Nur noch eine Folge

Die intrigante Seite der Politik: Kevin Spacey als Frank Underwood in der US-Kultserie "House of Cards".

Die intrigante Seite der Politik: Kevin Spacey als Frank Underwood in der US-Kultserie "House of Cards".

Es ist wieder passiert. Ich wollte das nicht. Nie wieder, habe ich gesagt. Die Familie. Der Job. Die Selbstachtung. Aber dann kam die dritte Staffel von "House of Cards", und das Böse war stärker. Und als ich wieder auftauchte, war Mittwoch oder Donnerstag oder September, und Griechenland war nicht mehr in den Nachrichten. Nur noch eine Folge, habe ich gesagt, immer und immer wieder. Aber ich habe mich ausgetrickst.

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Wenn Kevin Spacey in den nächsten zehn Minuten lächelt, darfst du weitergucken, habe ich gesagt. Und wenn er nicht lächelt, auch. Sie werden mich hier finden, auf dem Sofa final stagniert, die Fernbedienung in meinen toten, kalten Händen. Ja, man könnte mal wieder rausgehen. Man könnte aber auch einen Doppelmord begehen. Das gleicht sich aus.

Fünf Stunden "Lohengrin" – da lachen wir!

Irgendwann wird jemand ausrechnen müssen, was Netflix dem Bruttosozialprodukt angetan hat. Das ist doch Wahnsinn: Sie geben den Süchtigen selbst die Kontrolle über die Dosis ihrer Droge. Jeder Streetworker weiß, was das bedeutet. Und dann auch noch mit eingebauter Entschuldigung ("Hallo? Das ist Qualitätsfernsehen! Kultur, weißte? Wie Oper, nur mit Chips!") Die bisherigen Ausdauerleistungen im Entertainment sind ja auch jämmerlich: Fünf Stunden "Lohengrin" in Bayreuth? Da lachen wir. Kurz und heftig. Alles, was man ohne Streichhölzer zwischen den Lidern schafft, ist Kinderkram. Man kann eben nicht schnell fernsehen. Man kann ja auch nicht schnell wohnen.

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Was Babys bisher exklusiv fordern – die sofortige, umfängliche Befriedigung sämtlicher Bedürfnisse –, ist zum Industriestandard geworden. Instant Video. Echtzeit-News. Download sofort. Alle Folgen am Stück. (Wobei 60 Prozent der Netflix-Nutzung natürlich dafür draufgehen zu gucken, ob es nicht vielleicht NOCH ’NE GEILERE SERIE GIBT.)

Das Konzept Vorfreude ist ein Auslaufmodell. Es wird Nachgeborenen einst so fremd sein wie Rechenschieber, Trockenshampoo und Persiko. Die Zukunft gehört dem "Binge Watching". Was viele nicht wissen: Der Fachausdruck kommt vom deutschen "Binsch denn verrückt?" und bedeutet übersetzt genau das. Schönes Wochenende!

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