Champignons und Co.

Pilze sammeln im Kreis Segeberg: Tipps, Tricks und was erlaubt ist

Die Funde landeten in den Sammelkörbchen. Am Ende konnte jeder Teilnehmende der Tour mit Monika Weber mindestens eine Mahlzeit mit nach Hause nehmen.

Die Funde landeten in den Sammelkörbchen. Am Ende konnte jeder Teilnehmende der Tour mit Monika Weber mindestens eine Mahlzeit mit nach Hause nehmen.

Kisdorferwohld. „Alle mal herkommen, ein neuer Pilz!“ Monika Weber ruft alle Teilnehmenden ihrer Tour durch den Landesforst Endern in Kisdorferwohld zusammen. Und wirklich: Jennifer Hu aus Oersdorf hat einen hübschen Perlpilz gefunden, der wie aus dem Bilderbuch aussieht und nach dem Bestaunen im Korb der Pilzsucherin landet. Ein Dutzend Interessierte haben sich am Sonnabend auf dem Parkplatz am Waldrand eingefunden und gehen nach einer kurzen Einführung durch Pilzcoach Monika Weber aus Kaltenkirchen zusammen in den Wald. Sie wollen essbare Pilze sammeln.

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Seit zehn Jahren ist die 77-Jährige als Pilzexpertin im Kreis Segeberg unterwegs und bietet Führungen an. „Als Kind habe ich auf einer Wiese immer Champignons gesammelt und verkauft. Das war mein Taschengeld“, erinnert sich die Seniorin. Die Verbundenheit zu Flora und Fauna blieb ihr Leben lang, sodass sie die Ausbildung zur Natur- und Landschaftsführerin absolvierte – und nun Menschen, die vielleicht nicht viel Bezug zu ihrer Umwelt haben, über die Schönheiten um sie herum aufklären kann.

Jennifer Hu war bereits im Frühjahr bei einer Orchideenführung mit Monika Weber dabei. Nun geht es in die Schwammerl, wie Pilze in Süddeutschland auch genannt werden. „Steinpilze kenne ich schon, aber von den anderen habe ich lieber die Finger gelassen“, meint die gebürtige Asiatin, die sich voller Freude dazu aufmacht, im Wald auf die Suche zu gehen, um Pilze zu sammeln.

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Schon am Wegesrand die ersten Funde: Martina Ahrens aus Alveslohe hat einen Rotfußröhrling entdeckt und legt ihn nach der Begutachtung und Bestimmung in ihren Korb. Sie hat Erfahrungen beim Pilzsammeln gemacht, will ihr Wissen aber weiter vertiefen. Ähnlich geht es Dietmar und Heidi Kraas aus Bad Bramstedt. Die beiden können die essbaren Maronen sicher bestimmen, aber die Vielfalt an genießbaren Pilzen sei ja noch viel größer. Ein stattlicher Steinpilz bester Qualität landet im Eimer der Bad Bramstedter. Lediglich eine Schnecke hat am Hut des Pilzes etwas geknabbert, ansonsten ist er intakt und wird mitgenommen.

Monika Weber betont, dass nur Pilze, die man kennt, mitgenommen werden sollten, denn zu fast jedem Essbaren gebe es einen giftigen oder ungenießbaren „Gegenspieler“. Dennoch sollte man auch diese nicht kaputt treten, denn sie erfüllen ihre Aufgaben im Wald. Zu kleine Pilze solle man stehen lassen, denn die Bestimmung sei bei den Zwergen schwieriger. Zu alte kommen ebenfalls nicht ins Körbchen. Oft sind sie verwurmt oder werden schlicht und einfach schlecht. Ein falscher Pilz, so Weber, kann ein ganzes Gericht verderben.

So werden Waldpilze zubereitet

Essbare Pilze, die man in der Natur findet, sollten nach Auskunft von Expertin Monika Weber aus Kaltenkirchen innerhalb von 24 Stunden zubereitet werden. Man kann sie auch – gebraten oder roh – einfrieren, sollte sie dann allerdings im gefrorenen Zustand der Speise zugeben. Getrocknete Pilze können gemahlen und als geschmacksintensives Pulver verarbeitet werden. Mindestens 20 Minuten sollten rohe Pilze bei 80 Grad gebraten oder gekocht werden. Das hilft, so Weber, unter anderem gegen den Fuchsbandwurm, der möglicherweise auf den Pflanzen zu finden ist. Im Notfall: Das Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord) der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist unter Telefon 0551/19240 Tag und Nacht erreichbar.

Generell sind diese Waldfrüchte kalorienarm und eiweißreich. Außerdem sind sie in Schleswig-Holstein nicht belastet, alle Grenzwerte werden unterschritten. Das hat Monika Weber vor einigen Jahren bei einer Sammlung untersuchen lassen. Anders sei das beispielsweise in Bayern. Dort hatte die giftige Wolke des Tschernobyl-Reaktor-Unglücks die Wälder derartig geschädigt, dass die Pilze auch nach 36 Jahren immer noch radioaktiv kontaminiert seien.

In den Wäldern des Landesforstes Schleswig-Holstein dürfen Spaziergänger ein bis zwei Kilogramm Maronen, Röhrlinge, Steinpilze und Co. für sich sammeln. In Privatwäldern solle man auf Hinweisschilder achten und im Zweifel lieber wieder gehen, bevor am Pilze sammelt. Marion Fraile, Försterin und zuständig für den Friedwald im Forst Endern, weist darauf hin, dass Hunde nicht querfeldein mitgenommen werden dürfen – schon gar nicht unangeleint. Auch Zigarettenkippen sollten wieder mitgenommen werden.

Pilze sammeln im Wald wird immer beliebter

Die Försterin hat in den vergangenen Jahren eine immer größer werdende Zahl von Pilzsammlern festgestellt. Auch die Corona-Pandemie habe dafür gesorgt, dass Naturfreunde die Wälder „stürmen“. „Aber bitte verhalten Sie sich respektvoll“, gibt sie allen Besuchern mit auf den Weg.

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Am Ende der mehrstündigen Tour zum Pilzesammeln haben die Interessierten zwar nicht viel Wegstrecke geschafft, dafür sind aber ihre Körbchen voll. Allen ist klar: Man kann nur eines, entweder Spazierengehen oder Pilze suchen. „Das Essen ist gerettet“, sagt Dietmar Kraas und freut sich. Nina Grebien und ihr Sohn Franz haben unter anderem zarte lila Lacktrichterlinge gefunden, die zwar nicht viel Masse haben, aber hübsch und essbar sind.

Die Teilnehmenden, die drei Stunden lang den Waldboden eher gescannt als betrachtet haben, spenden Monika Weber Dank und Beifall für die Tour. Trotz ihres Alters und ihrer zurzeit etwas angeschlagenen Gesundheit freut sich die Pilzexpertin über das Lob. Bis zum ersten Frost bietet sie regelmäßig in verschiedenen Wäldern der Region diese Touren an (Telefon 04191/956179).

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