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Kaltenkirchen

Mega Bike kommt in die Stadt

Das ehemalige Bauhaus am Kisdorfer Weg wird nach jahrelangem Leerstand saniert und umgebaut. Hier werden demnächst ein Fahrrad-Fachmarkt und ein Autohändler einziehen.

Das ehemalige Bauhaus am Kisdorfer Weg wird nach jahrelangem Leerstand saniert und umgebaut. Hier werden demnächst ein Fahrrad-Fachmarkt und ein Autohändler einziehen.

Kaltenkirchen. Sie befürchten drastische Umsatzeinbußen und verstehen nicht, warum die Stadt dafür durch eine Änderung des Bebauungsplans den Weg frei machte. Als im November 1978 die Bauhaus-Filiale am Kisdorfer Weg eröffnete, war das Geschäft top modern und nahezu konkurrenzlos. Aber die rund 3200 Quadratmeter Verkaufsfläche reichten schließlich nicht mehr für das wachsende Sortiment aus. So war die Schließung 2014 die Folge. Seitdem stand das Gebäude leer, verfiel zusehends immer mehr.

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Doch nun herrscht dort nach jahrelangem Stillstand reger Baubetrieb. Das Gebäude wird komplett entkernt und dann saniert. Es erhält unter anderem ein neues Innenleben, ein neues Dach und eine Glasfassade. Zudem wird auch die Parkplatzanlage überarbeitet.

Für Mega Bike ist es die 14. Filiale

Erworben hat das Gebäude der Fahrrad-Fachmarkt Mega Bike mit Stammsitz in Kiel. Das Unternehmen beschäftigt 150 Mitarbeiter und betreibt 13 Märkte in Hamburg und Schleswig-Holstein, dort unter anderem in Pinneberg und Neumünster. Den Standort Kaltenkirchen mit den umliegenden Orten und der Achse nach Norderstedt hält der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens, Friedrich Holtzberg, für sehr attraktiv.

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Rund 1000 Zweiräder, vom E-Bike bis zum Rennrad, sollen auf rund 1200 Quadratmetern präsentiert werden. Rund 200 stehen noch im angrenzenden Lager. „Zurückgreifen können wir auf rund 10 000 Räder in unserem Bestand“, so Holtzberg. Dazu wird auch eine große Werkstatt eingerichtet. Und es wird einen Probe-Parcour geben. Dazu werden auch Accessoires rund ums Rad verkauft. 15 Mitarbeiter sollen beschäftigt werden. Noch in diesem Jahr ist die Eröffnung geplant.

Teil des Gebäudes geht an Autohändler

Das ganze Gebäude mit über 3200 Quadratmetern Verkaufsfläche ist Mega Bike aber zu groß, sodass ein Teil an einen Autohändler untervermietet werden soll. Den Namen wollte Holtzberg nicht verraten. „Wir stehen da aber unmittelbar vor der Vertragsunterzeichnung.“

Während der Mega-Bike-Chef die Gegend als "nicht gut versorgt“ für Fahrradangebote bezeichnet, beurteilt Holger Hensel das völlig anders. Der 53-Jährige führt das Autohaus Hensel mit Fahrradgeschäft in dritter Generation. „Mein Großvater handelte bereits 1946 mit Rädern und Mofas.“

Die Hälfte des Umsatzes mache sein Geschäft mit Autos, die andere Hälfte mit Rädern. Sechs Mitarbeiter hat er beschäftigt. „Ich stelle mich natürlich dem Wettbewerb, denn wir brauchen uns nicht zu verstecken“, sagt Hensel, der aber Umsatzeinbußen befürchtet. Ihn wundert die Entscheidung der Stadtvertretung sehr, die durch eine Bebauungsplanänderung bewusst die Ansiedlung von Mega Bike ermöglichte, die er für nicht notwendig hält. „Wenn in Kaltenkirchen ein Bebauungsplan nicht passt, wird er aber kurzerhand angepasst.“

Gutachten ist fragwürdig

Und das seiner Meinung nach aufgrund eines merkwürdigen Gutachtens. Das hatte die Stadt in Auftrag gegeben, um die Auswirkungen der Mega-Bike-Ansiedlung auf das örtliche Gewerbe zu untersuchen. Darin wird Hensel zum Beispiel „als nicht klassischer Fachmarkt“ bezeichnet und die Verkaufsfläche mit rund 500 Quadratmeter beziffert.

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Holger Hensel schüttelt über diese Aussagen nur verwundert den Kopf. „Wir haben fast 1500 Quadratmeter Ausstellungsfläche und bieten 600 bis 700 Räder an, können schnell nachbestellen und haben eine große Service-Werkstatt.“

Auswirkungen durch den künftigen Mega-Bike-Markt erwartet auch Bernhard Fuhrmann. Der 61-Jährige ist Chef von Gefu-Zweirädern in Henstedt-Ulzburg, einem Geschäft mit 36-jähriger Tradition.

Händler befürchten hohe Einbußen

„Ich rechne mit 20 Prozent Umsatzeinbußen“, sagt er. Fuhrmann bezweifelt, dass der neue große Markt in der Nachbarschaft zurechtkommt. „In Henstedt-Ulzburg gab es vor Jahren auch schon mal den großen B.O.C.-Fahrradmarkt. Der habe aber wieder geschlossen, weil es sich nicht rechnete. Die Konkurrenz merkte Fuhrmann damals extrem stark. Sein Geschäft ist rund 200 Quadratmeter groß. Dazu kommen Werkstatt und Lager. „Ich und meine zwei Mitarbeiter machen weiter, wir wollen mit Qualität überzeugen.“

„Natürlich werden wir Mega Bike merken“, ist sich auch Marco Schmeling sicher. Der 42-Jährige führt seit fast 20 Jahren zusammen mit seinem Vater Peter die Firma PMS-Bikes in Lentföhrden. Zu seinen Kunden zählen viele Kaltenkirchener.

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Kein zusätzlicher Bedarf

Auf rund 400 Quadratmetern mit Lager werden auch mehrere Hundert Räder angeboten. Acht Mitarbeiter werden beschäftigt. „Wir sind ein Vollsortimenter mit großer Werkstatt“, so Marco Schmeling. „Weil wir etwas abseits liegen, bieten wir bereits einen Hol- und Bringservice an.“ Er versteh auch nicht, warum die Stadt Kaltenkirchen die Ansiedlung eines solch großen Fahrrad-Marktes ermöglichte. „Das Angebot in der Gegend ist doch jetzt schon sehr breit gefächert. Ich sehe da keinen zusätzlichen Bedarf.“

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