Fall aus den USA

Wegen Intimfotos seines Sohnes für den Arzt: Google meldet Mann als möglichen Missbrauchstäter

Das Google-Logo auf einem Smartphone (Symbolbild).

Das Google-Logo auf einem Smartphone (Symbolbild).

Um kinder­pornografische Aufnahmen zu erkennen, nutzen Cloudanbieter wie Google verschiedene technische Systeme, die die von Nutzerinnen und Nutzern gemachten Fotos und Videos automatisiert auf bedenkliches Material untersuchen. Welche Folgen das haben kann, musste jetzt ein Mann aus Kalifornien feststellen: Weil er für eine Vorabdiagnose eines Arztes Fotos vom Genitalbereich seines kranken Sohnes machte, wurde nicht nur sein Google-Account dauerhaft gesperrt, er geriet auch ins Visier polizeilicher Ermittlungen, berichtet die „New York Times“.

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Den Angaben zufolge bemerkten die Eltern des kleinen Jungen im Februar 2021 eine Schwellung im Genitalbereich ihres Sohnes. Bei einer ersten telefonischen Kontaktierung ihres Arztes wurden sie gebeten, vorab Fotos der betroffenen Leistengegend zur Verfügung zu stellen. Das Paar machte daraufhin mehrere Aufnahmen, auf einer davon ist auch die Hand des Mannes zu sehen. Der Arzt verschrieb Antibiotika, die Schwellung ging schnell zurück.

Polizei sichtete sämtliche Aufnahmen und Nachrichten des Mannes

Allerdings wurden die besagten Fotos, die das Paar mit dem Android-Handy des Mannes gemacht hatte, automatisiert mit Google synchronisiert und in die Cloud hochgeladen. Eine spezielle Software des Technologie­konzerns erkannte die Aufnahmen als vermeintlich „schädlichen Inhalt“, der „ein schwer­wiegender Verstoß gegen die Richtlinien von Google und möglicherweise illegal“ sei, berichtet die Zeitung. Zwei Tage später wurde der Google-Account des Mannes gesperrt, er verlor den Zugriff auf seinen E-Mail-Account, sämtliche Fotos und Kontakte und auch seine Handynummer – seinen Mobilfunkvertrag hatte er bei einem Google-Mobilfunkdienst abgeschlossen. Einen Einspruch gegen die Sperrung, in dem er den Fall detailliert erläuterte, lehnte Google dem Bericht zufolge ohne Begründung ab.

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Was der Mann zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Google hatte auch die Polizei über die vermeintlich kinderpornografischen Aufnahmen informiert, es folgten monatelange Ermittlungen, bei denen die Polizei von San Francisco sämtliche bei Google gespeicherten Aufnahmen, Dokumente, Nachrichten, Suchabfragen und Standorte sichtete. Davon erfuhr der Betroffene allerdings erst Monate später, im Dezember 2021, durch eine schriftliche Mitteilung der Polizei. Der Verdacht habe sich allerdings nicht erhärtet, die Ermittlungen seien eingestellt worden.

„Sie scannen mein Familienalbum, und dann bekomme ich Ärger“

Datenschutzexperten und ‑expertinnen vermuten, dass Fälle wie der des Vaters aus San Francisco nur die Spitze des Eisbergs sind. „Es könnte Hunderte, Tausende mehr geben“, sagte Jon Callas von der Nicht­regierungs­organisation Electronic Frontier Foundation, die sich für Grundrechte im Informations­zeitalter einsetzt, der „New York Times“. Aufgrund der Schwere der Anschuldigungen würden viele Betroffene die Fälle nicht öffentlich machen, vermutet er. „Aber das ist genau der Albtraum, der uns alle beschäftigt“, sagte Callas. „Sie scannen mein Familienalbum, und dann bekomme ich Ärger.“

Nachdem er von der Einstellung der Ermittlungen gegen ihn erfahren hatte, legte der Betroffene aus San Francisco noch einmal Beschwerde bei Google gegen die Sperrung ein, wie er der „New York Times“ sagte – ohne Erfolg. Vor zwei Monaten erhielt er schließlich eine Mitteilung, dass sein Account – und damit auch sämtliche Fotos und Videos der vergangenen zehn Jahre – dauerhaft gelöscht worden sei.

RND/seb

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