Klimakonferenz enttäuscht Polarforscher

Arved Fuchs über COP27: „Wir schieben die Klimakatastrophe seit 27 Jahren vor uns her“

Seit über 40 Jahren unternimmt der Polarforscher Arved Fuchs Expeditionen in die Arktis.

Seit über 40 Jahren unternimmt der Polarforscher Arved Fuchs Expeditionen in die Arktis.

Bad Bramstedt. Vom 6. bis zum 20. November hat die Klimakonferenz in Scharm El-Scheich stattgefunden. Die 198 teilnehmenden Länder diskutierten über klimapolitische Fragestellungen wie die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen oder die Finanzierung von klimabedingten Schäden. Der Polarforscher Arved Fuchs aus Bad Bramstedt zeigt sich von den Ergebnissen sichtlich enttäuscht.

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Herr Fuchs, in den vergangenen Wochen sind ungefähr 34.000 Teilnehmende zur Klimakonferenz nach Ägypten gereist. Waren Sie selbst auch dabei?

Nein, ich war nicht vor Ort. Ehrlich gesagt hatte ich weder die Zeit noch die Lust dazu. So viele Menschen wollten dort mitmischen, da musste ich nicht auch noch dabei sein. Was am Ende zählt, sind die Ergebnisse – und über diese entscheiden die Politiker, nicht die Besucher.

Arved Fuchs: Ein Leben für die Arktis

Arved Fuchs aus Bad Bramstedt ist durch seine langjährigen Expeditionen in die Arktis bekannt geworden. Der Polarforscher hat 1989 als erster Mensch, sowohl den Nordpol als auch den Südpol innerhalb eines Jahres zu Fuß erreicht. Seit 2015 setzt er sich mit seiner Expeditionsreihe Ocean Change intensiv mit den klimabedingten Veränderungen in den Ozeanen sowie deren Auswirkungen auseinander. Mit diesen Forschungsreisen möchte der 69-Jährige vor allem für den Schutz der Weltmeere sowie des Klimas sensibilisieren. Im Moment ist er deshalb für sein Vortragsprogramm „Die Arktis – eine Welt im Wandel“ in Deutschland unterwegs, nächster Termin ist der 15. Dezember um 19 Uhr im Kurhaustheater Bad Bramstedt.

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Was halten Sie denn von den Ergebnissen der Klimakonferenz?

Ich muss klipp und klar sagen, dass die Ergebnisse einfach nur enttäuschend sind. Die Klimakonferenz hat bereits zum 27. Mal stattgefunden – bisher waren es 27 Jahre, in denen wir die bevorstehenden Klimakatastrophe nur vor uns herschieben. Nichts Substanzielles wurde beschlossen oder umgesetzt. Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem.

Können Sie das ausführen?

Natürlich gibt es immer irgendwelche Zugeständnisse wie in diesem Jahr der Klimafonds. Länder, die von der Erderwärmung betroffen sind, sollen nun bei klimabedingten Schäden Ausgleichzahlungen erhalten. Aber auch dieser Fonds ist windelweich. Kein Land verpflichtet sich zu den Zahlungen, konkrete Summen wurden auch noch nicht genannt. Und am meisten frustriert es mich, dass sich die Länder nicht dazu durchgerungen haben, die Abkehr von den fossilen Brennstoffen durchzusetzen. So können die Klimaschutzziele aus dem Pariser Abkommen von 2015 niemals umgesetzt werden.

Mit seinen Expeditionen möchte Arved Fuchs, neben der Forschung, vor allem über den Schutz der Meere und das Weltklima aufklären.

Mit seinen Expeditionen möchte Arved Fuchs, neben der Forschung, vor allem über den Schutz der Meere und das Weltklima aufklären.

Warum scheitert die Umsetzung der Klimaziele immer wieder?

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Leider geht es bei der Diskussion um den Klimaschutz viel zu stark um wirtschaftliche Interessen und Legislaturperioden. Das sehen wir auch an der Zahl der Lobbyisten, die auf der Konferenz waren. Über 600 Lobbyisten, vor allem aus dem Bereich der fossilen Brennstoffe, sind nach Scharm El-Scheich gereist. Mit massiven wirtschaftlichen Interessen wird dagegengesteuert, die fossilen Brennstoffe abzusetzen. Das führt aber zu einem stetigen Anstieg der CO2 -Emissionen. Und letztendlich dazu, dass wir die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius nicht einhalten können.

Klimakrise in Schleswig-Holstein: „Pellworm läuft irgendwann voll wie eine Suppenschüssel“

Wenn das 1,5 Grad Ziel überschritten wird, bekommen wir das sicherlich auch in Schleswig-Holstein zu spüren.

Wir werden die Erderwärmung hier sogar deutlich zu spüren bekommen. Der Meeresspiegel steigt bis zum Ende des Jahrhunderts wahrscheinlich um einen Meter. Deshalb bauen wir als Reaktion auf den Klimawandel an der Nordseeküste in Schleswig-Holstein den sogenannten Klimadeich. So eine Begrifflichkeit hätte es vor 20 Jahren noch nicht gegeben. Aber auch ein Deich kann uns nicht unendlich schützen. Manche Gebiete auf Pellworm liegen einen Meter unter dem Meeresspiegel – irgendwann läuft die Insel voll wie eine Suppenschüssel.

Und dann verlieren Menschen ihr Zuhause.

Ja, natürlich. Und wenn Menschen ihre Heimat verlieren, birgt das ein unglaubliches Konfliktpotenzial. Was sollen diese Menschen auch machen, wo sollen sie hin? Insofern ist Ökologie auch Ökonomie, weil wir nur durch den Schutz des Klimas in friedlicher Koexistenz miteinander leben können. Aus diesem Grund kann ich auch den Zorn und die Verzweiflung der Aktivistengruppe Letzte Generation verstehen. Trotzdem halte ich es nicht für ein adäquates Mittel, Kunstwerke mit Tomatensoße zu bewerfen, um damit auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen.

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Bewusster Reisen, um Emissionen im Alltag zu sparen

Was kann denn jeder von uns im Alltag versuchen, um Emissionen zu reduzieren?

Jeder hat kleine Stellschrauben, wo er bei sich den Ausstoß von Treibhausgasen senken kann. Zum Beispiel beim Thema Urlaub. Ich reise selbst nur noch mit der Bahn. Wenn ich fliege, dann einzig nach Übersee für meine Expeditionen. Außerdem haben wir gerade eine Photovoltaikanlage installiert, eine Wärmepumpe soll noch hinzukommen. Bloß das ist nicht das Kernproblem: All unsere privaten Maßnahmen werden nicht reichen, wir müssen weg von den fossilen Brennstoffen – und da fehlt uns noch die Politik.

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Am 15. Dezember um 19 Uhr ist Arved Fuchs im Kurhaustheater Bad Bramstedt und erzählt von den Erkenntnissen seiner Reisen in die Arktis. Tickets für diese Veranstaltung können bei der Volkshochschule Bad Bramstedt erworben werden.

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