Beamter vor Gericht

Polizist schießt 16-Jährigem in den Kopf – gewaltsame Proteste in Thessaloniki und Athen

Mitglieder der Roma-Gemeinde von Thessaloniki stoßen mit einem Bereitschaftskommando der griechischen Polizei zusammen.

Mitglieder der Roma-Gemeinde von Thessaloniki stoßen mit einem Bereitschaftskommando der griechischen Polizei zusammen.

Thessaloniki. Nach Polizeischüssen auf einen Jugendlichen ist es in der griechischen Hafenstadt Thessaloniki zu gewaltsamen Protesten gekommen. Mehr als 1500 Menschen beteiligten sich am Montagabend an einer Demonstration, die von linken und anarchistischen Gruppen organisiert wurde. Einige der Teilnehmer warfen Schaufensterscheiben ein und schleuderten Brandsätze auf die Polizei, die mit Tränengas und Blendgranaten reagierte. Auch am Dienstagvormittag kam es zu Randalen. Mitglieder der Roma-Gemeinde, zu der der Jugendliche gehört, gerieten mit Sicherheitskräften aneinander, als der verantwortliche Polizist festgenommen und dem Staatsanwalt vorgeführt wurde. Vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft flogen Steine und Stöcke, die Beamten versuchten, die Menschen auseinanderzutreiben, wie Videobilder in griechischen Medien zeigten.

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Auch vor dem Krankenhaus, in dem der Jugendliche liegt, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Roma und der Polizei. Etwa hundert Roma-Angehörige errichteten Barrikaden und blockierten eine Hauptstraße vor dem Krankenhaus. Sie zündeten auch Mülltonnen an.

Demonstrationen in Athen

Mehrere hundert Menschen nahmen auch an einem friedlichen Protestmarsch im Zentrum von Athen teil. Der Protest richtete sich gegen die Schüsse auf den Jugendlichen sowie einen früheren Vorfall, bei dem ein Roma während einer Verfolgungsjagd mit der Polizei erschossen wurde. Die Demonstranten in der griechischen Hauptstadt trugen ein Transparent mit der Aufschrift „Sie haben auf sie geschossen, weil sie Roma waren“.

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Ein Polizist hatte dem mutmaßlichen Benzindieb bei einer Verfolgungsjagd in den Kopf geschossen. Der Zustand des Jugendlichen wird in Medien als kritisch beschrieben. Er soll Montagnacht für 20 Euro getankt haben und dann weggefahren sein, ohne zu bezahlen.

Protestmarsch in Thessaloniki nach dem Schuss auf einen 16-Jährigen durch einen Polizeibeamten.

Protestmarsch in Thessaloniki nach dem Schuss auf einen 16-Jährigen durch einen Polizeibeamten.

Bei der anschließenden Verfolgungsjagd mit Motorradstreifen der Polizei habe er gefährliche Manöver vollführt und auch ein Motorrad der Beamten gerammt, berichtete die Zeitung „Kathimerini“. Als sein Wagen schließlich gestoppt werden konnte, soll der Polizist dem Jugendlichen von hinten durchs Fenster und die Kopfstütze in den Kopf geschossen haben. Der Beamte wurde festgenommen und vom Dienst suspendiert, wie die Polizei in Thessaloniki mitteilte. Der 34 Jahre alte Beamte soll wegen versuchten Totschlags angeklagt werden, ebenso aber der Jugendliche.

Jahrestag gegen Polizeigewalt

Die Behörden sind in erhöhter Alarmbereitschaft, denn ausgerechnet an diesem Dienstag jährt sich zum 14. Mal die Erschießung des damals 15-jährigen Alexandros Grigoropoulos. Er war 2008 bei einem Polizeieinsatz getötet und der verantwortliche Polizist später wegen Mordes verurteilt worden. Seither gibt es an diesem Tag jedes Jahr Demonstrationen gegen Polizeigewalt. Dabei kommt es häufig zu Auseinandersetzungen, Autonome werfen Steine und Brandsätze, die Polizei reagiert mit Tränengas.

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Mitglieder der Roma-Gemeinde in Griechenland und Menschenrechtsaktivisten werfen den Behörden immer wieder vor, Roma zu diskriminieren. Mehrere Roma-Angehörige wurden in den vergangenen Jahren bei Konfrontationen mit der Polizei erschossen oder verletzt, weil sie versucht haben sollen, sich einer Festnahme zu entziehen.

RND/AP/dpa

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