TV-Kritik

ARD-Krimi „Der Tod kommt nach Venedig“: Wirrungen am Wasser

Nach dem Unfalltod ihres Mannes, einem Kunstrestaurator, geraten Anna (Alwara Höfels) und ihr Sohn in Venedig in Lebensgefahr.

Venedig am Abend, gefilmt von oben. Getragene Musik und Postkartenromantik. Ein Mann (Roman Binder) hetzt jetzt durch die engen Gassen und über die schmalen Brückchen der Lagunenstadt, blickt sich immer wieder um. Er wird verfolgt, aber es gelingt ihm noch, eine Postkarte in einen Briefkasten zu werfen. Dann hastet er weiter – und landet in einer Sackgasse, an einem Seitenkanal. Ein Wassertaxi biegt in den Kanal ein. Der Bootsführer trägt Kopfhörer und hört eine Oper. Der Verfolgte versucht, über die am Rande des Kanals liegenden Boote zu entkommen, stürzt ins Wasser und wird – vom Bootsführer unbemerkt –überfahren. Als der Verfolger den Kanal erreicht, treibt der Mann im Wasser, offensichtlich ist er tot. Eine zweite Person taucht neben dem Verfolger auf, von der man aber nicht mehr sieht als ihre absurd bunten Schuhe.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Schnitt: In Wien eilt Anna (Alwara Höfels) von ihrer Arbeit in einer Physiotherapiepraxis zur Schule, um dort ihren Sohn Paul (Filip Wyzinski) abzuholen. Später, als der leicht autistische Junge zu Hause den Tisch deckt, schellt das Telefon. Die Mutter hebt ab, und die Kamera zeigt nur ihr Gesicht, das jetzt irgendwo zwischen Ungläubigkeit, Entsetzen und tiefem Schmerz langsam einfriert.

Das Stream-Team

Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. – jeden Monat neu.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Der Tod war kein Unfall

Diese kurze filmische Exposition mag etwas haben von „Filmhochschule – Grundkurs: Wie ich einen Prolog schreibe“, funktioniert hier aber doch bestens. In rund sechs Minuten wissen die Zuschauenden alles, was sie wissen müssen und auch, was Anna noch nicht weiß: dass der Tod ihres Mannes Lukas (Roman Binder) kein Unfall war. Dieser war ein angesehener Restaurator gewesen, zuletzt für ein Museum der Stadt beschäftigt. Aber auch Anna, die nun nach Venedig reist, werden bald erste Zweifel kommen, und allmählich entspinnt sich nun ein (Soft-)Thriller um Kunst, Macht und Mord.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Das alles besitzt, von Regisseur Johannes Grieser durchaus flott und flüssig in Szene gesetzt, eine gewisse Spannung und lebt gut von der ehemaligen „Tatort“-Kommissarin Höfels. Die gibt Anna immer glaubwürdig, bisweilen gar berührend in ihrem tiefen Schmerz auf der einen und dem unbedingten Willen zu erfahren, was wirklich passiert ist, auf der anderen Seite.

Kopfschütteln statt Begeisterung

Eher ärgerlich dagegen ist der an zwei, drei Stellen selbst auferlegte Zwang der Produktion, auf Teufel komm raus originell sein zu wollen. Da wird dann so dick aufgetragen, dass statt der erwünschten Begeisterung vielmehr ein Kopfschütteln bei den Zuschauenden die Folge ist.

So scheint die „Teeszene“ inspiriert von Fritz Langs Film, dem Noir-Meisterwerk „The Big Heat“. Aber erstens ist Katia Fellin nicht Gloria Grahame, Hyun Wanner nicht Lee Marvin und Tee schon gar kein Kaffee. Und zweitens wird besagter Tee zwei Minuten lang so penetrant in Szene gesetzt, dass niemand mehr überrascht sein kann, was dann passiert. Ein typischer Fall von „Weniger wäre mehr gewesen“ also, und damit allenfalls kalter Kaffee, Pardon, Tee.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Taschenspielertricks à la James Bond

Nicht vorhersehbar, sondern vielmehr ziemlich unglaubwürdig dagegen ist die „Slip“-Szene. Anna ist vor einem Verfolger in ein Geschäft für Damenunterwäsche geflüchtet und steckt ihm dort im Vorbeigehen einen Damenslip in die Manteltasche. Der Mann wird als Ladendieb verdächtigt, und Anna kann unbehelligt den Laden verlassen. Eine ganz normale Frau und Mutter, die hier nicht für Scotland Yard, das FBI oder als „Tatort“-Kommissarin im Einsatz ist, sondern als Physiotherapeutin arbeitet, soll dieses Agentenhandwerk beherrschen? Das passt nicht wirklich.

Denn derlei Taschenspielertricks à la James Bond hätte dieser eigentlich doch ganz unterhaltsame Venedig-Trip gar nicht nötig gehabt. So aber bleibt am Ende ein eher lauwarmes Gefühl zurück.

„Der Tod kommt nach Venedig“ läuft am Samstag, 6. August, ab 20.15 Uhr in der ARD.

Laden Sie sich jetzt hier kostenfrei unsere neue RND-App für Android und iOS herunter

Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Spiele entdecken