Wird die Ukraine eh „russische Provinz“? Markus Lanz irritiert mit Kapitulations-Frage

Der 24. Februar 2022 sei eine „Zeitenwende“ gewesen, stellte Markus Lanz zu Beginn seines ZDF-Talks am Dienstagabend fest.

Der 24. Februar 2022 sei eine „Zeitenwende“ gewesen, stellte Markus Lanz zu Beginn seines ZDF-Talks am Dienstagabend fest.

Der 24. Februar 2022 sei eine „Zeitenwende“ gewesen, stellte Markus Lanz zu Beginn seines ZDF-Talks am Dienstagabend fest. Was dies eigentlich bedeute, wollte er mit der Politikwissenschaftlerin Daniela Schwarzer, Sabine Fischer von der Stiftung Wissenschaft und Politik, Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der aus Odessa zugeschalteten ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf diskutieren.

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Besonders im Gespräch mit Letzterer war es jedoch ausgerechnet Markus Lanz selbst, der bereits im frühen Verlaufe der Sendung mit einer ungewöhnlichen Einschätzung irritierte. Er behauptete, in Deutschland werde derzeit eine „intensive Debatte“ über eine Kapitulation des ukrainischischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyjs geführt: „Vielleicht könnte eine Exil-Regierung von außerhalb mehr bewirken, als wenn man dieses sinnlose Blutvergießen immer weiter fortsetzt.“ Letztendlich werde die Ukraine ohnehin „eine russische Provinz“ sein, prophezeite Lanz. Eine solche Debatte gebe es in der Ukraine nicht, entgegnete Katrin Eigendorf. „Den Ukrainern geht es nicht darum, über Putin zu siegen“, so die Journalistin. „Sie wollen ihr Land behalten.“

Auch bei Twitter stieß die Einschätzung des Talk-Gastgebers auf breiten Widerspruch. Erinnerte sie viele Beobachter doch frappant an eine Aussage des Philosophen Richard David Precht, die der kürzlich im gemeinsamen Podcast mit Markus Lanz getätigt hatte. Eine „intensive Debatte“ fand über Prechts Einschätzung, die Ukraine sei moralisch verpflichtet, durch Kapitulation das Kriegsleid einzuhegen, jedoch nicht statt, eher schon gab es einhellige Empörung. Lanz‘ ZDF-Kollege Jan Böhmermann twitterte: „Lanz sollte sein Oberstübchen lüften, wenn er länger als 10 Minuten mit Precht in einem Raum war.“

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Söder will Atomkraftwerke „für drei Jahre weiterlaufen lassen“

Eine womöglich geeignetere Möglichkeit, den Krieg zu verkürzen, sehen derzeit viele in einem Importstopp von russischem Öl und Gas. Der aus München zugeschaltete bayerische Ministerpräsident Markus Söder warnte hingegen davor, voreilig ein Embargo zu beschließen. Man müsse alles daran setzen, den „Independence Day“ so bald wie möglich zu erreichen, dafür benötige es jedoch einen Plan, so Söder. Sein Vorschlag: die zum Jahresende geplante Abschaltung der letzten drei Atomkraftwerke zu verschieben. „Wenn wir die noch laufen lassen, dann haben wir für zehn Millionen Haushalte Strom“, beteuerte der CSU-Politiker. „Ich würde es für drei Jahre weiterlaufen lassen, so wie es 75 Prozent der Deutschen im Moment auch empfinden.“

Um diese Versorgung zu ersetzen, seien 3.000 Windräder notwendig, so Söder weiter. Einen solchen Ausbau bekomme man „nicht über Nacht“ hin, weshalb eine „Brückentechnologie“ in Form von Kernenergie nun die beste Lösung sei. Eine Aussage, welcher vor allem der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, vehement widersprach: „Atomenergie ist viel, viel teurer als erneuerbare Energie“, sagte der Ökonom. „Und außerdem haben wir noch immer das Problem, nicht zu wissen, was wir mit dem Atommüll anfangen sollen. Der Ausstieg aus der Atomenergie ist richtig.“

Die Politik habe in den letzten Jahren verschlafen, erneuerbare Energien auszubauen, monierte Fratzscher. Das größte Problem dabei sei die Bürokratie. Der Ökonom erklärte, ein Windkraftwerk zu genehmigen, dauere momentan bis zu sechs Jahre. „Das ist zu viel!“ Nun sei die Ampelkoalition am Zug, diese künstliche auferlegte Hürde zu beseitigen. Markus Söder ließ sich jedoch nicht umstimmen. Er beharrte darauf, dass erneuerbare Energie im Moment deutlich teurer sei als Atomkraft. Er sei „kein Kernenergiefetischist“, doch nun müsse es oberste Priorität sein, von Energieimporten unabhängiger zu werden.

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Top-Ökonom Fratzscher warnt vor Armutswelle: „Da zeichnet sich eine Tragödie ab“

Fratzscher hingegen warnte neben der Knappheit von fossilen Brennstoffen noch vor einem weiteren Problem: „Für mich ist global gesehen die wichtigste Sorge bei den Nahrungsmitteln und beim Dünger“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler. Er erklärte, 28 Prozent der weltweiten Weizenlieferungen stammten derzeit aus Russland und der Ukraine, und auch beim weltweiten Düngerbedarf sei Russland einer der wichtigsten Exporteure.

„Meine Sorge ist: Wir werden weltweit mindestens 200 Millionen Menschen haben, die in die absolute Armut rutschen, weil die Lebensmittelpreise durch die Decke schießen“, lautete Fratzschers erschreckende Analyse. Vor allem die Bevölkerung in wirtschaftlich ohnehin schon schwächeren Ländern sei massiv von dieser Gefahr bedroht. Seine Befürchtung: Würde in Ländern wie Ägypten der Brotpreis nur um 30 Prozent steigen, so werde dies eine landesweite Armutswelle auslösen. „Da zeichnet sich eine Tragödie ab, die uns noch in diesem Jahr bevorstehen wird“, warnte Fratzscher.

RND/Teleschau

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