Die Welt ist eine Scheibe (III)

Mit der DVD ging kein Filmmaterial mehr verloren. Die hohe Speicherkapazität machte die Special Features wie Making-of oder Director’s Cut erst möglich.

Mit der DVD ging kein Filmmaterial mehr verloren. Die hohe Speicherkapazität machte die Special Features wie Making-of oder Director’s Cut erst möglich.

20 Jahre DVD! Das heißt auch 20 Jahre Special Features! Oder Extra Features! Oder Bonusmaterial! Oder Nerdfutter! Oder Wasvomdrehenübrigbliebundkeinmenschbraucht! Auf einer Sonderedition im Steelbook, und für 50 Euro extra gibt’s auch noch einen niedlichen Gummi-Gollum dazu. Oder Darth Vader als Flaschenöffner. Für Fans. Und Flens.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die größte Seuche der künstlichen Filmverlängerung ist der sogenannte Audiokommentar. Da sitzen dann Mitwirkende, zum Beispiel ein Regisseur und ein unwichtiger Nebendarsteller, im Off, und tun das gleiche wie man selbst: Sie gucken den Film. Allerdings tun sie das, wofür man im Kino achtkantig rausfliegt: Sie labern ohne Pause, lachen dreckig und verraten das Ende. Vermutlich gucken sie in Wirklichkeit einen viel besseren Film als ihren eigenen und kiffen dabei, ohne das Fenster zu öffnen. Und der Audiokommentarfreund ist glücklich und geht nochmal zum Kühlschrank.

Absolutes Mussnicht

Ein weiteres, absolutes Mussnicht ist das sogenannte Making-of (Erotikbranche: Shaking off). Das Making-of dokumentiert, warum Filme wurden, was sie sind und warum das niemand verhindert hat. Eloquente Monsterdarsteller erzählen in der Halbtotalen glaubhaft, wie sehr sie mit ihren Figuren verwachsen sind. Untertitel verraten, was Jack Nicholson in der Garderobe gerade röchelt. Assistant Hairdresser von Scarlett Johansson referieren über das erfolgreiche Strähnchenkämmen so bedeutungsvoll wie über die Entschlüsselung des menschlichen Genoms. Viele Making-ofs sind länger als die Filme. Manche sind besser. Fragen Sie mal Francis Ford Coppola.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Ein ganz besonderer Leckerbissen im DVD-Spezialprogramm sind die Deleted Scenes, also das, was den unendlichen Film noch einmal um eine halbe Stunde verlängert hätte, wenn nicht ein Produzent der Gnade Mitleid mit dem Publikum gehabt hätte. Hatte kein Produzent Mitleid, heißt die Filmfassung "Director's Cut" und dauert gefühlt bis zum Morgengrauen, egal, wann man mit dem Gucken angefangen hat. Für Schauspieler, die nur in den herausgeschnittenen Szenen vorkommen, gibt es leider noch keinen Oscar, obwohl Christopher Lee einen verdient gehabt hätte.
Textende. Special Features: keine.

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen

 
 
 
 
 
 
 
 
 

Spiele entdecken