Andreas D. beteuert seine Unschuld

Verurteilter Doppelmörder: Keine Chance auf ein neues Verfahren

Ein Schild weist auf den Eingang des Gerichtsgebäudes A des Landgerichts Darmstadt hin.

Ein Schild weist auf den Eingang des Gerichtsgebäudes A des Landgerichts Darmstadt hin.

Darmstadt. Nach nur zehn Minuten ist alles gesagt in Saal A 213 des Landgerichts im hessischen Darmstadt. „Aufgrund der ausführlichen dargelegten Beweisführung haben wir keine Zweifel am Tathergang“, so die Vorsitzende Richterin. Für den seit mehr als zehn Jahren wegen Mordes an seinen Nachbarn in Haft sitzenden Andreas D. bedeutet das nicht nur, rund 70.000 Euro an das Land Hessen zahlen zu müssen. Auch die vermutlich letzte Hoffnung darauf, aus dem Gefängnis entlassen zu werden, hat sich für ihn zerschlagen. Das Urteil, das in seiner Deutlichkeit kaum zu missverstehen war, ist die fünfte juristische Niederlage, die D. einstecken muss.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Andreas D. war 2011 verurteilt worden, im Frühling 2009 seine Nachbarn Klaus und Petra T. aus einer Reihenhaussiedlung im südhessischen Babenhausen erschossen und deren behinderte Tochter schwer verletzt zu haben. Motiv für die kaltblütige Tat: Die Opfer hätten permanent, Tag und Nacht und massiv gelärmt. D., seine Frau und die drei gemeinsamen Kinder seien davon regelrecht zermürbt worden.

Zahlreiche Indizien hatten D. als Täter entlarvt, unter anderem Schmauchspuren auf einer Hose des heute 52-Jährigen, eine Bauanleitung für einen selbstgebastelten Schalldämpfer, der bei der Tat verwendet worden war und die er von seinem Firmencomputer abgerufen hatte sowie die Tatsache, dass D. genau diesen PC nach der Tat vernichtet hatte.

Keine neuen Beweise

Vor Gericht hatte der Angeklagte 2011 beharrlich geschwiegen. Erst nach seiner Verurteilung hatte er seine Unschuld beteuert. Seitdem kämpfen seine Frau und ein Kreis von Unterstützern um die Freilassung des 52-Jährigen. Der Kreis um D. geht von einem Justizirrtum aus. Allerdings: Die Revision gegen das Urteil vor dem Bundesgerichtshof, ein angestrebtes Wiederaufnahmeverfahren und eine Beschwerde gegen dessen Zurückweisung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main scheiterten, eine Verfassungsbeschwerde wurde gar nicht erst angenommen: D. blieb in Haft. Die neuen Beweise, die D., seine Ehefrau und deren Anwalt vorgelegt haben, waren laut diverser Gerichte eben genau das nicht: neue Beweise. An der Schuld des Mannes bestanden keine Zweifel.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Zwar habe unter anderem ein eigenes, von den Unterstützern D.´s beauftragtes Gutachten ergeben, dass ein selbstgebastelter, mit Bauschaum gefüllter Schalldämpfer, den D. bei der Tat verwendet haben soll, nicht funktioniert haben könne. Das Konstrukt hätte die abgegebenen Schüsse demnach kaum gedämpft, zudem hätten mehr Bauschaumpartikel austreten müssen, als letztlich auf den Leichen gefunden worden waren, so der Anwalt von Andreas D..

Das Landgericht stütze sich 2011 dagegen auf ein Expertengutachten, dass unter anderem die lärmverringernde Wirkung des Schalldämpfers verdeutlichte und zeigte, dass die Bauschaumspuren auf den Leichen zu den Beschussproben passte.

„Es gibt keine Zweifel an der Täterschaft“

So hat es auch die Zivilkammer des Landgerichts Darmstadt am Mittwoch gesehen: Man habe keine Zweifel am offiziellen Gutachten und keine Zweifel an der Verurteilung des Beklagten. Die Urteilsbegründung von 2011 sei klar, absolut nachvollziehbar und sehr detailliert. Die Annahmen des von Familie D. beauftragten Privatgutachters seien dagegen „nicht durchgreifend“. Aus eigener, freier Beweiswürdigung habe das Zivilgericht deswegen eindeutig festgestellt, dass D. seine Nachbarn getötet und deren Tochter schwer verletzt hat. Zudem habe der private Gutachter selbst eingeräumt, dass ihm Daten zu genaueren Untersuchungen fehlten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Dass er ansonsten teilweise „andere Beobachtungen“ bei seinen Beschusstest gemacht habe, „kann verschiedene Gründe haben“, so die Vorsitzende am Mittwoch. Es stehe zweifelsfrei fest, dass ein selbstgebastelter Schalldämpfer bei dem bei der Tat verwendeten Waffentypus eine „gute Schalldämpffähigkeit“ habe. Deswegen gebe es keinen Anlass für ein weiteres Gutachten. „Es gibt keine Zweifel an der Täterschaft des Beklagten“.

Die Ehefrau von Andreas D. nahm das Urteil gefasst auf. „Ich hatte schon beim Reingehen gedacht, das fühlt sich heute nicht gut an“, sagte sie im Anschluss. Das Urteil sei ein neuer Tiefschlag. „Aber das ist nicht das Ende.“ Sie und ihr Mann wollten weiterkämpfen. Sie müsse das Urteil zwar annehmen. „Aber das ist alles Ansichtssache“, so Anja D.. Offenbar habe man keine andere Möglichkeit gehabt. „Aber wir werden nicht lockerlassen.“ Schließlich habe sie nichts erfunden, „und selbst das Bundeskriminalamt hat doch gesagt, dass das nicht geht mit dem Schalldämpfer. Und jetzt heißt es auf einmal, es geht doch“.

Nun strebe sie mit Hilfe ihres Anwalts, der zur Urteilsverkündung nicht erschienen war, ein weiteres Wiederaufnahmeverfahren mit neuen Zeugen an. „Die Frage ist natürlich, ob man das dann zulässt“, so Anja D.. Aber es gebe schließlich andere Fälle, in denen ein solches Verfahren auch erst im zweiten Anlauf Erfolg gehabt hätte.

Mehr aus Panorama

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen