Schulmassaker in Texas

Was wir bisher über die Tat und den Schützen wissen

 May 24, 2022, Uvalde, Texas, USA: A woman cries Tuesday May 24, 2022 as she leaves the Uvalde Civic Center. At least 14 students and 1 teacher were killed will a gunman opened fire at Robb Elementary School in Uvalde according to Texas Gov. Gregg Abbott. Uvalde USA - ZUMAa27_ 20220524_znn_a27_012 Copyright: xSanxAntonioxExpress-Newsx

May 24, 2022, Uvalde, Texas, USA: A woman cries Tuesday May 24, 2022 as she leaves the Uvalde Civic Center. At least 14 students and 1 teacher were killed will a gunman opened fire at Robb Elementary School in Uvalde according to Texas Gov. Gregg Abbott. Uvalde USA - ZUMAa27_ 20220524_znn_a27_012 Copyright: xSanxAntonioxExpress-Newsx

Ein Amoklauf mit mehr als 20 Toten an einer Grundschule in Texas hat in den USA Entsetzen ausgelöst und neue Rufe nach einem verschärften Waffenrecht laut werden lassen. Am Dienstag stürmte ein 18-Jähriger die Robb Elementary School in Uvalde, rund 135 Kilometer westlich von San Antonio, im Süden von Texas, und erschoss 19 Kinder und zwei Erwachsene, wie die Behörden mitteilten. Der mutmaßliche Schütze wurde von einem Grenzschutzbeamten erschossen.

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Was ist passiert?

Am Dienstag schoss der Täter amtlichen Angaben zufolge zunächst seiner Großmutter in ihrem Haus, wo er auch gelebt hatte, ins Gesicht - sie war noch in der Lage, den Notruf zu wählen, und sei noch am Leben. Danach flüchtete er mit einem Fahrzeug in Richtung der Robb Elementary School, einer Grundschule mit etwa 600 Schülerinnen und Schülern zwischen sieben und zehn Jahren. Der Täter baute vor der Tat in der Grundschule mit seinem Pick-up-Truck einen Unfall und landete in einem Graben.

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Daraufhin drang er während der Unterrichtszeit in die Grundschule ein. Dabei konnte er das Gebäude ungehindert betreten. Der 18-Jährige habe eine Tür genutzt, die offenbar unversperrt gewesen sei, sagte Victor Escalon, ein Regionaldirektor der Behörde für öffentliche Sicherheit in Texas, am Donnerstag.

Die Polizei sei dann darüber alarmiert worden, dass eine Person mit einem Gewehr in die Schule eindringe. Bei Ankunft der Sicherheitskräfte habe der Schütze das Feuer eröffnet und zwei Polizisten verletzt. Dann habe er sich in einem Klassenraum verschanzt und damit begonnen, „auf Kinder und Lehrer zu schießen, die sich in der Klasse befanden“. Er erschoss 19 Kinder und zwei Erwachsene, darunter eine Lehrerin. Er richtete das Blutbad nach Angaben der Polizei in einem einzelnen Klassenraum an.

Biden fordert nach Amoklauf an US-Grundschule schärfere Waffengesetze

Nach dem Massaker an einer Grundschule im Bundesstaat Texas fordert US-Präsident Joe Biden schärfere Waffengesetze.

Nach massiver Kritik an den vorangegangenen Tagen räumte die zuständige Sicherheitsbehörde am Freitag schwere Fehler bei dem Einsatz ein. Aus Aussagen des Direktors der Behörde für öffentliche Sicherheit in Texas, Steven McCraw, ergibt sich, dass trotz der Präsenz von 19 Beamten vor dem Klassenraum mehr als 45 Minuten lang keine Versuche unternommen worden waren, in den Raum einzudringen und den Schützen zu stoppen. „Es war die falsche Entscheidung. Punkt“, sagte McCraw am Freitag in Uvalde. „Dafür gibt es keine Entschuldigung.“

Behördenchef McCraw berichtete, dass der Schütze etwa um 11.33 Uhr die Schule und schließlich den Klassenraum betrat, in dem er seine Opfer tötete. Bereits um kurz nach 12 Uhr seien 19 Polizisten im Flur vor dem Klassenraum postiert gewesen, hätten aber keine Versuche unternommen, in den Raum einzudringen und den Schützen zu stoppen, sagte McCraw.

Stattdessen sei in jenem Moment die Entscheidung getroffen worden, auf Spezialkräfte zu warten. Die Einsatzkräfte vor Ort seien davon ausgegangen, dass der Schütze nicht mehr schieße, sondern sich lediglich verbarrikadiert habe. Dies habe sich im Nachhinein als Fehleinschätzung erwiesen. Erst um 12.50 Uhr öffneten Spezialkräfte die Tür zum Klassenraum mit einem Schlüssel, wie McCraw weiter schilderte. Diesen Schlüssel hätten sich die Einsatzkräfte vom Hausmeister besorgt.

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Das Minutenprotokoll des Einsatzes können Sie hier nachlesen.

Der Sender CNN berichtete, dass der Schütze kurz vor dem Massaker auch Textnachrichten an ein Mädchen aus Deutschland geschickt habe. Die 15-Jährige soll seit Anfang Mai in Kontakt mit dem Schützen gestanden haben, wie der Sender unter Berufung auf Chatprotokolle und ein Gespräch mit dem Teenager aus Frankfurt am Main berichtete. Kurz vor der Tat soll er sich per Textnachricht über seine Großmutter beschwert haben. Dann habe er dem Mädchen mitgeteilt, der 66-Jährigen in den Kopf geschossen zu haben. Die Frau überlebte. Der Schütze habe dem Mädchen im Anschluss auch geschrieben, in einer Grundschule um sich schießen zu wollen, so CNN. Das sei die letzte Nachricht an das Mädchen in Deutschland gewesen.

Was ist über das Motiv bekannt?

Der Täter handelte laut Ermittlern allein, die Hintergründe der Tat sind bisher unklar. Texas Gouverneur Greg Abbott sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz aber, psychische Erkrankungen seien bei dem Schützen nicht bekannt.

Wer sind die Opfer?

Der Täter erschoss 19 Schülerinnen und Schüler im Grundschulalter sowie zwei Lehrerinnen. Eine von ihnen, eine 44-Jährige, arbeitete seit 17 Jahren an der Schule und unterrichtete die vierte Klasse. Sie wurde erschossen, als sie versuchte, ihre Schülerinnen und Schüler vor den Schüssen zu beschützen.

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Was ist über den Täter bekannt?

Der 18-jährige Tatverdächtige stammte laut Gouverneur Greg Abbott aus Uvalde und ging auf eine nahe gelegene Highschool. Er habe beim Amoklauf eine schusssichere Weste getragen und zwei Waffen dabeigehabt, die er sich zum 18. Geburtstag gekauft habe. CNN meldete, er habe erst kürzlich ein Foto zweier halbautomatischer Gewehre in den sozialen Medien gepostet.

Der Täter habe in einem Restaurant in der Kleinstadt gearbeitet. Der Nachtmanager Adrian Mendes sagte gegenüber CNN über ihn, er sei „meistens allein geblieben“. Und weiter: „Er war eher der ruhige Typ, der nicht viel sagt. Er hat sich nicht wirklich mit den anderen Mitarbeitern unterhalten. Er hat nur gearbeitet, wurde bezahlt und kam herein, um seinen Scheck zu holen.“

Auch der Großvater des Schützen sagte dem Sender ABC, dass sein Enkel nicht viel geredet habe. „Er war sehr ruhig.“ Und zwei der Eltern, die mit der Familie des Täters befreundet waren, beschrieben den Täter als ernsthaft und sagten, er sei jähzornig gewesen. Aber beide waren überrascht, dass er zu solch einer Gewalt fähig sein konnte.

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Abbott zufolge war der Schütze nicht vorbestraft. Es sei aber nicht sicher, ob der Amokläufer irgendwelche Eintragungen als Jugendlicher hatte. Das müsse noch ermittelt werde.

Was ist über die Schule, den Tatort, bekannt?

Sie wird von etwa 600 Schülern besucht. In Uvalde leben etwa 16.000 Menschen. Wie die „New York Times“ berichtet, sind ungefähr 90 Prozent der Schüler und Schülerinnen an der Grundschule laut Aufzeichnungen Hispanics. Demnach seien einem Schulbezirksdokument zufolge 87 Prozent der Schüler an der Schule wirtschaftlich benachteiligt.

Wie reagiert die Öffentlichkeit in den USA?

Der Amoklauf in der kleinen Stadt Uvalde in Texas ist eine der verheerendsten Attacken dieser Art in den USA und lässt viele Amerikaner ratlos und fassungslos zurück. Wieder einmal.

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Wenige Stunden nach der Attacke versuchte US-Präsident Joe Biden in Worte zu fassen, was viele Eltern in Uvalde womöglich fühlen: „Ein Kind zu verlieren, ist, als wenn einem ein Stück der eigenen Seele entrissen wird“, sagt Biden unmittelbar nach seiner Rückkehr von einer Asienreise im Weißen Haus. Der Präsident redet sich in Rage über eine Epidemie an Waffengewalt, die es sonst nirgendwo auf der Welt gebe, über irrsinnige Waffengesetze und jahrzehntelange Untätigkeit. „Ich habe es satt“, klagt er. „Wir müssen handeln.“ Das „Gemetzel“ dürfe nicht immerzu weitergehen. Auch an vielen anderen Stellen werden die Rufe nach schärferen Waffengesetzen – erneut – laut.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch kam es zu einem Eklat: Der Demokrat Beto O‘Rourke unterbrach die Veranstaltung und kritisierte den republikanischen Gouverneur des Bundesstaats, Greg Abbott, für seine Haltung zu den Waffengesetzen. Auch US-Präsident Joe Biden beklagte erneut das Ausmaß an Waffengewalt und kündigte an, die betroffene Gemeinde besuchen zu wollen.

RND/vkoe/dpa/AP/hsc/seb

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