Den Krebs besiegt

Oersdorfer Klaus Stoffers spricht über die schwerste Zeit seines Lebens

Der Oersdorfer Klaus Stoffers hat den Kampf gegen den Blutkrebs gewonnen und freut sich, das gemeinsamen Zuhause mit Lebensgefährtin Sabine von Drathen wieder genießen zu können.

Der Oersdorfer Klaus Stoffers hat den Kampf gegen den Blutkrebs gewonnen und freut sich, das gemeinsamen Zuhause mit Lebensgefährtin Sabine von Drathen wieder genießen zu können.

Oersdorf. „Ich fühle mich fit wie ein Turnschuh“, sagt Klaus Stoffers und blickt dabei liebevoll zu seiner Lebensgefährtin Sabine von Drathen, die daraufhin fest seine Hand drückt. Vor über einem Jahr konnte er das nicht sagen, denn er war an Leukämie, Blutkrebs, erkrankt. „Wenn ich ein bisschen später zum Arzt gegangen wäre, wäre ich wahrscheinlich heute tot“, sagt der 71-Jährige, der den Medizinern im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ein großes Lob zollt. „Ich fühlte mich dort großartig aufgehoben, bin noch immer voller Dankbarkeit.“

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Und Stoffers, der viele Jahre als Vertrauensmann einer Versicherung in Kaltenkirchen eine eigene Agentur betrieb, sagt auch, warum er mit seiner so persönlichen Geschichte jetzt an die Öffentlichkeit geht: „Ich möchte damit zeigen, wie wichtig Blutspenden sind und Typisierungen, um mögliche Stammzellenspender zu finden.“

Schicksalstag 24. Februar 2021

Unauslöschlich eingebrannt hat sich für den Oersdorfer der 24. Februar 2021. „Diesen Mittwoch werde ich nie in meinem Leben vergessen. Danach war nichts mehr so wie vorher.“ An diesem Tag erhielt er von seiner Hausärztin nach einer Blutentnahme den alles verändernden Anruf. „Herr Stoffers, es sieht nicht gut aus. Sie haben Knochenkrebs oder Leukämie.“ Eine Nachricht, die auch seine Lebensgefährtin wie ein Schlag traf. „Als ich gegen Abend vom Sport nach Hause kam, saß er im Dunklen im Wohnzimmer, völlig verzweifelt. Es war auch für mich schrecklich, als ich von der Diagnose erfuhr.“

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Sabine von Drathen war es auch, die Stoffers immer wieder zum Arztbesuch gedrängt hatte, weil er plötzlich viele blaue Flecken am Körper hatte. „Da habe ich mich wohl beim Holzmachen im Wald gestoßen“, habe er gedacht, „denn ich fühlte mich körperlich sehr gut“. Ein bisschen unruhig sei er geworden, als er plötzlich starkes, kaum zu stoppendes Nasenbluten bekam. Als er dann aber eine Blutquese im Mund bemerkte, sei er doch zu seiner Hausärztin gegangen, um sich Blut abnehmen zu lassen. Zum Glück.

UKE ist führend im Bereich der Leukämie

Bereits am Tag nach der Diagnose ging es ins Universitätsklinikum. „Ich wollte dort unbedingt hin, weil ich großes Vertrauen in die Ärzte dort hatte.“ Im Jahr 2000 hatte er dort einem Freund aus Bad Bramstedt einen Teil seiner Leber gespendet, fühlte sich gut aufgehoben und bestens versorgt. „Dass das UKE führend im Bereich der Leukämie ist und was auf mich zukommt, wusste ich damals gar nicht“, so Stoffers, „ich wollte aber den Kampf gegen die Krankheit aufnehmen“. Und noch etwas habe er sich vor dem Krankenhausaufenthalt fest vorgenommen: „Ich wollte den Ärzten dort voll vertrauen, das machen, was mir vorgeschlagen wird, nicht zweifeln.“ Eine gute Entscheidung, wie sich später herausgestellt habe.

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Als Sabine von Drathen ihren Klaus am Eingang des UKE absetzte, wusste sie noch nicht, dass sie ihn erst 44 Tage später wieder in die Arme schließen würde. Denn da durfte er erstmals für eine Woche nach Hause. Besuchen konnte sie ihn wegen der Corona-Schutzbestimmungen in der Klinik nicht. „Ich habe am Empfang regelmäßig Wäsche für ihn abgegeben, dann habe ich ihm von unten zugewunken. Aber wir konnten zum Glück telefonieren.“ Stoffers wurde in der Klinik sofort Blut abgenommen. „Bestimmt 40 Ampullen“, wie er sich erinnert. Die wurden dann in zwei unterschiedlichen Laboren untersucht, um die Ergebnisse miteinander abzugleichen. Danach gab es für ihn dann bereits eine erste positive Rückmeldung. „Sie können davon ausgehen, dass sie bei ihrer Form der Leukämie zu 95 Prozent das Krankenhaus geheilt verlassen“, hat mir der Professor gesagt. „Das hat mich aufgemuntert, mir Hoffnung gegeben.“ Aber der Weg bis dahin war lang und äußerst dornenreich – auf einer abgeschotteten Extra-Station, nur mit Leukämiekranken.

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Nach der Chemo körperlich fix und fertig

Sogleich musste er sich der Chemotherapie unterziehen. Im ersten Zyklus seien über einen Port im Hals sieben Tage, jeweils 24 Stunden lang, Medikamente in seinen Körper geflossen. „Danach bin ich in ein Loch gefallen, war völlig fertig“, gibt der 71-Jährige zu. Dass er dabei seine komplette Körperbehaarung verlor, war dabei das geringste Übel. Doch dass die Chemo gut angeschlagen habe, habe ihn aufgebaut. Nach dem dritten Zyklus habe er sich zwar eine Blutvergiftung zugezogen, die aber gut behandelt wurde. Nach dem vierten Zyklus war Stoffers nach seinen Worten „sowas von fertig, dass ich mit einem Psychologen sprechen wollte, weil ich nicht mehr konnte“.

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Doch dann sei von den Ärzten die Nachricht gekommen, dass auf die fünfte Chemo-Kur ebenso verzichtet werden könne wie auf eine Knochenmarktransplantation. „Da fiel mir ein Stein vom Herzen, ich brauchte auch keinen Psychologen mehr.“ Obwohl Stoffers nach der letzten Chemo am 24. August vergangenen Jahres körperlich fix und fertig war. „Nach dem kleinsten Spaziergang war ich schweißgebadet.“ Gut getan habe ihm danach aber die Reha. „Das kann ich nur jedem raten.“

Eppendorfer Krebs- und Leukämiehilfe unterstützt die Forschung

Ein großes Lob spricht Stoffers dem Personal des UKE aus. „Von der Putzfrau bis zum Professor, von der Schwester bis zum Pfleger, alle waren nett und hilfsbereit.“ Und er wird auch künftig mit dem Personal noch in Berührung kommen, denn alle drei Monate muss er zur Nachuntersuchung erscheinen. Aber Stoffers belässt es nicht nur bei warmen Worten. An seinem 71. Geburtstag hat er seinen 70. mit einer kleinen Gästeschar nachgefeiert, weil der runde ja letztes Jahr ausfallen musste.

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Dabei hat er auf Geschenke verzichtet, stattdessen ein Spenden-Sparschwein aufgestellt. Dort landeten über 1000 Euro, die er auf 1500 Euro aufgestockt hat. Dieses Geld hat er im UKE an seinen behandelnden Arzt, Prof. Dr. Carsten Bokemeyer, in dessen Funktion als Vorsitzender des Vereins der Eppendorfer Krebs- und Leukämiehilfe übergeben, die wichtige Forschungsprojekte unterstützt. Dorthin hatte auch Stoffers Lebensgefährtin nach jedem seiner Chemo-Zyklen Geld überwiesen. „Als kleines Dankeschön“, wie sie sagt.

Klaus Stoffers (Mitte) übergab im UKE in Hamburg einen Spendenscheck an die Professoren Dr. Walter Fiedler (rechts) und Dr. Carsten Bokemeyer von der Eppendorfer Krebs- und Leukämiehilfe.

Klaus Stoffers (Mitte) übergab im UKE in Hamburg einen Spendenscheck an die Professoren Dr. Walter Fiedler (rechts) und Dr. Carsten Bokemeyer von der Eppendorfer Krebs- und Leukämiehilfe.

Um diesen Verein bekannt zu machen, um die Menschen noch einmal daran zu erinnern, wie wichtig das Blutspenden sei und sich für eine mögliche Stammzellenspende typisieren zu lassen, habe er den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. „Ich habe unzählige Blutkonserven erhalten, wäre beinahe auf eine Stammzellen-Spende angewiesen gewesen. Da habe ich gemerkt, wie wichtig das ist, um Leben zu retten.“

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