Bad Bramstedt

Wohin mit den Flüchtlingen? Sozialamt sucht händeringend Wohnraum

Jan Pedd ist als Sachgebietsleiter im Bad Bramstedter Rathaus verantwortlich für die Flüchtlingsaufnahme.

Jan Pedd ist als Sachgebietsleiter im Bad Bramstedter Rathaus verantwortlich für die Flüchtlingsaufnahme.

Bad Bramstedt. Das Sozialamt der Stadt sucht händeringend nach Wohnungen, um Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine unterzubringen. „Auch Sachspenden brauchen wir, um die Wohnungen auszustatten“, sagt Sachgebietsleiter Jan Pedd. 39 Ukrainer hat er bereits untergebracht, für die nächsten Tage erwartet er weitere Flüchtlinge. Dabei sind die Notunterkünfte zum großen Teil mit Flüchtlingen aus dem Nahen Osten belegt und Wohnungen waren schon bisher knapp in Bad Bramstedt.

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Die Stadt und die Wankendorfer Baugenossenschaft hatten vor einigen Jahren in Bad Bramstedt jeweils ein Gebäude nach dem sogenannten Kieler Modell gebaut. Die Häuser in der Gorch-Fock-Straße und am Tegelbarg haben sowohl abgeschlossene Wohnungen als auch Gemeinschaftsunterkünfte. Die Stadt hatte mit dem Bau auf die große Flüchtlingswelle von 2015 reagiert. Sie wurden allerdings erst viel später fertig, sind aber dennoch weitgehend belegt. Jan Pedd sagt, hier wohnen hauptsächlich Afghanen, Syrer und Türken. Eigentlich sind die Häuser nur für Menschen gedacht, die sich im Asylverfahren befinden. Haben sie ein Bleiberecht erlangt, sollen sie ausziehen. Das klappt aber allzu oft nicht, weil sie keine Wohnungen finden. In jedem der beiden Häuser können bis zu 54 Menschen einquartiert werden.

Nur Gemeinschaftsunterkünfte sind frei

Die Ukraine-Flüchtlinge konnten nur die Gemeinschaftsunterkünfte in den beiden Häusern einziehen, weil die Wohnungen belegt sind. Außerdem hat die Stadt 30 Appartements im Flüchtlingshaus an der Kieler Straße angemietet. Das Haus hatte ein Bad Bramstedter Bauunternehmer nach der Flüchtlingskrise 2015 in Leichtbauweise errichtet. Auch sind einige Ukrainer untergekommen. Außerdem hat die Stadt noch einige Wohnungen, verteilt übers Stadtgebiet, gemietet.

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"Wie viele Flüchtlinge wir aufnehmen müssen, wissen wir nicht", sagt Jan Pedd. Sein Bestreben sei, möglichst viele Wohnungen zu mieten, um auf Massenunterkünfte wie Turnhallen verzichten zu können. "Ob das gelingt, wissen wir nicht." Der Kreis Segeberg teile die Flüchtlinge den Gemeinden zu. Wie viele es werden, sei völlig ungewiss, so Pedd.

Finanzausschuss Bad Bramstedt bewilligt 500.000 Euro

Der Finanzausschuss hat am Dienstag 500.000 Euro als zusätzlichen Haushaltsposten genehmigt, um Wohnungen mieten zu können. Zwar erstattet der Kreis Segeberg die Mietkosten für Flüchtlinge, aber die Stadt muss in Vorleistung gehen. Und wenn eine Wohnung einmal nicht belegt ist, bleibt die Miete für diese Zeit bei der Stadt hängen. Zudem muss die Stadt von dem Sonderetat Einrichtungsgegenstände kaufen. „Wir haben in Bad Bramstedt keine Feldbetten“, erklärte Bürgermeisterin Verena Jeske. Die seien dringend nötig, um im Notfall auch eine Turnhalle als Notunterkunft nutzen zu können.

2015 hatte es einen solchen Notfall gegeben. Nachts kamen 150 Flüchtlinge in Bad Bramstedt an, die in der Sporthalle der Bundespolizei untergebracht wurden. Das DRK baute damals in Windeseile eine Feldküche und Feldbetten auf.

Auch Hotel Tanneneck und Köhlerhof im Gespräch

Im Gespräch ist auch die Anmietung von 34 Zimmern im Hotel Tanneneck und weitere im zurzeit geschlossenen Tryp-Hotel Köhlerhof. Das Klinikum hatte bereits 30 Betten im Reha-Bereich angeboten. Da das aber sehr teure Lösungen seien, versucht Jan Pedd möglichst darauf zu verzichten. „Außerdem fallen uns solche kurzfristigen Lösungen schon nach einigen Wochen wieder auf die Füße. Dann stehen wir wieder vor dem gleichen Problem, die Menschen unterzubringen“, sagt Fachbereichsleiter Pedd.

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Genehmigt wurden vom Finanzausschuss zudem 112.000 Euro, um zwei weitere Mitarbeiter im Sozialamt der Stadt befristet auf zwei Jahren einstellen zu können. Dort herrscht zurzeit Personalnotstand. Fortbildung, Urlaub, Überstundenabbau – alles wurde gestrichen. „Wir sind zurzeit ausschließlich damit beschäftigt, Quartiere für die Flüchtlinge zu finden.“ Der Flüchtlingskoordinator der Stadt, Abdulrahman Matar, ist ebenfalls über sein Stundensoll hinaus im Einsatz.

Die sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialamtes müssen auch die Einrichtung für die Flüchtlingswohnungen zusammenzubringen. „Wir benötigen dringend Einzelbetten, Kleiderschränke, Esstische und Stühle“, so Jan Pedd. Zwei bei der Stadt beschäftigte Hausmeister würden die Sachen bei den Spendern abholen.

Wer eine Wohnung zu vermieten oder die gewünschten Sachspenden erübrigen kann, sollten sich an Jan Pedd unter Tel. 04192-506 73 oder per E-Mail an jan.pedd@bad-bramstedt.de wenden.

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