Israeli verkleidet sich als Muslim

Als „Ungläubiger“ heimlich in Mekka

Ein muslimischer Pilger betet während der Hadsch-Pilgerfahrt auf den Ebenen des Berges Arafat, der auch als Jabal al-Rahma (Berg der Barmherzigkeit) bekannt ist. Vor 1400 Jahren zog der Prophet von Mekka nach Medina – ein Wendepunkte in der Geschichte des Islams.

Ein muslimischer Pilger betet während der Hadsch-Pilgerfahrt auf den Ebenen des Berges Arafat, der auch als Jabal al-Rahma (Berg der Barmherzigkeit) bekannt ist. Vor 1400 Jahren zog der Prophet von Mekka nach Medina – ein Wendepunkte in der Geschichte des Islams.

Tel Aviv. Ein israelischer Journalist hat heimlich die für Muslime heilige Stadt Mekka in Saudi-Arabien besucht und damit in sozialen Netzwerken für Empörung gesorgt. Die Reise des Journalisten Gil Tamari fand am Rande des Besuchs von US-Präsident Joe Biden in dem arabischen Land statt und wurde vom israelischen Sender Channel 13 News am Montagabend ausgestrahlt. Der Zutritt zu der heiligsten Stätte des Islams ist Nicht-Muslimen und ‑Musliminnen verboten.

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Es ist unverantwortlich und schädlich, so einen Bericht nur um der Einschaltquoten willen zu senden.

Issawi Freids, Israels Minister für Regionale Entwicklung

Israels Minister für Regionale Entwicklung Issawi Freidsch sagte am Mittwoch Medienberichten zufolge zu dem Vorfall, es sei „unverantwortlich und schädlich, so einen Bericht nur um der Einschaltquoten willen zu senden“. Er behindere die von Israel angestrebte Normalisierung der Beziehung mit Saudi Arabien. Auch in den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik.

Muslimische Pilger im Juli 2022 im Mekka, in der Mitte sieht man die Kaaba.

Muslimische Pilger im Juli 2022 im Mekka, in der Mitte sieht man die Kaaba.

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Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Journalist in einem Auto an der Großen Moschee in Mekka vorbeifährt und Straßenschilder für „Nicht-Muslime“ bewusst ignoriert. „Ich kann sagen, ich war in Mekka“, sagte Tamari in der Videoreportage auf Englisch. Zudem veröffentlichte er ein Foto von sich auf dem Berg Arafat.

Auf Twitter entschuldigte sich Tamari

Auf Twitter entschuldigte sich Tamari hinterher: „Der Zweck dieses ganzen Unterfangens war es, die Bedeutung von Mekka und die Schönheit der Religion zu zeigen und dadurch mehr religiöse Toleranz und Integration zu fördern“, schrieb er. Er habe Musliminnen und Muslime sowie auch andere Menschen nicht beleidigen wollen.

Während Muslime problemlos die Klagemauer, den Vatikan oder den Kreuzweg in der auch ihnen heiligen Stadt Jerusalem besuchen können, sind umgekehrt die heiligen Stätten in Mekka für Nicht-Muslime tabu. Einzig und allein deshalb, weil das in Saudi-Arabien herrschende Islamverständnis dies so vorschreibt.

Dieses Verbot beruht auf einer besonders strengen Interpretation religiöser Quellen. Imam Metwali Mousa, Vorsitzender des Bundesverbands für Islamische Tätigkeiten und Mitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland, äußerte gegenüber dem Deutschlandfunk dafür eine historische Erklärung, die direkt auf den Koran zurückgeht:

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Es gab Polytheisten, die nackt und unsauber um die Kaaba liefen.

Mitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland

„In der Zeit des Propheten Muhammed gab es Polytheisten, die nackt und unsauber um die Kaaba liefen“, erklärt er. „Sie wurden im Koran als ‚unrein‘ beschrieben und man hat ihnen das Betreten der Kaaba verboten.“

Dennoch kam es immer wieder vor, dass Nicht-Muslime inkognito die Kaaba besuchten. Der berühmteste war 1853 der britische Entdeckungsreisende und Erfolgsbuchautor Sir Richard Francis Burton. Er reiste – als muslimischer Pilger verkleidet – nach Medina und Mekka. Burton gelangte als einer der ersten Europäer unerkannt bis zur Kaaba, dem zentralen islamischen Heiligtum. Zu Burtons Lebenswerk gehörten rund 60 Bücher.

RND/dpa/stu

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