Im Treppenhaus

Das Treppenhaus, der unterschätzte Ort für Aufsteiger: Probieren Sie es doch selbst einmal aus.

Das Treppenhaus, der unterschätzte Ort für Aufsteiger: Probieren Sie es doch selbst einmal aus.

Ich war jetzt mal im Treppenhaus. Ich bin nicht so oft im Treppenhaus. Wir haben einen Fahrstuhl. "Watzefack!?", dachte ich, "es ist ganz schön im Treppenhaus!" Ich war allein. Das Treppenhaus war leerer als die Blase eines Kamels. Kennen Sie das Gefühl, wenn man den Pullover nicht über den Kopf bekommt und denkt: "Eigentlich ganz schön hier drin, so warm und friedlich"? So war das im Treppenhaus.

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Ringsherum in der Redaktion summte und brummte der Nachrichtenbetrieb. Im Treppenhaus summte und brummte nur ich, wegen der Stufen. Wenn man (aus Gründen) stehenblieb und "huh!" machte, konnte man das Echo hören. Ich hab’s mit dem alten Witz versucht und "Hallo Treppenhaus!" gerufen, aber es hat nicht "Hallo, Imre!" geantwortet, sondern so was wie "EPPENHA..."

Fahrstühle sind Orte des Argwohns

Irgendwann waren von oben Schritte zu hören. Sie hallten wider wie in einem Schwarzweißkrimi von 1946. Es kamen dann aber doch nicht Lauren Bacall oder wenigstens Humphrey Bogart herunter, sondern ein Mann, den ich noch nie gesehen hatte. Ich fragte mich, was er wohl gedacht hatte, als er mich "Hallo Treppenhaus!" hatte rufen hören. Wir nickten uns so aufwandslos wie möglich zu und wollten uns gegenseitig für überbezahlt und unterbeschäftigt halten.

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Das Seltsame war: Es ging nicht. Bürotreppenhäuser müssen ein anderes Energie-Transformations-Schwingungs-Chakra haben als Fahrstühle. Fahrstühle sind Orte des Argwohns, vollgestopft mit verletzten Auren und sich überlappenden Intimsphären. In Fahrstühlen ist es einfach, unbekannte Mitgeschöpfe abzulehnen, vor allem, wenn sie mit dem Rücken aus Versehen gegen alle Knöpfe kommen, die Dösbaddel. Treppenhäuser sind Orte der Solidarität. Wer hier keucht, spricht die schwere Sprache der Körperertüchtigung. Man müsste komplette G-20-Gipfel in Treppenhäuser verlegen. Der Mann und ich sahen uns an und waren Brüder.

Von Treppen und Menschen

Es gibt eine echte Wissenschaft, die sich mit der Wirkung von Treppen auf Menschen befasst: die Scalalogie. Treppenkundler – ein Beruf mit Aufstiegschancen! Leider vergriffen ist Band sieben der Reihe "Schriften zur Scalalogie" mit dem Titel "Treppen in Ingolstadt". Zitat: "Erstaunlich, dass in der kunstwissenschaftlichen Literatur die Treppen häufig unerwähnt bleiben." Sehr richtig! Und das Geländer erst! Mehr dazu im Institut für Geländerologie in Hamburg-Treppendorf. Achtung: Kein Aufzug vorhanden. Schönes Wochenende!

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