Eimer geht noch

Einen Artikel zu reklamieren kann oft unangenehm sein, auch wenn man als Kunde im Rechten ist. Für Kolumnist Imre Grimm klappte es eimer noch.

Einen Artikel zu reklamieren kann oft unangenehm sein, auch wenn man als Kunde im Rechten ist. Für Kolumnist Imre Grimm klappte es eimer noch.

Viele haben jetzt Probleme mit einem Dieselauto. Ich habe Probleme mit einem Eimer. Ich hatte das Gerät für 5,99 Euro in einem bisher unauffälligen Supermarkt erworben und erwog nun die Rückgabe, weil der passende Mob nicht lieferbar war. "Guten Tag", sagte ich, "ich möchte diesen Eimer zurückgeben." Die Dame am sogenannten "Service" sah mich mit toten Augen an und holte ihre Chefin.

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Die Chefin muss irgendwie die Information erhalten haben, da draußen stehe ein Wahnsinniger mit einer Kalaschnikow und plane Unaussprechliches mit weichem Obst. "Sie wollen einen Eimer zurückgeben?", fragte sie tonlos. Sie klang, als wollte ich den Kopf einer seit Jahren vermissten Fleischereifachverkäuferin zurückgeben. Der Kauf sei bereits eine Woche her, bemerkte sie kalt. Was ich denn so lange getrieben hätte.

Ich bin kein Experte für Eimer-Rückgabefristen, aber – eine Woche? Ich habe neulich Gummistiefel von einer Firma erworben, die damit wirbt, dass meine Kindeskinder selbst in Jahrmillionen, wenn die Sonne im Todesreigen zum Roten Riesen aufgebläht sein wird, die verkrauteten Stiefelreste noch zum Kaufpreis zurückgeben dürfen.

"Wollen Sie hier ein Fass aufmachen?"

"Warum haben Sie den Eimer überhaupt gekauft, wenn Sie ihn gar nicht brauchen?", fragte die Großinquisitorin. "Hat er denn Mängel?" Ich überlegte, welche Mängel ein Eimer haben könnte. Ein Loch? Ungezieferbefall? Manipulierte Abgaswerte? "Nein", sagte ich. "Der Eimer geht noch. Er gefällt mir bloß nicht." Donner ertönte. Wolken zogen auf. Von ferne hörte ich das Allegro aus der 10. Sinfonie von Schostakowitsch.

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Plötzlich war mir sehr, sehr kalt. "Ihnen gefällt unser Eimer nicht?" Ich suchte eine politische Lösung. "Was darf man denn bei Ihnen zurückgeben?", fragte ich höflich. "Alles, was defekt ist", sagte die Hüterin der Hölle. "Ich hätte einen Beutel Nektarinen", sagte ich, "die sind defekt." – "Wollen Sie hier ein Fass aufmachen?", fragte sie. – "Nee, nicht Fass – Eimer", sagte ich. Man zahlte mit Todesverachtung. Volkswagen, holt euch die Frau! Sie spart euch bares Geld. Schönes Wochenende!

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