„Der Kroatien-Krimi: Vor Mitternacht“ im Ersten: Tod nach der Familienfeier

Pathologin Brigita Stevic (Sarah Bauerett, li.), Kommissarin Stascha Novak (Jasmin Gerat) und ihr Kollege Emil Perica (Lenn Kudrjawizki) untersuchen den Toten am Strand.

Pathologin Brigita Stevic (Sarah Bauerett, li.), Kommissarin Stascha Novak (Jasmin Gerat) und ihr Kollege Emil Perica (Lenn Kudrjawizki) untersuchen den Toten am Strand.

Die Familie nicht als sicherer Hafen, sondern als Hort des Verbrechens steht in den beiden neuen Folgen des „Kroatien-Krimis“ im Fokus des Interesses. Die letzte Episode „Tod im roten Kleid“ schlug sich in die Enge eines erzkatholischen Bergdorfes, wo sich die Hauptverdächtigen des Mordes an einem jungen Transsexuellen in dessen engster Verwandtschaft befanden. In „Vor Mitternacht“ (3. Februar, 20.15 Uhr, ARD) führt die Spur einer Bluttat mitten hinein in die Familie von Kommissarin Stascha Novak (Jasmin Gerat), die seit nunmehr sechs Folgen die Mordkommission in Split leitet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ihr Vater Branko (Rufus Beck) ist aus Zagreb angereist, um mit den beiden Töchtern seinen Geburtstag zu begehen. Aber Stascha will von ihrer jüngeren Schwester Minka (Jenny Meyer) nichts mehr wissen. Früher waren die Geschwister ein Herz und eine Seele. Nach dem frühen Tod der Mutter hat sich die ältere Stascha stets um ihre Schwester gekümmert. Aber dass Minka sich kurz vor der Hochzeit an Staschas Verlobten Milan herangemacht hat, will die große Schwester ihr nicht verzeihen.

Vater der Kommissarin will versöhnen

Der Vater ahnt von den Hintergründen des Streits nichts und versucht hartnäckig zu versöhnen. Aber kurz bevor Minka auftaucht, verlässt Stascha die kleine Familienfeier im Jachthafen, nach deren Ende Cousin Luka (Giovanni Funiati) mit mehreren Stichwunden tot am Strand aufgefunden wird. Wie sich bald herausstellt, hat der Ermordete, den Branko wie einen eigenen Sohn liebte, eine umfangreiche Strafakte, in der auch mehrere Anzeigen wegen Vergewaltigung verzeichnet sind. Zu den Opfern gehört Minka, die ihre traumatische Erfahrung jedoch stets vor der Familie geheim gehalten hat.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Obwohl Stascha die Leitung der Ermittlungen in diesem Fall wegen Befangenheit an ihren Kollegen Emil Perica (Lenn Kudrjawizki) abgeben muss, stellt sie eigene Nachforschungen an. Schon bald ist sie fest davon überzeugt, dass ihre Schwester den Mord begangen hat. Aber die offiziellen Ermittlungen führen in eine andere Richtung. Neben der Leiche wurde im Sand ein Rohdiamant gefunden, der auf einen Überfall in Zagreb verweist. Und neben der Polizei ist auch noch ein undurchsichtiger Hotelgast (Bernhard Piesk) hinter den Verkäufern der Beute her.

Anspruchsvolle Fernsehunterhaltung

Nach einem recht flauen 2021er-Jahrgang profiliert sich der „Kroatien-Krimi“ mit den beiden neuen Folgen wieder im Feld anspruchsvoller Fernsehunterhaltung. Regisseur Michael Kreindl und Drehbuchautor Christoph Darnstädt, die seit dem Launch der Krimireihe 2019 das Heft in der Hand behalten haben, entwerfen in „Vor Mitternacht“ eine spannende, klug konstruierte Geschichte. Die eigentlichen Fälle erscheinen in der öffentlich-rechtlichen Verbrechensbekämpfung oftmals nur als notwendiges Genreübel.

Aber die „Kroatien-Krimis“ nehmen ihren Auftrag ernst, sind stets um eine komplexe, detektivische Aufklärungsarbeit bemüht. In „Vor Mitternacht“ kommt der schon seit Folge neun („Jagd auf einen Toten“) schwelende Konflikt der Geschwister Novak voll zum Ausbruch und vernebelt der patenten Ermittlerin die kriminalistischen Sinne. Ihre fehlende Objektivität wird zur treibenden Kraft der Handlung, die das Publikum immer wieder auf falsche Fährten lockt und bis zum Schluss noch ein As im Ärmel behält.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Privates Drama und verbrecherische Verwicklungen

Jasmin Gerat kann hier schauspielerisch in die Vollen gehen. Nach einer ersten körperlichen Auseinandersetzung mit einem Verdächtigen läuft die hartnäckige Kommissarin mit Platzwunde und blutiger Bluse durch das sonnige Split. Privates Drama und verbrecherische Verwicklungen werden hier äußerst effizient zu einem interessanten Krimi verwoben, der aus dem ARD-Donnerstagsformat deutlich herausragt.

Mehr aus Medien

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen