„Revolution Train“

Große Nachfrage in Schulen: Umstrittener Anti-Drogen-Zug kommt in Kreis Segeberg

Im „Revolution Train“ wird die Geschichte eines Drogenabhängigen multimedial erzählt: Nach dem ersten Filmausschnitt stehen die Schüler in einer nachgebildeten Bar.

Im „Revolution Train“ wird die Geschichte eines Drogenabhängigen multimedial erzählt: Nach dem ersten Filmausschnitt stehen die Schüler in einer nachgebildeten Bar.

Bad Bramstedt. Wer in den 165 Meter langen „Revolution Train“ steigt, erfährt in 100 Minuten viel über Drogen und ihre tödliche Wirkung. Alle Inhalte sind angelehnt an eine wahre Geschichte. Im September 2023 macht der Anti-Drogen-Zug erneut für zweieinhalb Wochen in Kreis Segeberg halt.

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In den sechs Waggons des „Revolution Train“ warten vier Kinosäle und acht interaktive Räume auf die knapp 4000 angemeldeten Schüler und Schülerinnen. „Wir wollen mehr Jugendliche dazu bringen, nein zu Drogen zu sagen“, sagt Wolfgang Banse vom Kriminalpräventiven Rat der Stadt Norderstedt. „Ich habe in meiner Tätigkeit selbst erleben müssen, wie Schüler aus der achten Klasse bekifft im Unterricht saßen.“

Vom 4. bis 19. September 2023 kommt der tschechische Zug nun auch in den Kreis Segeberg. Pavel Tuma hat den „Revolution Train“ entwickelt, nachdem ein guter Freund von ihm im Jahr 2000 an einer Überdosis Chrystal Meth gestorben war.

Im „Revolution Train“ führen geschulte Moderatoren Jugendliche durch aufwendig gestaltete Räume. Die Schulkinder begleiten dort das Leben einer Gruppe Jugendlicher und lernen viel über Drogenkonsum: über Alkohol, Nikotin, Cannabis und harte Drogen wie Heroin. Eindringlich wird den Gästen vor Augen geführt, wie Drogenmissbrauch enden kann – ob im zerstörten Auto am Baum oder mit dem „Goldenen Schuss“ auf der Bahnhofstoilette.

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Anti-Drogen-Zug kommt bei Schulen an: 500 Teilnehmende mehr als noch 2021

Für das Projekt haben sich bereits 25 Schulen mit rund 4000 Jugendlichen aus siebten und achten Klassen angemeldet – das sind 500 Menschen mehr als beim jüngsten Besuch im Jahr 2021.

„Es freut uns sehr, dass wir drei neue Schulen hinzugewinnen konnten“, sagt Projektleiter Jürgen Schlichting von der Kreisverkehrswacht. Für 2025 sei es das Ziel, alle Schulen aus dem Kreis zu begeistern. Er habe bislang keine Person erlebt, die unaufmerksam gewesen sei.

Zunächst soll der Zug für eine Woche in Norderstedt auf einem Industriegleis halten. Ab 11. September geht es für eine weitere Woche nach Bad Segeberg, die letzten zwei Tage verbringt der Zug in Bad Bramstedt.

Revolution Train ist umstritten: Kreis-Zuschuss hat nur knappe Mehrheit bekommen

Unter Fachleuten und Politikern sorgt der Anti-Drogen-Zug für viele Diskussionen. Manchen halten das Projekt Zug für zu drastisch. Das Sozialministerium des Landes hatte das Projekt abgelehnt, weil es fachlich nicht überzeugt war.

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Auch in der Kreispolitik sind die Meinungen geteilt. Der Kreis-Zuschuss für den "Revolution Train" in Höhe von 30 000 Euro wurde im vergangenen Jahr nur mit einer knappen Mehrheit bewilligt. Insgesamt 25 Abgeordnete hatten dafür gestimmt, 24 dagegen, fünf sich enthalten. "Dieser Zug setzt auf Abschreckung und ist stark umstritten", sagt Rainer Schuchardt von den Freien Wählern. Initiator Schlichting hält dagegen, dass jedes Vorabendprogramm im Fernsehen härter sei als dieser Zug.

Projekt Revolution Train: Zurzeit fehlen noch 30 000 Euro für die Umsetzung

Insgesamt 130 000 Euro kostet der Einsatz des Zugs im Kreis Segeberg, umgerechnet sind das rund 27 Euro pro Schüler. Die Kosten werden größtenteils von dem Kreis, den Städten und Gemeinden getragen.

Auch die Bürgerstiftung der VR Bank in Holstein unterstützt das Anti-Drogen-Programm mit 5000 Euro. „Das Projekt ist authentisch. Wenn wir nur einen Jugendlichen von den Drogen abbringen, ist das ein großer Erfolg“, so Stiftungsvorstand Stefan Witt. Zurzeit fehlen der Projektgruppe noch rund 30 000 Euro zur Umsetzung, auch Einzelspenden werden gern angenommen.

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In diesem Jahr will sich das Projektteam verstärkt dafür einsetzen, die Nachbereitung des Besuchs in den Schulen zu intensivieren. Es sei besonders wichtig, mit den Jugendlichen in eine regelmäßige Diskussion zu kommen. Damit unser Präventionsprogramm nachhaltig wirke, müsse das Thema „in den Köpfen der Jugendlichen präsent gehalten“ werden.

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