Luxus statt Wellensittiche: Pariser Traditionskaufhaus La Samaritaine öffnet wieder

Nach jahrelangen Bauarbeiten eröffnet das Traditionskaufhaus La Samaritaine an der Brücke Pont Neuf am Mittwoch wieder.

Nach jahrelangen Bauarbeiten eröffnet das Traditionskaufhaus La Samaritaine an der Brücke Pont Neuf am Mittwoch wieder.

Paris. Die Pariser hatten sich längst an diese riesige Baustelle mitten in der Stadt gewöhnt, die in den ersten Jahren mehrmals stillstand – immer dann, wenn Verfechter des Kulturerbes gerichtlich gegen die Bau- oder Abrisspläne vorgingen. Auch begannen die Erinnerungen an Einkäufe im Kaufhaus La Samaritaine, einem der Grands Magasins der französischen Hauptstadt neben den Galeries Lafayette und dem Printemps, zunehmend zu verblassen. Seit 15 Jahren war das Traditionshaus geschlossen – bis heute um 10 Uhr, wenn La Samaritaine wieder seine Türen für Kunden öffnet.

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Präsident Emmanuel Macron, die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns LVMH (Louis Vuitton Moët Hennessy), dem das Gebäude seit 2001 gehört, weihten es vorab ein. Sie hoffen, dass der neue Luxustempel die Pariser nach monatelangen Ausgangsbeschränkungen wieder zum Konsum anregt und auch Touristen lockt. Deren Ausbleiben infolge der Coronavirus-Pandemie hatte den Hoteliers, Gastronomen und Geschäftsleuten in der meistbesuchten Stadt der Welt stark zugesetzt.

Emmanuel Macron und Bernard Arnault bei einer Zeremonie zur Wiedereröffnung des umgebauten Pariser Luxuskaufhauses La Samaritaine.

Emmanuel Macron und Bernard Arnault bei einer Zeremonie zur Wiedereröffnung des umgebauten Pariser Luxuskaufhauses La Samaritaine.

Treppe mit 16.000 Goldblättchen

750 Millionen Euro verschlangen die Renovierungsarbeiten, die sich aufgrund mehrerer Baustopps hinzogen. Bei Gegnern des Projektes war vor allem die moderne Glasfassade des Gebäudes an der Rue de Rivoli umstritten, die mit dem ursprünglichen Stil brach und von der japanischen Agentur Sanaa gestaltet wurde. Sie zeichnet auch verantwortlich für die prachtvoll mit 16.000 Goldblättchen verzierte Treppe an einem der Eingänge.

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Handelt es sich bei La Samaritaine um ein historisches Kaufhaus, sind nun nur noch 20.000 der insgesamt 70.000 Quadratmeter als Verkaufsfläche vorgesehen. Hier können mehr als 600 Marken ihre Ware anbieten – viele sind international, doch liegt den Verantwortlichen zufolge der Schwerpunkt auf der „Pariser Eleganz“.

Ansonsten befinden sich in dem mehrstöckigen Gebäudekomplex Büroräume, ab September ein Luxushotel namens Cheval-Blanc Paris (benannt nach einem berühmten Weingut in der Bordeaux-Region, das ebenfalls zu Bernard Arnaults Besitztümern gehört), Europas größter Beautybereich mitsamt Spa, zwölf hochpreisige Restaurants, aber auch eine Kinderkrippe und 96 Sozialwohnungen – sie stehen im eigenartigen Kontrast zu den übrigen Angeboten, die sich an eine kaufkräftige Klientel richten.

Viele Luxusmarken haben Geschäfte im La Samaritaine.

Viele Luxusmarken haben Geschäfte im La Samaritaine.

Ein Luxushotel und 96 Sozialwohnungen

„Man findet alles in La Samaritaine“ – der historische Slogan trifft heute nicht mehr zu. Er stammte aus der Zeit des Gründers Ernest Cognacq, der hier am Pont Neuf, der ältesten Pariser Brücke mit dem Namen „neue Brücke“, ab 1870 einen Gemischtwarenladen eröffnet hatte. Dieser florierte vor allem seit der Heirat zwei Jahre später mit Marie-Louise Jaÿ, der ersten Konfektionsverkäuferin im Pariser Kaufhaus „Bon Marché“. Mit den Jahren wurde das Kaufhaus ständig vergrößert und erweitert – kaufen konnte man hier irgendwann tatsächlich fast alles, vom Wellensittich bis zum Heimwerkermaterial.

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Der Architekt Frantz Jourdain gestaltete den charakteristischen Komplex mit seiner metallischen Struktur und Elementen aus dem Art Déco und Jugendstil. Der Name La Samaritaine stammt vom ursprünglichen Zweck des Gebäudes, in dem sich eine Pumpe zur Wasserversorgung des Viertels um den Louvre und den Tuilerien-Garten befand: Eine Skulptur zeigte eine Bibelszene, in der eine Samariterin (französisch „samaritaine“) Jesus Wasser anbot.

Nach dem Tod des Gründerehepaars, das auch ein Kunstmuseum und eine wohltätige Stiftung gründete, ging es weiter mit dem Kaufhaus, einem der beliebtesten der Stadt. Erst in den 70er Jahren, parallel zum Abriss der Pariser Markthallen in unmittelbarer Nähe, begann dessen langsamer Niedergang – bis Arnault das Gebäude kaufte und ihm nun zu neuem Leben verhalf. Es ist freilich nicht mehr dasselbe wie zu den Zeiten von Ernest Cognacq.

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