Kinder beobachten Wild

Wenn der Hase über den Acker rennt

Foto: Geduld, Ruhe und ein gutes Fernglas: Jäger Reimer Göttsche (76) beobachtet aus der Kanzel am Langlohsberg in der Dämmerung Wild.

Geduld, Ruhe und ein gutes Fernglas: Jäger Reimer Göttsche (76) beobachtet aus der Kanzel am Langlohsberg in der Dämmerung Wild.

Gnutz. “Die Felder sind abgemäht, vielleicht sehen wir gar nichts”, hatte Reimer Göttsche, Organisator des Ansitzabends für Kinder der Jagdgemeinschaft Gnutz, die Gäste auf eine mögliche Enttäuschung vorbereitet. Es kam zum Glück anders. Die neun Kinder entdeckten massenhaft Wild.

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“Ich hätte nie damit gerechnet, dass wir so viele Tiere sehen.”

"Wir haben Rehe beobachtet, Möwen angeguckt und eine ganze Herde Schafe gesehen", erzählte Thea (6) nach der Rückkehr vom Hochsitz mit leuchtenden Augen. "Ganz dicht am Knick saß ein Fasan", erinnerte sich Max (8) begeistert. "Ich hätte nie damit gerechnet, dass wir so viele Tiere sehen."
Reimer Göttsche hatte für seinen Gast einen Extra-Feldstecher eingesteckt. Zwei Gartenstuhlauflagen hielten im Hochsitz den Windzug ab. "Wenn man still sitzt, wird es in der Kanzel schnell kühl."

Der Hase sitzt gern mit der Nase im Wind

Über eine Stunde ließ der Jäger in der Dämmerung die Augen über Knickränder, Felder und den Waldsaum schweifen. “Je später der Abend, desto mehr Wild”, verriet der 76-Jährige, der vor 35 Jahren den Jagdschein gemacht hat. Göttsche zeigte seinem kleinen Gast bevorzugte Aufenthaltsorte der Tiere: “Der Hase sitzt gern mit der Nase im Wind”, sagte er und zeigte auf ein Langohr, das erst mit großen Sprüngen über den Acker gesetzt war, um sich am Feldrand niederzulassen. “Wenn er das satt hat, geht er in den Windschatten an den Knick.” Zwei Rehe knabberten an knospendem Grün im Knick. “Sie naschen gern junge Blätter.”

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Schon auf dem Hinweg hatte Göttsche im Knick eine Eiche und Maiglöckchen gezeigt. “Die Pflanzen blühen seit der Knickverordnung von Robert Habeck, einen halben Meter Fläche zwischen Feld und Knick nicht zu bearbeiten, wieder häufiger”, sagte der Jäger.

Auf Rückfahrt durch die Felder erzählte Reimer Göttsche von der Entwicklung der Landwirtschaft. Der 76-Jährige kannte viele der heute landwirtschaftlich genutzten Flächen noch als natürliches Moor. “In den 50er Jahren wurde das Moor teilweise umgebrochen und Ackerflächen angelegt, die Menschen brauchten damals Lebensmittel.”

Seit zehn Jahren bietet die Jagdgemeinschaft den Ansitzabend an

Seit zehn Jahren bietet die Jagdgemeinschaft Kindern ab fünf Jahren den Ansitzabend an, damit der Nachwuchs Natur live erleben kann. “Theorie und Praxis sind zweierlei. Viele Stadtkinder kennen den Unterschied von Buche und Eiche nicht”, sagte Reimer Göttsche. Toller Nebeneffekt der Ansitzabende ist für Reimer Göttsche: Man lernt die neu Zugezogenen im Dorf kennen. “Wenn mich die Kinder im Dorf sehen, sagen sie auch Guten Tag.”

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