„In aller Freundschaft“: Rollstuhlfahrer wird neuer TV-Arzt – und sorgt für mehr Diversität

Der Comedian, Tan Caglar, hat nicht nur das Buch „Rollt bei mir!“ geschrieben, sondern ist ab Sommer auch in der Sachsenklinik zu sehen.

Der Comedian, Tan Caglar, hat nicht nur das Buch „Rollt bei mir!“ geschrieben, sondern ist ab Sommer auch in der Sachsenklinik zu sehen.

Leipzig. Mehr Vielfalt in der Sachsenklinik: Tan Çaglar (41) spielt in der populären Krankenhausserie „In aller Freundschaft“ künftig einen Arzt im Rollstuhl. Die neue Rolle hatte der MDR im Frühsommer 2020 ausgeschrieben. Gesucht wurde ein außergewöhnlicher Charakter, der noch mehr Diversität in den Cast bringt. Unter 70 Bewerbern setzte sich nun der Deutsch-Türke durch. „Ab Folge 937 übernimmt Tan Çaglar die Rolle des Viszeralchirurgen Dr. Ilay Demir, zu sehen voraussichtlich ab 3. August 2021“, teilte der MDR am Mittwoch mit. Çaglar wurde den Angaben zufolge mit einer Rückenmarkserkrankung geboren. „Mit Mitte 20 war er endgültig auf den Rollstuhl angewiesen. Kraft und Lebensfreude fand er im Sport.“

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Çaglar war selbst überrascht, dass der MDR einen Menschen mit Behinderung für eine Arzt-Rolle gesucht hat. „Als ich von meiner Agentin hörte, dass es die Möglichkeit gibt, in einer Krankenhausserie mitzuspielen, dachte ich zuerst: ‚Die suchen bestimmt jemanden, der ein Unfallopfer mimt, das im Rollstuhl sitzt!‘ Ich konnte gar nicht glauben, dass es um die Rolle eines Arztes ging. Jetzt bin ich tatsächlich der erste echte Rollstuhlfahrer, der im deutschen Fernsehen einen Arzt spielen darf“, zitiert die „Bild“-Zeitung den 41-Jährigen.

Çaglar erkennt sich in seiner Rolle wieder

Mit der Rolle als Dr. Ilay Demir konnte sich der Comedian schnell anfreunden. „Ein ehrgeiziger, selbstsicherer Typ mit großer Klappe. Gefühlt wurde mir die Rolle auf den Leib geschrieben“, so Çaglar weiter. Durch seine vielen Operationen, die er als Kind über sich ergehen lassen musste, kenne er sich in Krankenhäusern und auf Intensivstationen aus.

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Als Çaglar mit Mitte 20 endgültig auf den Rollstuhl angewiesen war, kam er eigenen Angaben zufolge nicht gut damit klar. „Ich kämpfte mit Depressionen, gab meinen Beruf in einer Werbeagentur auf. Erst später wurde mir klar, dass der Widerstand gegen die neue Situation gar nichts bringt, sondern dass ich sie annehmen muss“, erzählt der 41-Jährige.

Er entdeckte Rollstuhlbasketball für sich, war Profi in der 1. Bundesliga und gehörte zum erweiterten Kader der deutschen Nationalmannschaft. Er hat ein Buch geschrieben („Rollt bei mir!“) und tritt als Comedian auf.

RND/goe/dpa

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