Schwer zu erreichen

Was sie nicht gesagt haben: dass wir inzwischen vor jeder Nachricht an einen Freund grübeln müssen, ob der feine Herr wohl am liebsten per SMS, Whatsapp, Threema, Twitter, Facebook-Messenger, Telegram, Skype, Hyke, Viber, Touch, Line, Brieftaube, Rauchzeichen oder reitendem Boten kommuniziert. Zusätzlich hat jeder sieben verschiedene Mailadressen ("Ach die? Die gilt doch schon seit Juli nicht mehr!") und drei Handynummern ("Hast du meine neue? Hab ich doch per Threema verschickt!"). Manche meiner Freunde sind schwerer zu erreichen als Kim Jong Un.

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Und nicht, dass sich mal zwei Mitglieder eines Soziotops auf einen Messenger einigen könnten. Nicht doch! Es gibt mehr SMS-Alternativen als Ex-Frauen von Lothar Matthäus. Die sicherste Methode, um Menschen im Digitalzeitalter zu erreichen, ist, ihnen morgens an der Haustür aufzulauern. Wie so‘n Vollstreckungsbeamter. Das ist der Grund, warum die Menschheit inzwischen mit Smileys und Herzchen um sich schießt wie mit dem Schrotgewehr: Irgendwas wird schon treffen.

Whatsapp habe ich mich lange verweigert. Nicht, weil der Laden inzwischen Mark Zuckerberg gehört, dem digitalen Voldemort. Sondern, weil der Name so erbärmlich ist. An dem Tag, an dem ich öffentlich sage, ich hätte "gewottsäppt", möchte ich erschossen werden. Schlimmer ist nur noch "Ich parshippe jetzt". Wer "parshippen" sagt, für den ist leider kein Platz in dieser Gesellschaft. Es ist ein Wort für denkbefreite Yuppieblagen, die grinsen wie tote Meerkatzen und sich wundern, dass sie noch solo sind.

Was war das schön, als der einzige mögliche Kommunikationsfehler darin bestand, aus Versehen eine Faxnummer anzurufen. Faxnummerngefiepe – der Tinnitus des kleinen Mannes. Nie war es so schwer zu kommunizieren wie heute. Der Grund ist simpel: Künstliche Intelligenz und natürliche Blödheit passen einfach nicht zusammen. Schönes Wochenende!

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