Ausstrahlung gestoppt

„Beschämend und widerlich“: Indische Werbung verharmlost Vergewaltigungen

Szene aus dem Werbespot des Parfümherstellers Layer’r Shot.

Szene aus dem Werbespot des Parfümherstellers Layer’r Shot.

Alle 15 Minuten wird nach offiziellen Angaben eine Frau oder ein Mädchen in Indien Opfer einer Vergewaltigung, die tatsächlichen Zahlen in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land liegen Frauen­rechts­aktivistinnen zufolge sogar noch viel höher. Zwar sorgen immer wieder Berichte über Gruppen­vergewaltigungen für Entsetzen, in der Regel machen aber nur besonders brutale Fälle nationale Schlagzeilen. Aktivistinnen sagen, dass Indien ein grundsätzliches Vergewaltigungs­problem habe. Begründet liege es in der patriarchalen Gesellschaft, in der viele Frauen früh lernten, dass sie weniger wert seien als ihre Brüder.

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Vor diesem Hintergrund sorgt jetzt die Werbung für ein Parfüm in dem Land für Empörung, der Vorwurf: der Spot verharmlose Gruppen­vergewaltigungen, mache sich gar darüber lustig. Nachdem sich zunächst mehrere bekannte Schauspielerinnen und Frauen­rechts­gruppen entsetzt gezeigt hatten, ordnete am Wochenende die zuständige Regierungsbehörde den Stopp der Ausstrahlung der Werbung an und bat Twitter und Youtube, die entsprechenden Clips zu entfernen. Am Montag reagierte dann auch das Unternehmen Layer’r Shot.

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In dem Clip sind vier Männer zu sehen, die in einer Drogerie hinter einer jungen Frau stehen, einer von ihnen sagt: „Wir sind zu viert und da ist nur eine.“ Daraufhin ist das Gesicht der besorgt aussehenden Frau zu sehen. Ein anderer der Männer sagt anschließend in etwa: „Wer ist an der Reihe?“ Erst als sich die Frau entsetzt herumdreht, wird klar, dass die Männer über ein Parfüm sprechen, von dem nur noch eine Flasche im Regal steht.

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„Diese Werbung ist kein Zufall“

In sozialen Medien sorgte der Spot für große Empörung. Bollywood­star Priyanka Chopra nannte die Werbung bei Twitter am Wochenende „beschämend und widerlich. Wie viele Freigabestufen hat es gedauert, bis dieser Werbespot grünes Licht bekommen hat? Wie viele Leute fanden das in Ordnung?“

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Ebenso deutliche Worte fand die Schauspielerin Richa Chadha: „Diese Werbung ist kein Zufall. Solche Werbung eines Unternehmens durchläuft mehrere Entscheidungs­ebenen. Kreative, Dreh­buch­autoren, Agentur, Kunde, Casting … Glaubt jeder, Vergewaltigung sei ein Witz?“

Nach einer offiziellen Beschwerde der Delhi Commission for Women ordnete das Informations- und Medienministerium den Stopp der Ausstrahlung der Werbung an. Sie sei „schädlich für die Darstellung von Frauen im Interesse von Anstand und Moral“, heißt es in der Begründung.

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Am Montag veröffentlichte auch das Unternehmen Layer’r Shot eine Stellungnahme und bat darin um Entschuldigung. Man habe „nie die Absicht gehabt, die Gefühle von irgend­jemandem zu verletzen“.

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Weiter heißt es, das Unternehmen habe bereits am Samstag freiwillig alle Medienpartner gebeten, die Ausstrahlung der Anzeigen mit sofortiger Wirkung einzustellen.

RND/seb

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