Was Australien aus den Jahrhundertfeuern gelernt hat

Ein Feuer brennt Anfang 2020 im Gras in der Nähe von Bumbalong, südlich der australischen Hauptstadt Canberra.

Ein Feuer brennt Anfang 2020 im Gras in der Nähe von Bumbalong, südlich der australischen Hauptstadt Canberra.

Sydney. Menschen mit Atemmasken am Strand, ein stockdunkler Himmel mitten am Tag, Flammen, die fast bis ans Meer loderten – Australiens Buschfeuer um die Jahreswende 2019/2020 waren eine der schlimmsten Feuerkatastrophen weltweit. Australienweit verbrannten über 17 Millionen Hektar Land, rund drei Milliarden Tiere, und über 30 Menschen kamen ums Leben.

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In gewisser Weise lebt man in Down Under jedoch mit dem Thema Feuer. Denn: „Feuer gehören zur australischen Landschaft dazu, sie sind Teil des Lebenszyklus“, wie die Ökologin Kathy Butler bei einem Ortsbesuch rund zwölf Monate nach den Bränden erklärte. Australiens Grasbäume und Eukalypten brauchen sogar die Hitze eines Feuers, um sich zu erneuern und zu vermehren. Allerdings seien die Megafeuer, die 2019/2020 über Monate wüteten, „nicht normal“ gewesen, erklärte die Expertin.

Australiens Busch: Meister der Regeneration

In vielen Fällen ließ sich erkennen, wie sich der Klimawandel einmischte: Beispielsweise fachten höhere Temperaturen und trockenere Vegetation gepaart mit heißen, trockenen Winden die Feuer in Australien geradezu an. Teilweise waren die Brände so intensiv, dass sie sogar ihr eigenes Wetter kreierten – Stürme, die mit ihren Blitzen weitere Feuer auslösten. Indirekt wurde der Klimawandel damit neben dem Menschen, fehlerhaften Stromleitungen und Trockengewittern mit zum Brandstifter.

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Glücklicherweise ist der australische Busch jedoch ein Meister der Regeneration. Bereits zwölf Monate nach den Bränden spross es an fast jeder Ecke wieder grün. Die Eukalypten sahen „haarig“ aus – sie ließen Äste mit grünen Blättern aus dem Stamm heraussprießen, um die Photosynthese der verbrannten Baumkrone zu unterstützen. Die Grasbäume standen in voller Blüte, andere Büsche wuchsen bereits aus dem Boden heraus nach. Samen, die die Hitze eines Feuers brauchten, um sich aus ihrer Kapsel zu befreien, hatten Wurzeln geschlagen und kleine Sämlinge sich ihren Weg aus der Erde gebahnt.

Inzwischen – über eineinhalb Jahre nach der Katastrophe – sind große Teile des verbrannten Busches wieder nachgewachsen. Doch andere Narben bleiben: Vor allem die Tierwelt kann sich nicht ebenso schnell erholen wie die Pflanzenwelt. Letztendlich ist aber auch die Vegetation durch die Feuer gefährdet: Denn durch den Klimawandel brennt es häufiger und heftiger, und dadurch ist nicht nur die Biodiversität der Fauna, sondern auch der Flora unter Druck geraten.

Technologie im Kampf gegen die Katastrophe

Um künftig besser auf Feuerkatastrophen vorbereitet zu sein, schult die australische Forschungsagentur CSIRO inzwischen staatliche Behörden in Brandverhalten und -vorhersage. Vor allem der Einsatz von Technologie soll helfen, Feuer künftig „besser zu verstehen, vorherzusagen und zu managen“, wie die Forscher schreiben. Unter anderem entwickelten die Wissenschaftler ein Modell namens Spark, das die Ausbreitung eines Feuers in der Natur berechnen kann und inzwischen von den Brandschutzbehörden in mehreren australischen Bundesstaaten genutzt wird.

Auch Satellitendaten finden vermehrt Einsatz, um Feuerhotspots zu kontrollieren. Zudem haben die Forscher eine „Emergency Situation Awareness (ESA)“-Software entwickelt, die die sozialen Medien überwacht, um dort Feuermeldungen schnell herauszufiltern. Auch die finanziellen Mittel der Feuerwehr wurden erheblich erhöht. Beispielsweise sollen Trucks besser ausgestattet werden, sodass sie einer Feuersbrunst widerstehen und Feuerwehrleute in ihrem Inneren sicher sind.

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Methoden der Aborigines im Einsatz

Im Nachgang der Feuerkatastrophe fanden zudem „erhebliche Diskussionen über Brandschutzpraktiken“ statt, wie Tina Bell berichtete, eine Feuerökologin an der Universität von Sydney. Um einen neuen Umgang mit dem Feuer zu finden, besann man sich auch wieder verstärkt auf die traditionellen Methoden der Aborigines, der australischen Ureinwohner. Seit den Bränden würden indigene Stimmen mehr gehört, bestätigte die Expertin.

Denn die Aborigines leben seit Tausenden Jahren mit Feuern und brannten den Busch schon seit jeher zurück, um ihn zu verjüngen und zu regenerieren. Ihre traditionelle Herangehensweise arbeitet mit relativ häufigen, kleinen und „kühlen“ Bränden – eine Methode, von der die australische Vegetation profitiert, die aber auch hilft, extreme Katastrophen wie die im Sommer 2019/2020 zu vermeiden.

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