Lentföhrden

Endlich kann Djelly Ausflüge machen

Foto: Endlich kann Djelly in ihrem Rollstuhl mit den Eltern auf größere Reisen gehen. Von links: Viktor Wagner, dessen Firma den Transporter umbaute, Daniela, Dennis und Djelly Niemeier sowie Ronny Sikora, der im vergangenen Jahr einen Benefizlauf zu Djellys Gunsten in Lentföhrden veranstaltete

Endlich kann Djelly in ihrem Rollstuhl mit den Eltern auf größere Reisen gehen. Von links: Viktor Wagner, dessen Firma den Transporter umbaute, Daniela, Dennis und Djelly Niemeier sowie Ronny Sikora, der im vergangenen Jahr einen Benefizlauf zu Djellys Gunsten in Lentföhrden veranstaltete

Lentförden. „Ich werde Djellys ungläubigen Blick nie vergessen, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Supermarkt von innen sehen und sich ein kleines Comic-Heftchen aussuchen durfte.“ Daniela Niemeier (35) bekommt bei dieser Erinnerung immer noch eine Gänsehaut. Für sie und ihre kleine Familie ist ein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen. In der Auffahrt zu ihrem Haus in Lentföhrden steht ein blitzblanker, dunkelblauer VW Transporter mit dem Djelly und ihre Eltern ab sofort Ausflüge machen können.

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Fast genau ein Jahr nachdem die Segeberger Zeitung/KN-online zum ersten Mal auf das Schicksal der kleinen Lentföhrdenerin aufmerksam gemacht hatte, ist ein Herzenswunsch der Familie Niemeier tatsächlich wahr geworden.

Djelly leidet an Spinaler Muskelatrophie, einer genetisch bedingten, unheilbaren Krankheit. Alle Muskelfunktionen im Körper werden bei dieser Erkrankung schleichend schwächer, bis am Ende auch die Atmung erlischt. Eine Heilung gibt es nicht. Die Lebenserwartung des Mädchens, sagten Ärzte damals den verzweifelten Eltern, liege bei etwa zwei Jahren.

Djelly wird dauerhaft künstlich beatmet

Inzwischen ist Djelly sieben geworden. Sie kann sich kaum bewegen, muss dauerhaft beatmet und künstlich ernährt werden. Ihren Speichel kann sie nicht schlucken, wie es gesunde Menschen tun. Er muss regelmäßig maschinell abgesaugt werden. Das Kind darf keine Minute des Tages ohne Betreuung sein.

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Wenn die Niemeiers ihr Haus in Lentföhrden verlassen wollen, geht dies nur mit einem besonders umgebauten Rollstuhl, lebensnotwendigen Hilfsmittel wie das Beatmungsgerät oder die Maschine zum Speichelabsaugen müssen immer dabei sein.

Nur kurze Dorfrunden waren bisher möglich

Weite Wege waren bisher nicht möglich, ein Spaziergang durchs Dorf, mehr ging nicht. Die restliche Welt blieb dem geistig völlig normalen Kind, das sogar Unterricht von einer Lentföhrdener Lehrerin bekommt, völlig verschlossen.

Diese Zeiten sind jetzt vorbei, weil sich die Eltern nach langem Zögern an die Öffentlichkeit gewandt und um Spenden für einen Transporter gebeten hatten, in dem sie mit Djelly in ihrem Rollstuhl größere Touren unternehmen konnten.

Der Artikel der SZ löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Zahlreiche Leser, aber auch große Unternehmen und Stiftungen griffen tief in die Tasche. In nur fünf Monaten kamen mehr als 50000 Euro auf einem Konto der Deutschen Muskelstiftung zusammen. Ausreichend für den Kauf eines geeigneten Transporters.

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Der VW-Transporter musste noch ausgebaut werden

Der VW T6 war schon vor einigen Wochen in Lentföhrden eingetroffen. Viktor Wagner, der im Ort ein Unternehmen für Fahrzeugelektrik und -umbau betreibt, wollte sich eigentlich sofort an die Arbeit machen, um das Auto auf Djellys ganz spezielle Bedürfnisse zuzuschneiden. Doch die bürokratischen Hürden waren zunächst höher als gedacht.

Nun aber ist alles in trockenen Tüchern. Die Firma AV Engineering hat ganze Arbeit geleistet – und zwar kostenlos. Mit Hilfe eines Linearlifts wird der Rollstuhl, an dem die für Djelly überlebenswichtigen Instrumente befestigt sind, ins Wageninnere gehoben und dort sicher befestigt werden. Eine große Sauerstoffflasche, die im Notfall gebraucht wird, hat eine eigene Halterung, ein Voltwandler ermöglicht, dass die Akkus für Rollstuhl und Beatmungsgerät während der Fahrt geladen werden können.

Von Georg Grommes

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