Staatsakt in London

Medienereignis um Tod der Queen – doch nicht alle haben vorausschauend geplant

Kameras vor dem Buckingham Palace in London.

Kameras vor dem Buckingham Palace in London.

„Experten rechnen damit, dass am Montag mehr als 4,1 Milliarden Menschen einschalten, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung“, sagte Sozialforscher Marcel Schütz von der Northern-Business-School Hamburg. Medienhäuser weltweit sind in intensiven Vorbereitungen auf die Staatsbeerdigung von Queen Elizabeth II. am Montag.

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Als bekannt wurde, dass die britische Königin Elizabeth II. wohl kurz vor ihrem Tod stand, schalteten Medienorganisationen weltweit einen Gang hoch. Einige aktivierten Pläne für die Berichterstattung, die es seit Langem gab. Wegen ihres Alters von 96 Jahren war es keine Überraschung, dass die Königin starb. Dennoch wurde es zu einem medialen Großereignis, das am Montag mit dem Gottesdienst in der Westminster Abbey seinen Höhepunkt erreicht.

„Ein Tsunami von Menschen“

„Es ist etwas, das ich immer irgendwie gefürchtet und erwartet und mit Sorge betrachtet habe“, sagte die stellvertretende London-Bürochefin des US-Fernsehsenders CBS News, Deb Thompson. Sie erinnerte sich an Nächte, in denen wie besessen über Details nachgedacht worden sei. Bis jetzt sei alles reibungslos gelaufen.

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Doch nicht alle haben vorausschauend geplant. Die Direktorin des britischen Verbands der Auslandspresse, Deborah Bonetti, sagte, es seien zahlreiche Anträge auf Akkreditierung von Fernseh- und Radiosendern weltweit eingegangen. „Man hätte gedacht, dass die königlichen Hochzeiten das maximale Level des Interesses erreicht hätten, aber nein“, sagte Bonetti. „Es ist ein Tsunami von Menschen, die keine Ahnung haben, was sie tun müssen, um dieses Prozedere aus London zu übertragen.“

+++ Die Queen ist tot alle Entwicklungen im Newsblog +++

In Großbritannien sei die Berichterstattung über das Andenken und die zeremoniellen Veranstaltungen nach dem Tod der Königin dieser gegenüber sehr ehrfürchtig gewesen, sagte der Kommunikationsprofessor Steven Barnett von der University of Westminster. Eine kritische Betrachtung des Lebens der Monarchin oder der Rolle der Monarchie in der modernen Gesellschaft habe fast ausschließlich in den sozialen Medien stattgefunden.

Britischer Journalist schießt gegen „New York Times“

Doch Kritik wird auch abgelehnt. Die US-Zeitung „The New York Times“ wurde in Großbritannien für einen Artikel angeprangert, in dem über die hohen Kosten eines königlichen Begräbnisses geschrieben wurde, die mit staatlichen Mitteln finanziert würden, während es vielen Briten finanziell nicht gut gehe. „Es gibt keine Tiefen, in die sich die @nytimes in ihrer antibritischen Propaganda nicht begibt“, twitterte der Journalist Andrew Neil, früher Redakteur bei der „Sunday Times“ in London.

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In den USA sei es in der Berichterstattung größtenteils um das Ende einer Ära und die Gedenkfeiern gegangen, sagte Marlene Koenig, die einen Blog, „Royal Musings“, von ihrem Zuhause im US-Staat Virginia aus betreibt. „Es ist respektvoll gewesen. Ich werde nicht den Begriff ehrfürchtig benutzen.“

Zeigen von „sichtbaren Anzeichen des Kummers“ der Royals verboten

Es ist möglich, dass die Berichterstattung den Vorstellungen des Königspalasts von Würde und Anstand zuwiderläuft. Medien haben versucht, so viel wie möglich von den Trauernden zu zeigen, die am Sarg der Königin vorbeigehen. Der Palast gab aber Regeln für die Videoberichterstattung heraus, denen zufolge britische Royals nicht dabei gefilmt werden dürfen, wie sie „sichtbare Anzeichen des Kummers“ zeigten. Zudem dürfe kein „unangemessenes Verhalten“ von Mitgliedern der Öffentlichkeit oder anderen Personen gezeigt werden. Als ein zeremonieller Wachmann neben dem Sarg der Königin bewusstlos wurde, unterbrach der britische Sender BBC seine Live-Übertragung.

Viele Nachrichtenorganisationen hatten schon vor Langem geregelt, wo ihre Journalisten für die Hauptereignisse rund um den Tod der Königin platziert würden. Der Sender NBC News arbeitet von der gleichen Stelle aus, von der er damals über die Hochzeiten von Charles und Diana und William und Kate berichtet hatte.

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US-Medienstars in London

US-Sender haben die größten Stars ihrer Nachrichtensendungen für die Berichterstattung am Montag entsandt: ABC News schickt Robin Roberts und David Muir, NBC Savannah Guthrie, Lester Holt und Hoda Kotb. Der Sender CBS hat Gayle King und Norah O'Donnell beauftragt.

Zeremonielle Ereignisse in Großbritannien seien für Fernsehsender reizvoll, sagte der Dekan der School of Communication an der Hofstra University, Mark Lukasiewicz. Doch nach mehr als einer Woche davon habe es „den Punkt erreicht, wo viele Menschen denken, ‚es reicht uns jetzt irgendwie‘“.

RND/AP

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