Bob Dylan geht unter die Whiskey-Produzenten

„Knockin’ on Heaven’s Door“: Den Namen seiner Whiskey-Marke hat Bob Dylan von einem seiner größten Hits abgeleitet.

„Knockin’ on Heaven’s Door“: Den Namen seiner Whiskey-Marke hat Bob Dylan von einem seiner größten Hits abgeleitet.

Hannover. Wie man Whiskey schwarz brennt, hat Bob Dylan mal besungen. "Benutze kein frisches oder faules Holz, der Rauch könnte dich verraten", riet er 1970 auf seinem Album "Self Portrait". Jetzt bringt er unter dem Namen "Heaven's Door" ganz offiziell drei eigene Whiskey-Sorten auf den Markt. Es handelt sich offenbar um edle Tropfen. Der Preis pro Flasche: 60 bis 90 Dollar (50 bis 75 Euro).

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Der Markenname bezieht sich auf einen seiner bekanntesten Songs: „Knockin’ on Heaven’s Door“. „Wir wollten eine Kollektion amerikanischer Whiskeys erschaffen, die auf ganz eigene Weise eine Geschichte erzählt“, sagt der Singer-Songwriter auf der Website der Destillerie, die sich in einer früheren Kirche in Nashville befindet. Er sei weit gereist, habe einige der besten Whiskeys der Welt probieren dürfen, erklärt der 76-Jährige, der seit 1988 auf „Never Ending Tour“ ist. „Das hier ist großartiger Whiskey.“

Der Schweißer aus Minnesota

Dylan wirbt selbst für das Produkt, das er zusammen mit einem Partner verkauft. Bilder zeigen den Musiker und Literaturnobelpreisgewinner mit Schweißgerät in seiner Werkstatt in Los Angeles, wo er Gartentore aus Schrott baut – ein passendes Hobby für jemanden, der in einer an Eisenerz reichen Gegend im Norden Minnesotas aufgewachsen ist. „Man konnte es jeden Tag einatmen und riechen“, erinnert er sich. Die Flaschenetiketten sind von Dylans Schweißarbeiten inspiriert, man erkennt allerlei Alteisen, Silhouetten einer Schaufel, einer Zange, von Zahnrädern und Autoteilen.

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Der Poet mit Schweißermaske ist ein ungewöhnlicher Anblick, denn es gibt sonst kaum private Aufnahmen von ihm. In seine Konzerte lässt er keine Pressefotografen. Schon vor der Nobelpreiszeremonie, die er fernblieb, galt er als Verweigerer. Bei Auftritten macht er keine Ansagen, seine Lightshow ist bloß eine Notbeleuchtung. Häufig mutet er dem Publikum empfindliche Eingriffe in seine Lieder zu. Er verbiegt die Originale. Er gibt weder politische Statements ab, noch bietet er Anti-Vietnam-Nostalgie. Er entspricht schon lange nicht mehr der Sixties-Ikone, an die sich viele erinnern.

Klassensprecher wider Willen für eine ganze Generation

Als Martin Luther King 1963 beim Marsch auf Washington „I have a dream“ rief, stand Dylan nur wenige Meter weiter. Er war gegen seinen Willen der Klassensprecher einer ganzen Generation geworden. Seit damals wehrt er sich gegen die eigene Vergötterung und Vereinnahmung. Er versuchte sich loszureißen, indem er verkündete: „Folgt keinen Führern, beobachtet lieber Parkuhren.“

Der Einstieg ins boomende Whiskey-Geschäft ist die neueste Richtungsänderung in seiner Karriere. Seit mehr als fünf Jahrzehnten stört er immer wieder die Erwartungen seiner Fans, indem er zum Beispiel Werbung macht. In einem Spot für die Modemarke Victoria’s Secret umschnurrte er wie ein Straßenkater ein junges Model in Unterwäsche, während sein Song „Love Sick“ lief. Ihm wird vorher klar gewesen sein, dass die Weltverbessererszene gar nicht darüber lachen, sondern „Ausverkauf!“ schreien würde. Er hat sich sicher amüsiert.

Werbung für Apple, Joghurt und Unterwäsche

Dylan hat auch schon für Apple, Autos und Joghurt geworben. Vermutlich, weil er gerne reich ist. Trotzdem wirkt es skurril, die einstige Stimme der linken Gegenkultur in einer Reklame für IBM zu sehen. Darin unterhielt er sich mit Watson, einem Computerprogramm, das in den USA mal eine Quizshow gegen echte Menschen gewann. „In Ihren Texten geht es hauptsächlich darum, dass die Zeit verrinnt und die Liebe verblüht“, fasst Watson die Arbeit des Musikers zusammen. Dylan, der um die 500 Songs geschrieben hat: „Well, das ist in etwa richtig.“ Vom aktuellen Weltgeschehen scheint er sich abgekoppelt zu haben. Zuletzt nahm er drei Alben mit Sinatra-Schnulzen auf.

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Der Whiskey muss wie eine Holzkonstruktion schmecken

Der Unternehmer Marc Bushala, Dylans Whiskey-Partner, beschreibt das Idol so, wie man es sich vorstellt: als eine Mischung aus Dichter, Steppenwolf und Zausel. Mehrmals habe er Dylan in dessen Werkstatt besucht, um ihn probieren zu lassen, erzählte er der „New York Times“. Die Kommentare des Musikers zum Geschmack des Whiskeys bestanden manchmal nur aus langen Blicken. Einmal sagte Dylan: „Man sollte sich fühlen, als sei man Teil einer Holzkonstruktion.“ Was er wohl meinte? Monate später kehrte Bushala mit einer Probe zurück, die seiner Ansicht nach den „süßen, muffigen Geruch einer Scheune“ in sich trug. Dylan war zufrieden.

Von Mathias Begalke/RND

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