Durch Experten für Gesichtserkennung

Der britische Lord und das tote Kindermädchen: Aufklärung nach fast 50 Jahren?

John Bingham und Veronica Mary Duncan geben ihre Verlobung bekannt.

John Bingham und Veronica Mary Duncan geben ihre Verlobung bekannt.

Der berüchtigte britische Adelige Lord Lucan, der vor fast 50 Jahren das Kindermädchen seiner Familie ermordet haben soll und danach geflüchtet ist, könnte noch am Leben sein. Ein Experte für Gesichtserkennung glaubt, den Mörder, der inzwischen 87 Jahre alt wäre, in Australien entdeckt zu haben.

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Das Verschwinden des Aristokraten und der Mord am Kindermädchen der adligen Familie ist eines der berühmtesten ungelösten Rätsel Großbritanniens. Der Fall spielte sich am 7. November 1974 im Haus der Familie im Londoner Nobelviertel Belgravia ab. Dort wurde Sandra Rivett, die sich als Nanny um die drei Kinder der Familie kümmerte, ermordet aufgefunden. Die junge Frau war brutal mit einem Bleirohr erschlagen worden. Auch die Mutter der Kinder wurde angegriffen. Sie überlebte jedoch und identifizierte später ihren Ehemann, von dem sie getrennt lebte, als ihren Angreifer.

Selbstmord oder Flucht

Besagter Ehemann war eine prominente Gestalt im London der 1970er-Jahre. Richard John Bingham – der siebte Earl of Lucan, besser bekannt als Lord Lucan – war ein gutaussehender, recht charismatischer Aristokrat, der zeitweise sogar als James-Bond-Darsteller im Gespräch war.

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Lord Lucan verschwand am Tag nach dem Mord. Was genau mit ihm passierte, konnte bis heute nicht geklärt werden. Einige glauben, dass er sich im Ärmelkanal ertränkt hat, doch eine Leiche wurde nie gefunden. Auch Gerüchte, wonach er in den Jahren nach dem Verbrechen in Afrika, Neuseeland oder Portugal gesichtet worden sein soll, konnten nie bestätigt werden. Inzwischen ist fast ein halbes Jahrhundert vergangen, ohne dass das Rätsel gelöst werden konnte.

Kaum Zweifel am Täter

Dass Lord Lucan tatsächlich für den Mord an dem Kindermädchen verantwortlich war, daran wird kaum gezweifelt. Ein Gericht kam bereits 1975 zu dem Schluss. In seinem Auto waren Blutspuren und ein Bleirohr gefunden worden. Vermutet wird, dass er die Nanny mit seiner Frau verwechselt hat, mit der er sich damals erbittert um das Sorgerecht seiner Kinder stritt. 1999 wurde der Lord für tot erklärt, 2016 wurde eine Sterbeurkunde ausgestellt. Letzteres ermöglichte es seinem Sohn, den Familientitel zu erben.

Neil Berriman, der Sohn des ermordeten Kindermädchens Sandra Rivett, will den Mörder seiner Mutter finden.

Neil Berriman, der Sohn des ermordeten Kindermädchens Sandra Rivett, will den Mörder seiner Mutter finden.

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Sollte Lord Lucan noch am Leben sein, wäre er inzwischen 87 Jahre alt. Neil Berriman, der Sohn der ermordeten Sandra Rivett, glaubt seit mehreren Jahren, dass Lord Lucan in Australien lebt. Das australische Medium News.com.au schreibt, dass es sich bei dem Mann, den Berriman verdächtigt, um einen buddhistischen Mönch handelt, der in einem Ort außerhalb von Brisbane lebt. Berriman selbst war nach seiner Geburt zur Adoption freigegeben worden und erfuhr erst als Erwachsener, dass Sandra Rivett seine Mutter war.

Sohn des Opfers sucht nach Gerechtigkeit

Seine Mission ist es seitdem, „die Erinnerung an meine Mutter lebendig zu halten und Gerechtigkeit zu suchen“, wie er auf seiner Webseite schreibt. „Sie ist nicht ‚nur das Kindermädchen‘, sie ist das Opfer eines Gewaltverbrechens, das zweitrangig wurde, weil ihr Mörder ein Lord war, ein Lord, der beschützt wurde und der mit Hilfe seiner reichen und mächtigen Freunde ins Ausland verschwand, anstatt sich dem Gesetz zu stellen.“

Viel Glauben wurde dem Sohn der ermordeten Rivett bisher nicht geschenkt. Doch nun hat Berriman Fotos des 87-Jährigen von dem Informatikprofessor und prominenten Experten für Gesichtserkennung, Hassan Ugail, untersuchen lassen. Ugail hat laut einer Pressemitteilung der University of Bradford in Großbritannien drei Fotos des mysteriösen Australiers mit vier historischen Bildern des vermissten Aristokraten abgeglichen. „Laut dem Computeralgorithmus, der auf Tausenden von Experimenten basiert, sind diese Bilder von demselben Individuum oder jemandem, der ihm sehr ähnlich sieht – wie eineiige Zwillinge“, erklärte Ugail.

John Bingham, später der 7. Earl of Lucan, und Veronica Mary Duncan geben ihre Verlobung bekannt, Großbritannien, 14. Oktober 1963. Er verschwand im November 1974, nachdem das Kindermädchen ihrer Kinder ermordet im Haus ihrer Familie aufgefunden wurde.

John Bingham, später der 7. Earl of Lucan, und Veronica Mary Duncan geben ihre Verlobung bekannt, Großbritannien, 14. Oktober 1963. Er verschwand im November 1974, nachdem das Kindermädchen ihrer Kinder ermordet im Haus ihrer Familie aufgefunden wurde.

Technologie bereits bei hochkarätigen Fällen im Einsatz

Der Computeralgorithmus der Universität misst die Ähnlichkeit zwischen zwei Fotos: Ein Ähnlichkeitsindex von mehr als 75 Prozent zwischen zwei Fotos bestätigt, dass es sich um dieselbe Person oder jemanden handelt, der genau wie sie aussieht. Bei allen von Berriman zur Verfügung gestellten Bildern, die der Professor analysierte, lag der Ähnlichkeitsindex bei mehr als 75 Prozent und in den meisten Fällen bei mehr als 80 Prozent.

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Die Auswertung beruhe auf mathematischen Fakten, sagte der Professor. „Den Algorithmus kann man nicht betrügen“, meinte er. „Die Art und Weise, wie ein Mensch ein Gesicht betrachtet, unterscheidet sich sehr von der Art und Weise, wie ein Computer ein Gesicht betrachtet“, erklärte der Experte. Menschen würden Objekte wie Gesichter in drei Dimensionen sehen, während ein Computer sie in Tausenden von Dimensionen sehen würde. Ugail hat sein

e Technologie bereits in mehreren hochkarätigen Fällen zum Einsatz gebracht: Er half bei der Aufklärung der Vergiftungen von Salisbury sowie bei der Identifizierung von Verdächtigen im Fall des vermissten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi.

Inselbewohner gewinnen Klimaklage gegen Australien

Laut dem UN-Ausschuss für Menschenrechte hat Australien die Bewohner der Torres-Strait-Inseln nicht ausreichend vor den Folgen des Klimawandels geschützt.

Laut eines Berichts der britischen Zeitung „Daily Mirror“ kam eine auf Gesichtserkennung spezialisierte US-Firma, die ähnliche Tests durchführte wie der Professor der britischen Universität, zu demselben Ergebnis. Doch die australischen Pfleger des 87-Jährigen streiten laut News.com.au ab, dass es sich bei dem Rentner tatsächlich um Lord Lucan handelt.

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