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Tabuthema Menstruation

Hit auf TikTok: Tampons und Binden für Schülerinnen am BBZ Bad Segeberg

Toilettenpapier ist kostenfrei auf dem Schulklo, das sollten auch Periodenprodukte sein, sagt Emely Weber, Schülersprecherin am Berufsbildungszentrum in Bad Segeberg (BBZ). Mit dem Argument hat sie überzeugt. Auf allen Frauentoiletten der Schule hängen nun Spender für Tampons und Binden. „Sehr fortschrittlich“ findet das Schülerin Chantal Schwarz (l.).

Toilettenpapier ist kostenfrei auf dem Schulklo, das sollten auch Periodenprodukte sein, sagt Emely Weber, Schülersprecherin am Berufsbildungszentrum in Bad Segeberg (BBZ). Mit dem Argument hat sie überzeugt. Auf allen Frauentoiletten der Schule hängen nun Spender für Tampons und Binden. „Sehr fortschrittlich“ findet das Schülerin Chantal Schwarz (l.).

Bad Segeberg.Die Kamera schwenkt auf den kleinen grauen Metallkasten im Damenklo am Berufsbildungszentrum in Bad Segeberg. „Fakt ist, meine Schule ist mittlerweile fortschrittlicher als manch andere“, kommentiert Chantal Schwarz ihr Mini-Video über die neuen Spender für Tampons und Binden auf der Internetplattform TikTok. Mehr als eine Million Mal wurde der Clip inzwischen geklickt, weit über 8000 Mal kommentiert. Das BBZ ist eine von wenigen Schulen, die freie Periodenprodukte für Frauen anbietet. Das Thema steht nun auch auf der Tagesordnung im Landtag.

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Idee für Tampons-Spender am BBZ von Schülersprecherin

„Periodenprodukte sind kein Luxus“, sagt Emely Weber, eine der Schülersprecherinnen am BBZ in Bad Segeberg. „Wir benutzen das nicht, damit wir unsere Periode genießen können“, sagt die junge Frau. „Sie sollten verfügbar sein wie Toilettenpapier.“

Auf das Berufsbildungszentrum gingen auch jüngere Mädchen, deren Periode oft noch unregelmäßig kommt. Wenn dann die monatliche Blutung einsetzt, sollte es kein Problem sein, an Binden oder Tampons zu gelangen, findet Weber. Immerhin seien 50 Prozent der Menschen an der Schule von der Menstruation betroffen.

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Auch will die Schülerin das Thema Monatsblutung aus der Tabuzone holen, möchte nicht, dass sich junge Frauen verstohlen einen Tampon zuschieben müssen. Nun können sie sich ganz ungezwungen und „ganz locker“ ein Periodenprodukt aus einem Spender holen. Kostenlos. Auf jeder Frauentoilette am BBZ – auch für Lehrkräfte – hängen die Spender jetzt auf Initiative von Emely Weber.

Spender an Segeberger Schule kosten 10 Cent pro Frau und Monat

Mit ihrer Idee hat die Schülervertreterin den BBZ-Leiter Heinz Sandbrink sofort überzeugt. „Toilettenpapier ist ja auch kostenlos“, sagt Sandbrink. Ein unschlagbares Argument, natürlich seien Tampons und Binden Hygieneartikel. Einen Tag nachdem Emely Weber bei ihm vorgesprochen hatte, beauftragte Sandbrink seinen Stellvertreter Fatih Sengenc mit der Umsetzung.

Nachdem fünf Hersteller angefragt wurden, hat Periodically aus Magdeburg den Zuschlag bekommen. „Ein Spender kostet 180 Euro“, sagt Sengenc. 19 wurden gekauft. Dazu hat die Schule ein Abo gebucht über die Lieferung der Periodenprodukte. „Das kostet uns zehn Cent pro Frau und Monat.“ Also knapp 150 Euro im Monat. „Im Vergleich zu anderen Hygieneprodukten ist das wenig“, betont Sandbrink. Also Toilettenpapier oder Einmalhandtücher. „Eine Rolle Papierhandtücher kostet schon sieben Euro.“

Damit gehört das BBZ in Bad Segeberg zu wenigen Schulen, die Frauen kostenlose Periodenartikel zur Verfügung stellen. In Schleswig soll es an Schulen kostenlose Tampons und Binden geben. Und an der Uni Kiel stehen inzwischen auf den Toiletten der Mensen Periodenprodukte zur Verfügung.

Landtag SH diskutiert über kostenlose Binden und Tampons

Dass das Ausnahmen sind, zeigen die vielen Kommentare unter dem Video von BBZ-Schülerin Chantal Schwarz über die neuen Periodenartikel-Spender, die fast ausnahmslos positiv ausfallen – nicht selbstverständlich in sozialen Netzwerken. „Warum hat das meine Schule nicht?“, fragt eine Nutzerin. „Voll gut“, kommentieren andere. Oder: „Wir haben nicht mal Klodeckel.“

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Auch im Landtag Schleswig-Holstein geht es am Donnerstag, 24. Februar, um das Thema freie Periodenprodukte in Landeseinrichtungen. SSW und SPD haben einen entsprechenden Antrag eingereicht. Ein Selbstgänger wird das nicht, die Diskussion darum ist groß. CDU und Grüne wollen keine Landesmittel dafür einsetzen.

„Oft wird dann das Thema Armut diskutiert, ob sich Frauen die Produkte leisten können oder nicht“, sagt Emely Weber. „Ich finde, das sollte gar keinen Unterschied machen.“

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