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Psychische Erkrankungen nehmen zu

Depression und Angststörung bei Kindern: Hilfe im Kreis Segeberg

Psychische Erkrankungen sind längst eine Volkskrankheit und doch mit Tabus belegt. Die stationäre Behandlung von Kindern und Jugendlichen wegen Depressionen und Angststörungen hat stark zugenommen. Im Kreis Segeberg gibt es für Betroffene mehrere Anlaufstellen, doch nicht alle sind bekannt.

Psychische Erkrankungen sind längst eine Volkskrankheit und doch mit Tabus belegt. Die stationäre Behandlung von Kindern und Jugendlichen wegen Depressionen und Angststörungen hat stark zugenommen. Im Kreis Segeberg gibt es für Betroffene mehrere Anlaufstellen, doch nicht alle sind bekannt.

Kreis Segeberg. Leistungsdruck in der Schule, Stress in der Familie, zwei Jahre Coronabeschränkungen – Kinder und Jugendliche sind psychisch stark belastet. Nicht nur wegen der Pandemie ist schon bei Schulkindern eine deutliche Zunahme bei stationären Behandlungen nötig wegen Depressionen, Angst- und Essstörungen. Gleichzeitig warten Betroffene oft Monate auf einen Therapieplatz. Im Kreis Segeberg gibt es für Kinder, Jugendliche und Familien eine Reihe von Hilfsangeboten zur Stärkung der seelischen Gesundheit, die allerdings kaum bekannt sind oder aus Scham nicht genutzt werden.

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„Es ist wirklich alarmierend“, sagt Dr. Sylvia Hakimpour-Zern, Leiterin des Fachdienstes „Sozialpsychiatrie und Gesundheitsförderung“ beim Kreis Segeberg. Die stationäre Behandlung von Schulkindern zwischen 10 und 14 Jahren sei stark gestiegen wegen Depression (+27 Prozent), Angst- (+25 Prozent) und Essstörungen (+21 Prozent), zitiert Hakimpour-Zern Ergebnisse des Kinder- und Jugendreports 2022 der DAK.

Starker Anstieg psychischer Erkrankungen bei Jugendlichen

Bei den Jugendlichen von 15 bis 17 Jahren nahmen die Krankenhausaufenthalte wegen einer emotionalen Störung um 42 Prozent zu, wegen Suchtmittelmissbrauch um 39 Prozent. Verglichen wurden Daten von 2020 zu 2021.

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„Wir wollen Kinder mit ihren Problemen nicht allein lassen“, betont Hakimpour-Zern. „Das Leben ist komplexer, schneller geworden“, ergänzt Jugendamtsleiterin Bianca Wollmer. Stressfaktoren können vielfältig sein: Probleme in der Schule, Leistungsdruck, Streit in der Familie, Erkrankung der Eltern, Isolation in der Pandemie.

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Der Kreis Segeberg verfügt über ein Netzwerk aus Gesundheitsförderung, Jugendamt, Jugendhilfeträger, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen. Allerdings stünden der Hilfe eine Reihe von Vorurteilen und Missverständnisse im Weg. Noch immer seien psychische Erkrankungen mit Tabus belegt.

Psychische Belastung: Hilfsangebote im Kreis Segeberg

Dabei seien psychische Erkrankungen „wie Karies oder eine Blinddarmentzündung“, erklärt Hakimpour-Zern. Bis zu jeder Zweite leide in seinem Leben einmal an einer psychischen Erkrankung. Statt Probleme zu ignorieren, sei es besser, frühzeitig Hilfe zu holen. Oft aber hätten Betroffene das Gefühl, das Problem sei ja noch „nicht schlimm genug“, sagt Wollmer.

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Hilfe bei psychischen Problemen in Segeberg

Hilfe bei seelischen Krisensituationen bieten die Jugendämter im Kreis Segeberg. Das Jugendamt in Bad Segeberg ist erreichbar unter Telefon 04551/9519600.

Das Jugendamt in Norderstedt hat die Nummer 040/53595401.

Anonym und kostenlos ist die Nummer gegen Kummer: 116117 (Montag bis Sonnabend 14 bis 20 Uhr).

Tag und Nacht erreichbar ist die Telefonseelsorge unter 0800/1110111 oder 116123

Dazu komme noch immer das Vorurteil, das Jugendamt nehme die Kinder weg. "Wir sind dicht dran an den Familien", betont Wollmer. Das Jugendamt könne eine Vielzahl von Hilfen anbieten – von Beratung bis Familienhilfe, passgenau für die betroffene Familie.

Zudem hätten Kinder ein Recht auf Beratung, sie können auch allein um Hilfe bitten – ohne, dass das Jugendamt hinterher die Eltern darüber informiert, betont Wollmer.

Die passende Beratung und Selbsthilfegruppe finden

Auch beim Kinderschutzbund gibt es Ansprechpartner für Familien und Kinder, betont Geschäftsführerin Silvia Neeth. Sie hat in der Beratung vor allem zunehmende Probleme mit Medienkonsum und anderen Süchten festgestellt. Außerdem ist beim Kinderschutzbund auch die Fachberatungsstelle für sexualisierte Gewalt angesiedelt. Kann bei einem Problem nicht geholfen werden, wird an die richtige Stelle vermittelt.

"Oft wissen die Menschen nicht, wohin sie sich wenden sollen", berichtet Sabine Ivert-Klinke von der Kontakt- und Informationsstelle (KIS). Knapp 100 Selbsthilfegruppen gibt es im Kreis, davon 40 im psychosozialen Bereich. Wie die KIS verstünden sich alle Partner im Netzwerk als Lotsen. "Man könne sich nicht an eine falsche Stelle wenden", sagt Hakimpour-Zern.

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Mit verschiedenen Projekten geht der Kreis auch in die Schulen, um schon Kinder und Jugendliche für das Thema psychische Erkrankungen zu sensibilisieren, vorzubeugen. Die Familien sollen gestärkt werden.

Lange Wartezeiten auf Therapieplatz überbrücken

Die Möglichkeiten der Partner haben Grenzen: „Wir therapieren nicht und geben auch keine Medikamente“, sagt Hakimpour-Zern. Viele Menschen aber warten auf Therapieplätze, auch Kinder und Jugendliche. „Das ist ein wunder Punkt. Wir brauchen mehr stationäre Betten und ambulante Therapieplätze“, weiß Hakimpour-Zern. Immer wieder mache man beim Land darauf aufmerksam, versichert sie.

„Es kann nicht sein, dass man sechs Monate auf einen Platz wartet“, stimmt Wollmer zu. „Es gibt aber auch keine Kinder- und Jugendpsychologen.“ Eine entsprechende Stelle im Kreis sei eineinhalb Jahre unbesetzt gewesen. Beratungs- und Selbsthilfeangebote könnten Betroffenen aber dabei helfen, Wartezeiten zu überbrücken.

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