Weggefährten berichten

Angela Merkel und die Segeberger: Warum sie manchen zum Frühstück einlud

Kanzlerin Angela Merkel ließ sich 2009 bei einem Besuch im Integrationsbetrieb di.hako in Trappenkamp von Stephan Giese (links) und Jan Hoppe die Produktion von Plastikteilen zeigen.

Kanzlerin Angela Merkel ließ sich 2009 bei einem Besuch im Integrationsbetrieb di.hako in Trappenkamp von Stephan Giese (links) und Jan Hoppe die Produktion von Plastikteilen zeigen.

Kreis Segeberg. Mehrfach war die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kreis Segeberg zu Besuch: Um mit Ärztevertretern zu sprechen, im Wahlkampf oder bei einem Betriebsbesuch. Oder sie lud zum Frühstück ins Kanzleramt ein. Segeberger Gesprächspartner blicken auf ihre Begegnungen mit Merkel zurück.

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Juli 2009: Auf einem Flug von Berlin zu einem privaten Termin nach Sylt legte sie einen Zwischenstopp in Trappenkamp ein. Ihr Hubschrauber landete auf dem Sportplatz.

2009 flog Angela Merkel mit Hubschrauber in Trappenkamp ein

Sie besuchte den metallverarbeitenden Integrationsbetrieb di.hako. Begleitet von regionaler Politprominenz schaute sie sich eine Stunde den Betrieb an, in dem Menschen mit und ohne Behinderung Reinigungstechnik herstellen.

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Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte vor zwei Jahren dem Pressekoordinator des Segeberger CDU-Kreisverbandes Uwe Voss aus Nahe zum 70. Geburtstag, der mehrere Wahlkampfveranstaltungen von ihr moderiert hatte. "Das hängt in Übergröße in meinem Glaspalast-Büro", sagt Voss.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte vor zwei Jahren dem Pressekoordinator des Segeberger CDU-Kreisverbandes Uwe Voss aus Nahe zum 70. Geburtstag, der mehrere Wahlkampfveranstaltungen von ihr moderiert hatte. "Das hängt in Übergröße in meinem Glaspalast-Büro", sagt Voss.

Vor dem Betriebstor standen Zuschauer und Demonstranten. Milchbauern protestierten für höhere Preise, andere gegen den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan. Rund 50 Kräfte kümmerten sich um Merkels Sicherheit: Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, Polizisten mit Spürhunden und Beamte des Bundeskriminalamtes.

Angela Merkel nahm Franz Thönnes mit, aber nicht den Trappenkamper Bürgermeister

Die 50 Journalisten und ihre Ausrüstung waren streng kontrolliert worden. Nur von vier Positionen in den Hallen aus durften aus zehn Metern Entfernung Bilder gemacht werden. Erlaubt waren zwei Fragen. Drei DRK-Mitarbeiter standen bereit, hatten sich aber in Zivil kleiden müssen. Bürger hatten keinen Zutritt.

Zwei Mal war Angela Merkel für die CDU im Wahlkampf in Norderstedt, wie hier 2017 mit (von links) Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, Landtagsabgeordneter Katja Rathje-Hoffmann, Bundestagsabgeordneter Gero Storjohann und Ministerpräsident Daniel Günther.

Zwei Mal war Angela Merkel für die CDU im Wahlkampf in Norderstedt, wie hier 2017 mit (von links) Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote, Landtagsabgeordneter Katja Rathje-Hoffmann, Bundestagsabgeordneter Gero Storjohann und Ministerpräsident Daniel Günther.

Sie lobte den Betrieb als einen „Leuchtturm“ unter den über 500 Integrationsbetrieben Deutschlands. Der damalige Bürgermeister von Trappenkamp Werner Schultz hat Angela Merkel nicht begleiten dürfen.

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Vom Besuch Angela Merkels in Trappenkamp drehte Bundesregierung einen Film

„Es wurde uns extra gesagt: Das sei ein reiner Arbeitsbesuch, ohne Kommunalpolitik. Schade. Ich hätte ihr gerne das Goldene Buch der Gemeinde unter die Nase gehalten.“

Ausdrücklich erwünscht war dagegen der damalige Segeberger SPD-Bundestagsabgeordnete Franz Thönnes, seinerzeit Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium der Großen Koalition und Fachmann für Teilhabe. "Es war ihr Wunsch, dass ich dabei bin", erinnert sich Thönnes. "Das fand ich in Ordnung." Und das zwei Monate vor der Bundestagswahl. Vom Besuch stellte die Bundesregierung einen Kurzfilm ins Internet.

Franz Thönnes (SPD): Angela Merkel (CDU) zieht keine Mauer um sich

Sie hätten „ein menschlich gutes Verhältnis“ gehabt, sagt Thönnes, ergebnisorientiert und mit gegenseitiger Achtung. „Sie konnte zuhören, war zugänglich, hatte keine Mauer um sich.“ Den Satz in der Flüchtlingswelle vor einigen Jahren „Wir schaffen das“ hält Thönnes für richtig, hätte sich aber gefreut, wenn „Wir machen das“ gefolgt wäre. Also Programme für die Integration.

Beim Wahlkampf in Norderstedt 2017 tauschen sich CDU-Bundestagesabgeordneter Gero Storjohann und Kanzlerin Angela Merkel aus.

Beim Wahlkampf in Norderstedt 2017 tauschen sich CDU-Bundestagesabgeordneter Gero Storjohann und Kanzlerin Angela Merkel aus.

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Der CDU-Bundestagsabgeordnete Gero Storjohann aus Seth hat Merkel während aller Kanzlerschaften begleitet. „Es gab regelmäßig Jahresgespräche mit den norddeutschen CDU-Abgeordneten, eine Einladung ins Kanzleramt, meist zum Frühstück. Sie selbst sagte wenig, wollte eher wissen, wo die Probleme liegen.“

Angela Merkel musste viel wegstecken

Für das politische Geschäft habe sie sich einen inneren „Panzer“ zugelegt, sei unnahbar geblieben. Das habe sie auch sein müssen, sagt Storjohann, um mit all den unterschiedlichen Einflüssen und Koalitionen klarzukommen.

Privat gönnt sie sich wohl auch mal ein Glas Wein, soll nicht rauchen, aber Humor haben, und geht spätabends auch mal selbst im Supermarkt einkaufen. „Das Meiste, was ich an ihr und anderen Spitzenpolitikern bewundere, ist die Fähigkeit, so viel wegstecken und noch ruhig schlafen zu können.“

Angela Merkel war zwei Mal in Norderstedt auf Wahlkampftour

Für die CDU war sie 2012 und 2017 auf Wahlkampftour im Kreis Segeberg, jeweils in Norderstedt im Stadtpark. Am Rathausplatz durfte sie nicht auftreten. Zu gefährlich, eine Tiefgarage liegt darunter. Außerdem muss ein Hubschrauber in der Nähe landen, das Gelände gut gesichert werden können.

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Viele der Wahlkampfveranstaltungen Merkels in Schleswig-Holstein hat Uwe Voss aus Nahe moderiert, Pressekoordinator des CDU-Kreisverbandes. Personenkult sei ihre Sache nicht, sagt Voss. Bei einem Termin im Hansapark in Sierksdorf hätten tausende Besucher ihr zugejubelt, sie sich zu ihm umgedreht, und gesagt: "Jetzt reicht's."

Immer Blutplasma für Angela Merkel dabei

Bei ihren Auftritten sei sie bei der Sache gewesen, „aber mit dem Kopf wohl schon bei Afghanistan.“ Bei der Planung sei Sicherheit für Merkel das oberste Gebot gewesen. „Und immer ein Rettungswagen mit dem Blutplasma ihrer Blutgruppe dabei.“

Als Politprofi habe sie darauf geachtet, den Fotografen verschiedene Motive anzubieten, nicht nur am Rednerpult: Mal im Restaurant des Stadtparks, an der Wasserskianlage oder beim Ostseetermin mit Fischern.

Katja Rathje-Hoffmann: „Mit Angela Merkel kann man Pferde stehlen“

Mit am Tisch im Restaurant in Norderstedt saß die CDU-Landtagsabgeordnte Katja Rathje-Hoffman aus Nahe. „Es gab Kalbsschnitzel, war total entspannt mit ihr. Sie ist ein ganz normaler, angenehmer Mensch, mit dem man Pferde stehlen kann, überhaupt nicht etepetete.“

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Die Segeberger Zeitung berichtete Anfang 2000 über den Besuch von Angela Merkel, damals noch als CDU-Generalsekretärin, in Bad Segeberg . Sie unterstützte den Landtagskandidaten Hans Siebke (Schmalensee) im Wahlkampf und berichtete über die Folgen des CDU-Spendenskandals.

Die Segeberger Zeitung berichtete Anfang 2000 über den Besuch von Angela Merkel, damals noch als CDU-Generalsekretärin, in Bad Segeberg . Sie unterstützte den Landtagskandidaten Hans Siebke (Schmalensee) im Wahlkampf und berichtete über die Folgen des CDU-Spendenskandals.

Getroffen haben sie sich mehrfach, auch über Termine mit der Frauen-Union. Bei einem kurzen privaten Plausch am Rande einer Veranstaltung habe sie ihr gesagt: „Frau Rathje-Hoffmann, Frauen wie Sie brauchen wir.“

Angela Merkel gratulierte Hans-Joachim Grote

Der frühere Oberbürgermeister Hans-Joachim Grote erlebte sie auf der Wahlkampfbühne in Norderstedt an seinem Geburtstag. Sie hatte dies erfahren, gratulierte ihm. Grote, der Merkel auch bei Konferenzen mit dem Städte- und Gemeindebund erlebte, lobt sie: „Sie hatte eine perfekt vorbereitete Verhandlungsführung und unheimlich viel Geduld.“

Schon 2000, damals noch als Generalsekretärin der Bundes-CDU, hatte sie Bad Segeberg besucht. Im überfüllten Saal der Segeberger Kliniken unterstützte sie unter anderem den CDU-Landtagsabgeordneten Hans Siebke aus Schmalensee im Landtagswahlkampf.

Schon 2000 war Angela Merkel im Kreis Segeberg

Alle waren erpicht auf Neuigkeiten zu Konsequenzen aus der CDU-Spendenaffäre, berichtete damals die Segeberger Zeitung. Merkel sagte, sie wolle in der Partei Transparenz schaffen, und mehrere Punkte „in einer Serie von Konferenzen offen diskutieren“: Etwa über Vorschriften gegen Ämterhäufung und über die Begrenzung von Amtszeiten.

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