Internationales Interesse

„Hälfte der Weltbevölkerung“ könnte Queen-Beisetzung verfolgen

Die Mitteilung über den Tod von Queen Elizabeth II im südkoreanischen TV.

Die Mitteilung über den Tod von Queen Elizabeth II im südkoreanischen TV.

Hamburg, Bielefeld. Aus Sicht des Sozialforschers Marcel Schütz steht mit der Beisetzung von Königin Elizabeth II. das größte mediale Ereignis aller Zeiten bevor. „Experten rechnen damit, dass am Montag mehr als 4,1 Milliarden Menschen einschalten, mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung“, sagte der Professor für Organisation und Management von der Northern Business School Hamburg dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Der Mythos Elizabeth II. wird jetzt nicht geboren, er wird vollendet. Mehr Weltbühne geht nicht.“

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+++ Die Queen ist tot  alle Entwicklungen im Newsblog +++

Die weltweite Anteilnahme werde durch gegenwärtige Krisen womöglich noch befördert. „Erst Seuche, dann Krieg, und jetzt stirbt noch die Queen - so denkt manch einer spontan“, sagte der Wissenschaftler, der bis zu seiner Berufung an die Business School Hamburg Anfang September Lehrbeauftragter an der Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld war.

Queen präsentierte „stabilere Vergangenheit“

Hinzu kommen laut Schütz wirtschaftliche Verwerfungen und, im Vereinigten Königreich, politische Instabilität. „Vor diesem Hintergrund ist der Tod von Elizabeth II. eine Abwechslung, etwas Vertrautes aus alten Zeiten, das nichts mit Politik, Energiekosten und Beschränkungen zu tun hat.“ Als Jahrhundertfigur des 20. Jahrhunderts habe die Queen für die Briten, aber auch für viele Deutsche, die Verbindung zu einer scheinbar stabileren Vergangenheit repräsentiert. „Daher haben viele das Gefühl, dass mit ihr eine Ära endet.“

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Die Faszination der britischen Monarchie rühre auch daher, dass sie im Grunde ein Anachronismus sei. „Der Reiz von Institutionen liegt überhaupt darin, dass sie immer etwas aus der Zeit Gefallenes, etwas Überzeitliches an sich haben“, erklärte Schütz. Ähnlich verhalte es sich mit der Kirche, deren Rituale ebenso für Kontinuität und Tradition stünden wie die der Monarchie. „Ein größerer Kontrast zum hektischen, nervigen und stressigen politischen Tagesgeschäft ist kaum denkbar.“

Zudem überzeugten die westlichen Monarchien heute durch ihre Popularität beim Volk. „Das ist eine durchaus ironische Pointe der Geschichte. Denn traditionell stützt sich die Monarchie ja auf Gottes Gnade“, sagte Schütz. Dadurch, dass sich Könige und Königinnen als Personen beliebt machten, hätten sie das Kunststück fertiggebracht, die Monarchie in der liberalen Demokratie zu festigen. „Ob Carl Gustaf in Schweden, Margarethe in Dänemark oder eben Elizabeth II.: Die Monarchen sind Volkslieblinge.“

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Der Andrang zum Abschied am Sarg von Queen Elizabeth II. reißt nicht ab. Tausende Trauernde harrten entlang der Themse in London über mehrere Kilometer aus.

„Soft Power“ der Königshäuser

Tatsächlich übernähmen die Königshäuser eine Funktion für ihre Gesellschaften. Statt exekutiver oder legislativer Macht komme ihnen sogenannte „Soft Power“ zu. „Diese weiche Macht ist im historischen und kulturellen Kapital sowie in den Netzwerken begründet, welche die Monarchien besitzen und pflegen“, erklärte Schütz. Diese Macht nutzten sie, um zu Kunst, Wissenschaft, Kirchen, mildtätigen Organisationen und anderen Institutionen Verbindung zu halten. Je besser sie diese Rolle als integrierende Instanz wahrnehmen, desto mehr würden sie als gesellschaftstragend wahrgenommen. Die Queen habe darüber hinaus als Identifikationsfigur bei den Menschen gepunktet.

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RND/epd

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