Lady Gaga halb und halb

Eklig oder appetitlich? Das liegt im Auge des Betrachters.

Eklig oder appetitlich? Das liegt im Auge des Betrachters.

Morgens aus dem Haus, etwas eilig, nichts gefrühstückt, am Supermarkt vorbei – stopp. Was war das? Fleisch? Ja. Tatsächlich. Rohes Fleisch. Auf einem Teller. Zum Sonderpreis.

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250 Gramm, 1 Euro. Halb und halb. Hack und Hack. Sich der grundsätzlichen Abscheulichkeit des angebotenen Produkts bewusst, hat der Plakatgestalter noch ein Stück Limette oder etwas so ähnlich Aussehendes oben auf den Fleischberg gelegt. Um Frische zu signalisieren oder zu retten, was zu retten ist. Oder um dem Vegetarier zu zeigen: Wir haben dich nicht ganz vergessen. Aber: Ein Fleischberg bleibt ein Fleischberg, auch wenn eine Limette draufliegt.

Und der Endpreis von einem Euro macht einen stutzig. Aber wenn ein Plakat stutzig macht, hält es auf. Das soll ein Plakat. Wenn man sich darüber hinaus morgens, ohne Frühstück und in Eile, die Zeit nimmt, vor einem Fleischplakat zu stehen und hochzurechnen, was ein halbes Schwein und ein halbes Rind bei einem zugrundeliegenden Kilopreis von viermal einem Euro insgesamt kosten würden, und zu dem Schluss kommt, dass sich diese Nutztiere in Teilen unter Wert verkaufen, dann hat das Plakat seinen Zweck erneut erfüllt.

Kurzer Gegencheck nebenan: Fanta, 1 Liter, auch 1 Euro. Wer würde vor diesem Plakat stehen bleiben? Niemand! Schon beim Lesen vergessen.
Ein Teller rohes Fleisch hingegen regt die Fantasie an. In welche Richtung auch immer. Man denkt ein bisschen an Gunther von Hagens' "Körperwelten" und man geht die Möglichkeiten durch, 250 Gramm Halbhalbhickhack bei einem Fotoshooting ansprechender darzustellen.

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Natürlich haben es ein Viertelkilo Weintrauben, fünf Äpfel oder knallig rote Strauchtomaten auf einem Plakat leichter. Aber das Mettbrötchen hat gezeigt, dass man auch als unbehandeltes, durchgedrehtes Teiltiergericht eine gewisse Karriere hinlegen kann, wenn der Kontext stimmt.

Vielleicht kann das Fernsehen helfen. Germany’s next Topfmodel. Oder Deutschland sucht das Superhack. An Lady Gaga würde ein eng geschnittenes Hackkleid seine Wirkung nicht verfehlen. Vielleicht sollte der Supermarkt drüber nachdenken. Da würde man für 250 Gramm auch mal einsfuffzich zahlen.

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