43-Jährige spricht über Protestaktion

TV-Journalistin Marina Ovsyannikova: „Ich bin jetzt der Feind Nummer eins“

Die TV-Journalistin Marina Ovsyannikova.

Die TV-Journalistin Marina Ovsyannikova.

Mit ihrem mutigen Antikriegsprotest im russischen Staatsfernsehen sorgt die TV-Redakteurin Marina Ovsyannikova weltweit für Schlagzeilen. In einem Interview mit dem Magazin „Spiegel“ spricht die 43-Jährige jetzt über die Beweggründe und Folgen der Aktion. „Mein Leben hat sich für immer verändert, das begreife ich erst langsam. Ich kann nicht mehr zurück in mein altes Leben“, so Ovsyannikova.

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Zu ihrer Motivation für die Protestaktion sagte Ovsyannikova, sie sei eigentlich keine politische Person, aber ihre Unzufriedenheit habe sich über all die Jahre aufgestaut. „Ich war so geladen, wütend, wollte das mit meinem Protest zum Ausdruck bringen. Ich habe in diesem Moment nicht an solche weitreichenden Konsequenzen gedacht, sie werden mir nun bewusst. Jeden Tag mehr und mehr.“

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Am Sonntag habe sie dann Papier und Stifte gekauft, das Plakat in der Küche gemalt und das Video aufgenommen, das sie nach der Aktion auf Facebook veröffentlichte. „Ich habe mit niemandem in der Familie, Freunden oder Kollegen über meinen Plan gesprochen. Niemand wusste davon, sonst wäre er wohl auch schiefgegangen.“

„Meine Mutter ist immer noch schockiert“

Für ihre Familie sei die Protestaktion ein „schwerer Schlag“ gewesen, sagte sie dem „Spiegel“. „Meine Mutter ist immer noch schockiert, sie ist vollkommen erschöpft. Meinen Sohn trifft das alles sehr, er macht ohnehin in seinem Alter eine schwierige Phase durch. Er hat mir vorgeworfen, dass ich das Leben von uns allen zerstört habe“, so Ovsyannikova.

Vor den drohenden Folgen habe sie große Angst. „Ich bin ja ein Mensch. Es kann alles passieren, ein Autounfall, alles, was die wollen, dessen bin ich mir bewusst.“ Sie habe jetzt aber auch einen Punkt überschritten, an dem es kein Zurück mehr gebe. „Ich kann nun offen und öffentlich so sprechen.“

Auf ihre zukünftigen Pläne angesprochen, sagte Ovsyannikova: „Mein Leben wird ganz anders werden. Ich weiß nicht, was wird. Wer weiß das schon in Kriegszeiten. Planen kann sowieso niemand mehr.“ An die weitreichenden Konsequenzen ihres Handels habe sie nicht gedacht, sie würden ihr nun aber bewusst. „Ich bin jetzt der Feind Nummer eins hier.“

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Das Asylangebot von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wolle sie aber nicht annehmen: „Nein, ich will unser Land nicht verlassen; ich bin Patriotin, mein Sohn ein noch viel größerer. Wir wollen auf keinen Fall weg, nirgendwo hin auswandern.“

Ovsyannikova hatte während der Abendnachrichten am Montag das Studio mit einem Plakat mit der Aufschrift „Kein Krieg“ und „Russen gegen den Krieg“ betreten. Sie war am Folgetag von einem russischen Gericht zur Zahlung einer Geldstrafe verurteilt worden. Ihr droht allerdings weiterhin auch eine Haftstrafe bis zu 15 Jahren.

RND/seb

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