Packendes Drama mit Top-Besetzung

Miniserie „Time“ auf Magenta TV – Hilflos hinter Gittern

Überleben ist alles: Mark Cobden (Sean Bean) muss für vier Jahre ins Gefängnis.

Überleben ist alles: Mark Cobden (Sean Bean) muss für vier Jahre ins Gefängnis.

Zwei Topstars in einer Serie; Stephen Graham war unvergesslich als bulliger Al Capone, der in Martin Scorseses Prohibitionsserie „Boardwalk Empire“ ohne zu blinzeln von gutgelaunt auf Ich-hau-dich-zu-Klump! umschalten konnte. Und Sean Bean ist durch zwei ikonische Fantasycharaktere in die Popkultur eingegangen: Er war der ehrgeizgetriebene Boromir in Peter Jacksons erstem „Herr der Ringe“-Film und zehn Jahre später der ehrbare Nordlord Eddard Stark, der in „Game of Thrones“ in der Hauptstadt Königsmund gehenkt wurde, weil er einer Intrige auf die Spur gekommen war. Diese beiden sind die Hauptdarsteller von „Time“, einer BBC-Produktion, die jetzt bei Magenta TV zu streamen ist.

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Sie treffen im Gefängnis aufeinander. Graham ist der Strafvollzugsmann Eric McNally, ein liebender Familienvater und Ehemann, der streng ist, es aber prinzipiell gut mit den Gefangenen meint. In seiner Anstalt tritt Mark Cobden (Bean) eine vierjährige Haftstrafe an. Er hat eine Frau, die auf Distanz zu ihm gegangen zu sein scheint, sowie einen Sohn und Eltern, die sich Sorgen machen – denen erzählt er nur, es sei langweilig und das Essen nicht so toll.

Das Gefängnisleben überfordert Mark vom ersten Tag an

Aber schon die Eingangsinterviews und die Untersuchungen in den ersten Haftstunden überfordern ihn – erst recht sein über und über mit Narben übersäter junger Zellengenosse (Aneurin Barnard), der zehn Jahre für Vatermord absitzen muss, der Mark für einen Spion hält und sich vor seinen Augen blutig ritzt. Jimmy McGoverns Vier-Episoden-Drama „Time“ ist starker Stoff. Häftling Nummer 3944 braucht Beistand.

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McNally hat einen Sohn namens David, der in einem anderen Gefängnis sitzt. Das Wissen nutzt einer der Knastbabbos, Jackson Jones (in seiner Ruhe bedrohlich: Brian McCardie), um den Wärter für seine Drogenschmuggeleien einzuspannen. Was der zurückweist, bis ihm klar wird, dass Jones‘ Arm bis in die Zelle Davids reicht, und er bei mangelnder Kooperationsbereitschaft seines Altvorderen in tiefster Tinte sitzt.

Jimmy McGovern ist bekannt für genaue soziale Studien

McGovern, hierzulande vor allem bekannt für seine Krimiserien „Für alle Fälle Fitz“ (1993 – 1996) und „Immer wieder Fitz“ (1997/98), steht zu Hause in Großbritannien für superbes Soziales – für seine akribische Auseinandersetzung mit Gesellschaftsschichten und Institutionen, was er in „Reg“ (2016) über das Militär oder „Broken“ (2017) über die Kirche bewies. Hier nun geht es in eine Verwahranstalt, in der die härtesten Jungs sitzen.

Und in die Mark nicht hineinpasst. Denn streng genommen ist er überhaupt kein Verbrecher – er hat einen Unfall mit Todesfolge auf dem Gewissen, weil er zu viel getrunken hatte. „Ich habe einen Mann umgebracht“, erzählt der Neuzugang seinen Mithäftlingen. Er wird von Erinnerungen und Albträumen heimgesucht – jemandem das Leben genommen zu haben, ist für Mark schier unerträglich. Und schon der Beamte, der die Erste-Nacht-Zelle abschließt, sagt: „Ich kannte Bob Warren. Er war ein guter Mann.“ Nicht gut.

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Die alten Häftlinge checken den Neuen umgehend ab

Sofort checken auch die Alteinsitzenden ab, ob Mark ein neuer Alphahäftling zum Kräftemessen respektive Sich-Unterordnen ist oder einer zum Herumschubsen. Schnell wird klar, dass er in Kategorie 2 fällt und als ehemaliger Lehrer so gar nicht gewappnet ist für ein Leben unter komplett gestörten Zeitgenossen, denen jedwede Empathie längst abhandengekommen ist. Er ist der „Großvater“ hier - und in seinen ersten Tagen im Gefängnis kann man unter der Trübsal seiner Miene die blanke Angst erkennen.

Die weiche „Schneeflocke“ in der Hitze des harten Knasts ist ein häufiges Sujet in Kino und Fernsehen – aber wie McGovern es zusammen mit Regisseur Lewis Arnold („Broadchurch“) ausbreitet und wie ihr vorzüglicher Cast die Geschichte mit Leben füllt, ist – man kann es in diesem Fall kaum anders sagen – beängstigend gut.

„Time“ hat einen quasidokumentarischen, nüchternen Stil, hat fahle, trostlos wirkende Farben – vorwiegend grau, blau, grün – und einige Szenen, die wirklich schwer zu ertragen sind. Was hier mit einem Wasserkocher voll brühheißen, gezuckerten Wassers passiert, gehört zu den schrecklichsten Bildern der letzten Jahre (wobei das Detail der Vorstellung des Zuschauers überlassen bleibt).

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Es gibt auch Momente des Glücks in der Welt des Zorns, wenn etwa der Besuch einige der Straftäter für Minuten zu ganz normalen Vätern und Ehemännern macht.

Und das Ende ist überragend. Man sitzt, was nicht oft passiert, völlig aufgelöst vor dem Fernseher.

„Time“, Miniserie, vier Episoden, von Jimmy McGovern, mit Stephen Graham, Sean Bean, Brian McCardie, Aneurin Barnard (streambar bei Magenta TV)

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