Der Rock'n'Roll ist mausetot

Foto: Die harten Rocker von Karat zeigen sich auf dem neuen Album umweltbewusst.

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Wer früher ein Rockstar sein wollte, also ein richtiger Rockstar, der musste auf kleinste Details achtgeben. Ein Detail war eine mindestens zehn Meter lange Stretchlimousine mit Vollausstattung, also Straußenleder, Champagnerkühlschrank, Komplettverspiegelung, Drogerie, Sternenhimmel, Whiskybar, Autotelefon, Farbfernseher, Pool mit Einmeterbrett, Massageliege, Torwand, „Playboy”-Archiv, drei attraktiven Sekretärinnen, rosa Plüschkissen (bei Lederjackenbands mit „Hello Kutty“), einem Fahrer, der alle total versauten Stellen der Nachkriegs-Rocklyrik auswendig aufsagen kann, und – völlig abgefahren – elektrischen Fensterhebern. Ja, das war die gute alte Zeit.

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Der Weg vom Hotel zur Bühne, und zwar direkt hinters Schlagzeug, legten Rockstars in genau diesen Fahrzeugen zurück, am besten jeder in seinem eigenen Schlitten mit Motorradeskorte vorn und hinten, selbstverständlich so, dass es jeder sieht. Lag das Hotel direkt neben der Bühne – dann erst recht. Und immer schön nach der Devise: je härter die Band, desto weicher die Sitze.

Und wenn der Textstellenexperte am Steuer auf dem Weg vom Hotel zum Backstage zweimal tanken musste, dann war das nicht unökologisch, sondern Rock ’n’ Roll, sondern fünf Minuten mehr Zeit für das konzentrierte Vorprogramm auf dem Liegesitz. Es gibt Musiker, die hätten der Nase nach den Auftrittsort auch in Sichtweite nicht gefunden.

Wenn die wahre Bedeutsamkeit des Rock ’n’ Roll an diesem Beförderungsdetail festzumachen wäre, müsste man heute zu dem Schluss kommen: Der Rock ’n’ Roll ist mausetot. Sting fährt Hybrid, Pete Townshend fährt Transporter, und wer als Singer-Songwriter nicht mit dem Fahrrad und Rucksackgitarre zum Auftrittsort eiert, verliert die Glaubwürdigkeit und muss seine gesamte Gage an Greenpeace spenden und ein freiwilliges soziales Jahr an der Solartankstelle machen.

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Die Band Karat, früher auch mal ein bisschen Rock ’n’ Roll, fährt zu Auftritten heutzutage mit einem Skoda namens Superb. Ein Auto, das jeden Vertreter schmückt, seriös und verlässlich wirkt, ein Gefährt, wie Skoda schreibt, „am oberen Ende der automobilen Mittelklasse“. Mittelklasse. Das ist der Rock ’n’ Roll 2015! Ohne Tankstopp hinters Schlagzeug. Aber nicht mal Platz für das Einmeterbrett.

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