Die Welt ist eine Scheibe (I)

Ein alt gewordenes Elektronikmedium: die DVD.

Ein alt gewordenes Elektronikmedium: die DVD.

20 Jahre DVD – hurra! Oder um es im Baumarktjargon zu sagen: Feiern Sie mit! Wer weiß, vielleicht ist es das letzte Mal. Denn wenn du als Elektronikmedium 20 Jahre auf dem Buckel hast, bist du alt. Sehr alt. Deshalb wollen wir also zu diesem Anlass nichts Schlechtes sagen über die DVD. Sprechen wir heute also über die Videokassette.

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Vielleicht war das Filmbrikett, von dem uns die DVD erlöste, das Unsexieste, was der Heimelektroniksektor je auf den Markt gebracht hat – gemeinsam mit einem Abspielgerät der ersten Generation. Die Maschine zum Anschaffungspreis eines Kleinwagens musste von mindestens zwei kräftigen Möbelpackern bei ausgehängten Türen erst vor und nach kurzer Verschnaufpause in die Wohnzimmerschrankwand gehievt werden, an seinen vorgesehenen Platz auf einer TÜV-abgenommenen tragenden Stahlkonstruktion über dem ähnlich voluminösen Fernsehapparat.

Pionier des zeitversetzten Fernsehens

Wichtig war, möglichst viel Platz über dem Gerät zu lassen, da die Kassette mithilfe einer Art Hebebühne unter baustellenreifem Getöse aus dem Gerät gewuchtet und zur Prozedur des Kassettenwechsels bereit gestellt wurde. Es war ratsam, bei offenem Kassettenfach kleine Haustiere wegzusperren, weil es sonst beim Schließen zu bedauerlichen Unfällen kommen konnte.

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Die Bildqualität der Kassetten ging schon beim ersten Anschauen so deutlich in die Knie, dass auch Actionfilme nach dem zweiten Abspielen optisch wirkten, als ob David Hamilton eine bulgarische Autorenfilmfassung von "Gorillas im Nebel" gedreht hätte. Kontrastarme Naturfilme wie "Grönland – Paradies im Packeis" oder "Die faszinierende Welt der Sandwüsten bei Windstille" oder "Emanuelle, es wird gleich hell" sind nur deshalb nie gedreht worden, weil sie auf Video keine Chance gehabt hätten. Und auf Dauer kein Bild.

Aber um Pionier des zeitversetzten Fernsehens zu sein, war vieles recht. Schließlich konnte man "Dalli Dalli" oder "Ein Kessel Buntes" oder "Der Totenchor der Knochenmänner" statt zur Prime Time jetzt um 3 Uhr nachts gucken. Mit den Kassetten, egal, ob VHS, Betamax oder Video 2000, konnte man auch Bierflaschen öffnen, kleine Handwerksarbeiten verrichten und Tischtennis spielen. Wenigstens etwas.

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