Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge

Suche nach Wohnungen für Ukrainer: Resonanz in Segeberg ist groß, Bedarf noch größer

Olena Lushnikova mit Sohn Maksim (11, links) und Nataliya Parkhomenko mit Tochter Masha (14) sind vor den Bomben in Charkiw nach Deutschland geflohen - und wurden nach Bornhöved gebracht. Hier wohnen sie nun in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Grundschule. Den Willkommensgruß an der Wand haben Schüler gestaltet.

Olena Lushnikova mit Sohn Maksim (11, links) und Nataliya Parkhomenko mit Tochter Masha (14) sind vor den Bomben in Charkiw nach Deutschland geflohen - und wurden nach Bornhöved gebracht. Hier wohnen sie nun in der ehemaligen Hausmeisterwohnung der Grundschule. Den Willkommensgruß an der Wand haben Schüler gestaltet.

Kreis Segeberg. In der alten Hausmeisterwohnung der Grundschule in Bornhöved sind Olena Lushnikova und Nataliya Parkhomenko mit ihren Kindern eingezogen. Sie stammen aus der Millionenstadt Charkiw, die seit Kriegsbeginn in der Ukraine schwer beschossen wird von russischen Truppen. „Diese Woche kommen weitere Flüchtlinge“, berichtet Gemeindevertreter Bernd Petersdorff. Die Zuteilung der Ukraine-Flüchtlinge auf die Kommunen hat begonnen. Überall im Kreis wird nach Wohnraum gesucht. Viele Menschen bieten Unterkünfte an – doch das reicht noch nicht.

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In der Ukraine waren Olena Lushnikova und Nataliya Parkhomenko Nachbarinnen, nun teilen sie sich mit ihren zwei Kindern ein Zimmer. Das mache ihnen nichts aus, versichern sie. Alles sei gut. Über ein Übersetzungsprogramm auf dem Handy sprechen sie ihren Dank für die Hilfe im Dorf aus.

Viele bieten Gemeinden Wohnraum für Ukrainer an

130 ukrainischen Flüchtlinge wurden bisher aus den Landesunterkünften oder aus der Notunterkunft in Borstel an die Kommunen im Kreis Segeberg verteilt, sagt Kreissprecherin Sabrina Müller auf Nachfrage zu Beginn der Woche. Allein 70 aus Borstel, wo im Moment knapp 130 Menschen zeitweise untergekommen sind. Im Idealfall sollen die Flüchtenden nur einige Tage in diesen Notunterkünften verbringen.

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Olena Lushnikova mit Sohn Maksim (11, vorn) und Nataliya Parkhomenko mit Tochter Masha (14) teilen sich ein Zimmer. Sie seien froh, hier zu sein, besonders freuen sie sich über die Hilfsbereitschaft im Ort. Viele Menschen haben für die Ausstattung und Spielsachen gespendet.

Olena Lushnikova mit Sohn Maksim (11, vorn) und Nataliya Parkhomenko mit Tochter Masha (14) teilen sich ein Zimmer. Sie seien froh, hier zu sein, besonders freuen sie sich über die Hilfsbereitschaft im Ort. Viele Menschen haben für die Ausstattung und Spielsachen gespendet.

Viel Zeit bleibt den Kommunen oft nicht, eine passende Unterkunft zu finden. "Wir bekommen täglich eine Liste mit den Flüchtlingen, die wir unterbringen müssen", sagt Daniela Fronk vom Amt Bornhöved. Aktuell lägen 21 private Unterkünfte aus dem Amtsbereich vor. "Hier melden sich ganz nette Leute, die ein Gästezimmer anbieten oder auch leer stehende Häuser." Im Vergleich zur Flüchtlingskrise 2015/2016 sei die Resonanz dieses Mal deutlich größer.

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Angebot und Nachfrage aber müssten auch passen. „Die meisten wollen eine Mutter mit Kind aufnehmen“, sagt Fronk. Oft sei dann aber noch die Oma dabei oder eine Schwester. „Dann passt das wieder nicht.“ Auch privat seien mehrere Ukrainer im Amtsbereich untergebracht - mehrere Anträge auf Sozialleistungen seien bereits eingereicht worden. Es sei nicht absehbar, wie viele Flüchtlinge noch kommen werden. „Wenn eines Tages ein Bus mit 50 Menschen vor der Tür steht, müssen wir Notunterkünfte in Gemeinschaftshäusern einrichten“, sagt sie. Die Bürgermeister seien darauf vorbereitet.

In Leezen sind Container für Flüchtlinge geplant

Auch im Amt Leezen werden bereits zahlreiche Flüchtlinge privat untergebracht, unter anderem in Bebensee. Über 60 Anträge auf Leistungen seien in Arbeit, berichtet Holger Pirdzuhn. Freie Betten hatte das Amt bisher nicht. In Wittenborn werde nun eine Immobilie angemietet, in der 30 Menschen aufgenommen werden sollen. Außerdem hätten sich mehr als 40 Menschen bei der Verwaltung gemeldet, die Wohnraum anbieten wollen. "Allerdings ausschließlich für Ukrainer", sagt Pirdzuhn. Das Amt benötige auch Raum für Flüchtende aus anderen Regionen.

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Das ehemalige Bürogebäude in Wittenborn wurde zuletzt von der Jugendhilfe genutzt, nun sollen hier Flüchtlinge aus der Ukraine ein Zuhause finden.

Das ehemalige Bürogebäude in Wittenborn wurde zuletzt von der Jugendhilfe genutzt, nun sollen hier Flüchtlinge aus der Ukraine ein Zuhause finden.

Das Angebot sei ganz unterschiedlich. Manche Unterkünfte seien für kurze Zeit verfügbar, andere auch längerfristig. Auf diese werde er sich zunächst konzentrieren, sagt Pirdzuhn, der nun jedes Angebot prüfen und Mietbedingungen verhandeln muss.

Kreis Segeberg sucht dringend Übersetzer

Um die Kommunikation mit den vor dem Ukraine-Krieg Geflüchteten zu erleichtern, sucht der Kreis Segeberg dringend Übersetzerinnen und Übersetzer für Ukrainisch aber auch Russisch. Insbesondere bei der Ankunft in den Notunterkünften, beim Ausfüllen behördlicher Anträge, dem Arztbesuch sowie bei der Übersetzung allgemeiner Informationen ist der Kreis Segeberg akut auf sogenannte Sprachmittler angewiesen. Diese würden einen Vertrag mit dem Kreis schließen und als Honorarkräfte tätig werden: Pro angefangene Viertelstunde würden 10 Euro bezahlt, somit 40 Euro für eine Übersetzungsstunde. Außerdem seien die Sprachmittler während dieser Arbeitszeit über den Kreis Segeberg versichert, der unter der Mailadresse soziales-asyl@segeberg.de um schnellstmögliche Meldung geeigneter Personen bittet.

Außerdem will das Amt Leezen Wohncontainer anmieten, so hat es der Amtsausschuss jüngst beschlossen. Ziel ist es, am Amtsgebäude und auf dem alten Sportplatz Richtung Kükels Kapazitäten für insgesamt 50 Menschen zu schaffen, so Pirdzuhn. Allerdings sei auch hier der Markt „leer gefegt“. Es sei unklar, bis wann die Container bereitstehen. Eine Firma sei nun beauftragt, die Möglichkeiten vor Ort zu untersuchen.

Keine Prognose über Bedarf an Unterkünften möglich

In Bad Segeberg wurden die ersten 12 Ukraine-Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft im Bienenhof untergebracht, berichtet Amtsleiter Stephan Hartung. Von hier sollen die Menschen nach einigen Tagen in dauerhafte Unterkünfte vermittelt werden. Durch die Einrichtung weiterer Zimmer im Haus sollen die Kapazitäten ausgebaut werden.

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Auch in der Stadt habe es etwa 30 Angebote für Unterkünfte gegeben. „Von einem Zimmer zur Mitbenutzung bis zu ganzen Häusern“, sagt Hartung. „Das ist sehr erfreulich.“ Aktuell würde das aber trotzdem noch nicht ausreichen.

Eine Prognose darüber, wie viel Wohnraum für Flüchtende benötigt werden, wagt derzeit niemand. Auch der Kreis hält sich mit Schätzungen zurück über die zu erwartenden Zuweisungen angesichts der unabsehbaren Situation in der Ukraine.

Kommunen auf weitere Wohnungsangebote angewiesen

Das macht die Planungen auch für die Kommunen schwer, weiß auch Malte Pohlmann, Sprecher der Gemeindeverwaltung Henstedt-Ulzburg. Keiner wisse, wie viele Flüchtlinge aus der Ukraine in Henstedt-Ulzburg aufgenommen werden müssen. "Erfreulicherweise bekommen wir täglich Anrufe, und Menschen bieten uns Wohnraum an", sagt er. Jedes Angebot werde überprüft, das Zimmer, die Wohnung oder das Haus besichtigt und geguckt, ob es für obdachlose Menschen aus der Ukraine passt.

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Ideal wäre natürlich ein abschließbarer Raum, noch besser mit eigener Küche und Badezimmer, so Pohlmann. „Privatsphäre ist für die Flüchtlinge wichtig.“ Henstedt-Ulzburg hat mittlerweile schon Immobilien angemietet. Auch die Anmietung von Wohncontainern werde in Betracht gezogen, es gebe jedoch noch keine Entscheidung. Von größeren Zuweisungen aus Notunterkünften des Kreises wisse er bisher nichts.

Auch Bad Bramstedt sucht händeringend nach Wohnraum für die Ukraine-Flüchtlinge. Die Stadt hatte in der vergangenen Wochen über die Presse einen Hilferuf gestartet. Jan Pedd, Sachgebietsleiter im städtischen Sozialamt, wurden daraufhin acht Wohnungen angeboten, vier davon gehören einer Wohnungsbaugesellschaft. "Einige Eigentümer haben sich umentschieden und ihre Wohnungen nicht in den bekannten Internetportalen annonciert, stattdessen uns angeboten", so Jan Pedd. Das sei sehr erfreulich. Bisher, Stand Montag, haben 49 Ukrainer in der Stadt eine Bleibe gefunden.

Verwaltungen stellen sich auf längere Unterbringung ein

Im Amt Bad Bramstedt-Land hatte die Verwaltung Mitte März an alle rund 6000 Haushalte einen Aufruf geschickt, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, in dem Ukraine-Flüchtlinge unterkommen können. "Wir hatten nichts mehr, der Wohnungsmarkt ist leer gefegt, außerdem müssen wir ja auch andere Asylbewerber unterbringen", erklärte Sozialamtsleiter Sven Klinger. "Trotzdem war die Resonanz auf den Aufruf überwältigend."

Wer hat Unterkünfte für Kriegsflüchtlinge?

Ein Haus, eine Wohnung oder eine Mitwohngelegenheit für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine – alle Kommunen im Kreis Segeberg sind derzeit auf der Suche nach Unterkünften, für die vielen Menschen, die derzeit vor Putins Bomben aus der Ukraine fliehen.

Wer Wohnraum anbieten kann und möchte – lang-, mittel-, aber auch kurzfristig – meldet sich bei seiner zuständigen Verwaltung. Das sind die Ansprechpartner:

Amt Bad Bramstedt-Land: Sven Klinger, Telefon 04192/20090 oder E-Mail: info@amtbbl.de

Amt Boostedt-Rickling: Hans-Christian Westphal, Telefon 04393/997630, oder Ann-Christin Folster -997631; E-Mail: info@amt-boostedt-rickling.de

Amt Bornhöved: Daniela Fronk, Telefon 04323/907720, Sabrina La Monica -907734 oder Natascha Schlichting -907721

Amt Itzstedt: Wohnungsangebote per E-Mail an: soziales@amt-itzstedt.de oder Telefon 04535/5090.

Amt Kaltenkirchen-Land: Karsten Kohlmorgen, Telefon 04191/500937, E-Mail: ordnungsamt@kaltenkirchen-land.de

Amt Kisdorf: Helge Wittkowski, Telefon 04191/950641, E-Mail: h.wittkowski@amt-kisdorf.de oder Britta Finnern, Telefon 04191/950649, E-Mail: b.finnern@amt-kisdorf.de.

Amt Leezen: Holger Pirdzuhn, Telefon 04552/997727

Amt Trave-Land: Wohnungsangebote per E-Mail an: asyl@amt-trave-land.de

Bad Bramstedt: Jan Pedd, Telefon 04192/50673

Bad Segeberg: Stephan Hartung, Telefon 04551/8564705 oder E-Mail: ukraine@badsegeberg.de

Ellerau:Kontaktformular für Wohnungsangebote unter www.ellerau.de unter Aktuelles.

Henstedt-Ulzburg: Beate Grabowski, Telefon 04193/963341, E-Mail bevorzugt: ukraine@henstedt-ulzburg.de

Kaltenkirchen: Ralf Köhler, Telefon 04191/939330 oder E-Mail: ukraine-hilfe@kaltenkirchen.de

Norderstedt: Wohnungsangebote per E-Mail an: ukraine-hilfe@norderstedt.de

Wahlstedt: Frau Schmückner-Lüthje, Telefon 04554/701131, E-Mail: asyl@wahlstedt.de

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40 Wohnraummeldungen gingen bei ihm ein. „Darunter sind allerdings auch solche, wo einzelne Zimmer frei sind, weil die Kinder ausgezogen sind“, so Klinger. Interessiert sei die Amtsverwaltung aber an längerfristigen Lösungen. „Wir rechnen schon mit einem halben Jahr.“

Bisher sind im Amt Bad Bramstedt-Land 29 Flüchtlinge aus der Ukraine untergekommen. Neun seien vom Kreis Segeberg zugewiesen und vom Amt Bad Bramstedt-Land untergebracht worden, 20 hätten selbst durch persönliche Verbindungen eine private Bleibe gefunden. Es werden nicht die letzten sein.

Von Nadine Materne, Einar Behn und Nicole Scholmann

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