingt oder verletzt absagen müssen. Sogar eine Absage war im Vorfeld Thema gewesen. Ole Kruse erhielt erst am Donnerstag einen Anruf, er werde gebraucht.

Rund 40.000 Besucher am Wochenende

Der SH Netz Cup war eingebettet in ein buntes Rahmenprogramm am Rendsburger Kreishafen. Von Freitag bis Sonntag gab es Konzerte, Essens- und Getränkestände sowie eine Hüpfburg. Auch auf dem Wasser war einiges los: Am Sonnabend fand ein Drachenboot-Cup statt, an dem unter anderen Freiwillige Feuerwehren, Vereine und Verbände teilnahmen. Mitglieder der Nationalmannschaft demonstrierten am Sonntag außerdem das sogenannte Coastal Rowing, eine Wildwasser-Variante des Ruderns. Laut Veranstalter Wolfgang Berndt kamen an den drei Tagen rund 40.000 Besucherinnen und Besucher zum Kreishafen.

Also steigt der Münsteraner zum ersten Mal in den Deutschland-Achter, genau wie vier seiner Mitstreiter. Mit Torben Johannesen ist nur ein Athlet an Bord, der auch bei den Olympischen Spielen in Tokio 2021 dabei war, Deutschland gewann damals Silber. Auch Johannesen musste kurzfristig nach Rendsburg reisen, eigentlich hatte er wegen der Hochzeit eines engen Freundes frei bekommen.

SH Netz Cup in Rendsburg: Achter der USA fährt allen davon

Das nicht eingespielte Rumpfteam versucht beim Start mitzuhalten. Doch früh ziehen die anderen Boote weg. „Nach anderthalb Kilometern sind wir ineffizienter geworden, es war superhart“, berichtet Kruse kurz nach dem Rennen. Deutschland kommt nicht hinterher, hat bald auch mit dem Wellenschlag der Kameraboote zu kämpfen. Vorne setzen sich die USA deutlich ab, fahren ein konstant schnelles Tempo.

Schleswig-Holstein Netz Cup 2022 in Rendsburg: Das US-amerikanische Boot gewann das "härteste Ruderrennen der Welt".

Schleswig-Holstein Netz Cup 2022 in Rendsburg: Das US-amerikanische Boot gewann das "härteste Ruderrennen der Welt".

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die favorisierten Niederländer hinken etwas hinterher, müssen sich in der Mitte des Rennens sogar gegen die überraschend starken Ukrainer verteidigen. Dort sitzt kurioserweise mit Larina Hillemann auch eine Schleswig-Holsteinerin mit im Boot. Der Grund: Die Ukrainer hatten keinen Steuermann, die Ruderin der Lübecker Ruder-Gesellschaft sprang ein. Sie ist normalerweise Steuerfrau des Frauen-Achters.

Während des Rennens spürt Ole Kruse, dass er noch Nachholbedarf „in allem“ hat, wie er sagt. Seien es Rudertechniken, Kondition oder Muskelaufbau: „Ich werde noch intensiv trainieren müssen.“ Sein großer Traum: In der nächsten Saison will er zum festen Team des Ruder-Achters gehören.

Qualifikation für Olympische Spiele 2024 Ziel des Deutschland-Achter

Der Abschluss der laufenden Saison ist derweil enttäuschend. Die USA siegen in Rendsburg in 37:39 Minuten mit über einer halben Minute Vorsprung auf die Niederlande. Die drittplatzierten Ukrainer folgen deutlich dahinter, Deutschland hat zum Schluss mehr als eineinhalb Minuten Rückstand auf die USA.

Während das Publikum aufmunternd applaudiert, legt der Deutschland-Achter am Steg an, die Ruderer satteln das Boot auf ihre Schultern. Vorne läuft Torben Johannesen mit grimmigem Blick. „Wir werden unserem hohen Anspruch nicht gerecht“, sagt er. Deutschland hatte auch schon bei der Weltmeisterschaft eine Woche zuvor enttäuscht, als man erstmals seit 23 Jahren nicht ins Finale kam. „Wir müssen wieder frühzeitig und viel gemeinsam trainieren“, sagt Johannesen. „Das haben wir diese Saison auch wegen vieler Krankheitsausfälle nicht geschafft.“

Lesen Sie auch

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Deutschland hat ohnehin einen Umbruch hinter sich, die neue Generation rutscht nach. Dazu will auch Ole Kruse gehören. Bei der WM im kommenden Jahr gehe es für den Achter darum, mindestens Fünfter zu werden, um sich für die Olympischen Spiele in Paris zu qualifizieren. „Dabei will ich mithelfen.“

Mehr aus Rendsburg-Eckernförde

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken