Ein Jahr nach der Amokfahrt von Trier: Opfer kommen nicht zur Ruhe

2. Dezember 2020: Vor der Porta Nigra in Trier haben Menschen zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt aufgestellt.

2. Dezember 2020: Vor der Porta Nigra in Trier haben Menschen zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt aufgestellt.

Trier. Die Opfer der Amokfahrt in Trier vom 1. Dezember 2020 finden nach Aussage der Trauma-Expertin Sybille Jatzko noch keine Ruhe. Es sei der derzeit vor dem Landgericht Trier laufende Prozess gegen den mutmaßlichen Amokfahrer, der „sehr viel Wut und sehr viel Ärger“ auslöse, sagte Jatzko der Deutschen Presse-Agentur. Vor allem, weil der angeklagte 52-Jährige keine Angaben mache und keinerlei Anzeichen von Reue zeige. „Die ganze Zeit ist sehr belastend und lässt die Menschen nicht zur Ruhe kommen“, sagte Jatzko, die mit ihrer Stiftung „Katastrophen Nachsorge“ Angehörige, Betroffene und Traumatisierte in Trier begleitet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Besonders schlimm wird es nach Einschätzung von Jatzko für die Betroffenen, wenn demnächst Augenzeugen vor Gericht Auszüge der Amokfahrt beschreiben werden. „Es kann bei einigen dann zur Reaktivierung der traumatischen Symptome kommen: Das heißt Bilder, die durch die Traumatisierung separat abgespeichert wurden, kommen wieder hoch.“ Helfer müssten den Betroffenen dann gezielt zur Seite stehen.

Bei der Amokfahrt in Trier waren fünf Menschen getötet worden. Zudem wurden viele Menschen verletzt. Ein Mann war mit seinem Geländewagen durch die Fußgängerzone gerast und hatte gezielt Menschen angefahren. Als mutmaßlicher Täter steht seit dem 19. August der 52-Jährige vor dem Landgericht Trier. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Gottesdienst am 1. Dezember

Die gemeinsame Teilnahme an der Gedenkveranstaltung am Jahrestag der Amokfahrt stütze Opfer und Hinterbliebene, weil sie sich regelmäßig treffen und inzwischen zu einer „Schicksalsgemeinschaft“ geworden seien. Sie kennen sich: „Das bedeutet ein Aufgehobensein, ein Sich-nicht-so-alleine-Fühlen und den Schmerz teilen“, sagte die Psychotherapeutin aus Krickenbach bei Kaiserslautern.

Der Gedenktag sei aber für alle in der Stadt Trier wichtig, sagte die Expertin. Für die, die etwas gesehen haben. Und für die, die „das Gedenken in Solidarität wahrnehmen wollen“. Das Gemeinsame sei an diesem Tag wichtig. Am 1. Dezember wird es einen Gottesdienst im Trierer Dom geben, der zur damaligen Tatzeit um 13.46 Uhr mit Glockengeläut beginnt. Am Abend ist ein Konzert im Dom geplant.

Jatzko ging davon aus, dass nach dem Prozess „mehr Ruhe in die Schicksalsgemeinschaft“ einkehren werde. „Dann kann man sich auch mehr fokussieren auf Hilfen, die dann noch nötig sind.“ Der Prozess ist derzeit bis Ende Januar 2022 terminiert.

Es wird laut Jatzko zeitnah ein nächstes Opfertreffen geben. Da werde man sich weiter Gedanken über eine künftige Gedenkstätte machen. Und überlegen, in welcher Form man sich an der Gedenkfeier beteiligen möchte.

RND/dpa

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen