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Lebensretter gesucht

Riesenandrang bei Typisierung für kranke Nimi in Kisdorf

Das Feuerwehrhaus Kisdorf wurde kurzerhand zur Typisierungsstation umfunktioniert. Am Sonntag fanden sich hunderte Menschen ein, die sich für die DKMS registrieren ließen und so der kleinen Nimi helfen wollten.

Das Feuerwehrhaus Kisdorf wurde kurzerhand zur Typisierungsstation umfunktioniert. Am Sonntag fanden sich hunderte Menschen ein, die sich für die DKMS registrieren ließen und so der kleinen Nimi helfen wollten.

Kisdorf. „Es ist der Wahnsinn.“ Jana Hindel findet kaum Worte für das, was am Sonntag ab 11 Uhr im Feuerwehrhaus Kisdorf passierte. Hunderte Menschen kamen, um sich für die DKMS registrieren zu lassen. Jana Hindel und ein Team engagierter Freunde hatten die Aktion auf die Beine gestellt, um der schwerkranken Nimi aus Henstedt-Ulzburg zu helfen. Die Vierjährige ist schwer an Blutkrebs erkrankt und angewiesen auf einen Stammzellenspender. Die Uhr tickt. „Wir haben noch zwei Monate, um einen Spender zu finden“, beschreibt Jana Hindel die fürchterliche Situation. „Es muss doch der Eine dabei sein!“ Nimi kann nur überleben, wenn weltweit ein passender Spender gefunden wird, sonst wird der Krebs stärker sein.

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Innerhalb kurzer Zeit haben Hindel und die anderen Freunde der Familie von Nimi die Typisierung organisiert. „Für uns war schnell klar, dass da etwas passieren muss“, sagt Magdalen Thun. Vanessa Sicker stimmt zu. Alle im Orga-Team kennen Nimi, ihre Mutter Sally Schulz, den Vater und den kleinen Bruder von Nimi. Mama Sally stammt aus Kisdorf. Die Familie lebt jetzt in Henstedt-Ulzburg. Dennoch sind die Bande zum Heimatdorf eng – und die Bereitschaft zu helfen ist im Freundeskreis riesengroß.

Die DKMS

Die DKMS gemeinnützige GmbH – ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei - ist eine deutsche gemeinnützige Organisation mit Sitz in Tübingen. Haupttätigkeitsfeld ist die Registrierung von Stammzellspendern. Wer nicht an einer Typisierungsaktion wie in Kisdorf teilnehmen kann oder will, hat die Möglichkeit, ein Registrierungsset anzufordern. Unter www.dkms.de ist das kostenfrei möglich. Man nimmt den Abstrich wie bei einer Aktion persönlich vor und sendet das Set zurück. Die DKMS-Zentrale in Tübingen ist unter Telefon 07071/9430 erreichbar.

Am 2. Juni war klar, erzählen die Helferinnen, dass Nimi nur überleben kann, wenn ein Spender gefunden wird. Und los ging das Organisieren. Mit der Feuerwehr fand sich schnell ein Partner an der Seite, Geschäftsleute druckten große Plakate, andere spendeten Solidaritäts-Tshirts, Bürgermeister Wolfgang Stolze und Landrat Jan Peter Schröder riefen öffentlich zur Teilnahme an der Typisierung auf. Die Sozialen Netzwerke liefen heiß, etliche Menschen stellten den Aufruf in ihren Whatsapp-Status. Alle fieberten dem Veranstaltungstag entgegen.

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„Wir haben nicht damit gerechnet, so eine Welle zu verursachen“, gibt Magdalen Thun zu. Viele Menschen wollten helfen und so konnte die Typisierung flott vonstatten gehen. Vor dem Feuerwehrhaus bildete sich dennoch eine lange Warteschlange. Im Eingangsbereich checkten unter anderem Dr. Frauke Deunert und Dörte Menz, ob die Voraussetzungen für die Registrierung gegeben sind. Dann erhielt jeder Besucher ein Set mit drei Wattestäbchen. Sie mussten jeweils eine Minute lang im Mund behalten werden.

An den Wangeninnenseiten wurde dann Speichel aufgenommen. Nach der Wartezeit, in der die Körperflüssigkeit trocknete, kamen die Stäbchen in den dazugehörigen Umschlag und wurden bei Ehrenamtlichen am Ausgang abgegeben. Die Daten wurden per Smartphone eingegeben.

„Nach einigen Tagen bekommt man von der DKMS eine Bestätigungsnachricht“, erklärt Helfer Malte Stolze. Auf dem langen Tisch am Ausgang standen Spendenboxen. Denn jede Typisierung kostet der DKMS 35 Euro, die an Spenden wieder reinkommen müssen. Die Besucher konnten Geld in die Boxen werfen, mussten es aber nicht.

In drei Wochen, berichtet Magdalen Thun, wird feststehen, ob unter den Spendern in Kisdorf die eine Person ist, die Nimi retten kann. Von der Familie des kleinen Mädchens war keiner in Kisdorf dabei. „Nimi und ihre Mutter sind im UKE Hamburg“, sagt Magdalen Thun. Dem an Blutkrebs erkrankten Kind gehe es gerade nicht so gut. „Das ist ein Hin und Her“, beschreibt Vanessa Sicker den Gesundheitszustand. Es sei bewundernswert, wie stark Mama Sally Schulz sei. Die ganze Familie sei sehr dankbar für den Einsatz ihrer Freunde und voller Hoffnung, in Kisdorf den Lebensretter zu finden.

Großes Lob an die Bürgerinnen und Bürger der Region

Für DKMS-Mitarbeiterin Janet Mulappancharil war es klar, dass die Typisierung viele Menschen anspricht. „Wenn es um Menschen aus einem Ort geht, dann ist die Hilfsbereitschaft groß“, weiß sie aus Erfahrung. „Kisdorf hält zusammen“, freut sie sich. Auch Kisdorfs Bürgermeister Wolfgang Stolze war stolz auf die Bürgerinnen und Bürger der ganzen Region. „Wenn man sie braucht, dann sind sie da.“

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So wie Jay Van Gurcum aus Henstedt-Ulzburg. „Man sollte öfter solche Aktionen machen“, findet er. Der Spender kennt die Familie von Nimi. Für ihn war klar, dass er sich registriert. Für Sören Wessel aus Henstedt-Ulzburg war eine Registrierung bislang nie ein Thema. Aber das Schicksal von Nimi hat ihn berührt. So kam auch er nach Kisdorf. „Das ist eine tolle Sache“, findet Wessel.

Mehr Aufklärung über die Stammzellenspenderdatei

Hauptorganisatorin Jana Hindel, selbst seit über zehn Jahren bei der DKMS registriert, fordert, dass mehr über die Möglichkeit der Typisierung aufgeklärt wird. „Da muss noch viel mehr passieren“, findet sie. Viele Menschen würden erst, wenn sie selbst Kinder haben und von einem Leukämie-Fall in der Nachbarschaft hören, darauf kommen, sich zu registrieren.

Alle Beteiligen der Typisierung in Kisdorf wollen nun Daumendrücken, damit für Nimi oder einen anderen kranken Menschen der eine Lebensretter dabei ist. „Hoffentlich finden wir den passenden Spender“, sagt Helfer Malte Stolze.

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